Miko Peled: Israel auflösen und einen Staat für alle errichten
Miko Peled ist der Enkel von Avraham Katznelson, einem der Unterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung, und der Sohn von Mattityahu Peled, einem General im Sechstagekrieg von 1967. Er selbst diente in den israelischen Spezialeinheiten. Heute vertritt er genau das Gegenteil dessen, wofür sein Name steht: dass Israel aufgelöst und durch einen demokratischen Staat ersetzt werden sollte, der Israelis und Palästinenser gleichberechtigt beherbergt. Dies erklärte er in einem Interview mit El Independiente, das zu Beginn dieser Diskussion zitiert wird, als der Konflikt im Gazastreifen bereits mehr als 32.000 Tote gefordert hatte und der Küstenstreifen in Trümmern lag.
Was der Enkel eines Gründers Israels genau vorschlägt
Peleds These lässt keine Nuancen zu: „Israel ist ein Regime von Mafiosi, das von einer relativ kleinen Gruppe Kämpfer gedemütigt wurde, die ins Land eindringen und es im Grunde lahmlegten.“ Daraus zieht er seine Schlussfolgerung: den Staat auflösen und ein demokratisches Palästina aufbauen. Es ist eine Position, die auf dem Papier nicht isoliert dasteht, aber in der Praxis eine Minderheitenmeinung ist. Er selbst räumt ein: „Es gibt andere israelische Stimmen, die sagen, was ich sage, aber sie sind sehr wenige. Es ist sehr gefährlich geworden, offen zu sprechen.“
Sein Aktivismus, so berichtet er, begann 1997, nachdem er seine Nichte bei einem Selbstmordattentat in Jerusalem verloren hatte. Aus dieser Erfahrung entstand Der Sohn des Generals: Die Reise eines Israeli nach Palästina. Bezüglich Gaza ist seine Diagnose eindeutig: „Israel begeht seit 76 Jahren Völkermord in Palästina.“ Und er fügt hinzu, dass das, was wir jetzt sehen, „ein hohes Maß an Völkermord ist, ohne Zweifel“.
Der israelische Staat, wie Peled ihn beschreibt: politisches Chaos und ineffizientes Militär
Hinsichtlich der unmittelbaren Zukunft Israels sieht Peled keinen bevorstehenden Kollaps, sondern etwas Unbequemeres: einen inneren Implosionsprozess. „Das israelische politische System befindet sich in völliger Unordnung. Es implodiert. Sie fressen sich gegenseitig auf.“ Seiner Meinung nach haben sich das Militär und die Geheimdienste entlarvt: „Die letzten Angriffe der Hamas haben gezeigt, dass das israelische Militär und der Geheimdienst nichts anderes sind als Papiertiger.“
In Bezug auf Netanyahu spekuliert Peled nicht über seinen Sturz: „Er kann noch lange an der Macht bleiben. Ich glaube nicht, dass sein Amt als Premierminister in irgendeiner Weise gefährdet ist.“ Und er erklärt warum: Seine Koalition ist breit, er hat eine komfortable Mehrheit in der Knesset (dem israelischen Parlament) und vor allem „tut seine Regierung genau das, was die israelische Öffentlichkeit sehen will: so viele Palästinenser wie möglich töten“. Über ihn urteilt er: „Netanyahu verdient es, den Rest seines Lebens im Gefängnis zu verfaulen.“
Die Zwei-Staaten-Lösung und die Debatte über Demokratie und Religion
In der Diskussion, die auf das Interview folgt, wird die Idee der zwei Staaten schnell abgetan. Ein Beitrag fasst es zusammen: „Die Zwei-Staaten-Lösung ergibt keinen Sinn.“ Von da an verschiebt sich der Fokus auf eine unbequeme Frage: Gibt es überhaupt eine Demokratie mit muslimischer Mehrheit? Malaysia und Iran werden genannt. Die am häufigsten wiederholte Antwort lautet, dass Iran keine echte Demokratie sei, weil nach der Ankunft Chomeinis Dissidenten aller Art gesäubert wurden. Ein anderer Beitrag differenziert, dass Malaysia durchaus eine Demokratie mit muslimischer Mehrheit sei.
Der Skeptizismus erstreckt sich auch auf das Konzept selbst: „Demokratie ist ein Mythos, eine pseudospirituelle Entelechie, das westliche Markenzeichen einer fantasievollen Verpackung, mit der Plutokratien getarnt werden.“ Und eine wiederkehrende Gegenfrage: „Kennt ihr ein demokratisches muslimisches Land?“ Darauf wird mit den Erfahrungen im Irak und in Afghanistan geantwortet, die als „amerikanische Demokratisierungen, das heißt israelische, das heißt Massenmord“ bezeichnet werden.
Die Wendung der Debatte: von Geopolitik zu Beleidigung und Diskreditierung
Mit fortschreitender Diskussion degradiert sich die Analyse. Es tauchen Anschuldigungen auf, ausländische Interessen zu bedienen, Verweise auf einen vermeintlichen „Anglozionismus“, Vergleiche mit dem Holocaust, die als Wurfgeschosse verwendet werden, und in den späteren Abschnitten direkte Drohungen sowie Antworten, die damit prahlen, diese mit Gewalt beantwortet zu haben. Das Niveau sinkt so weit, dass die Diskussion über die Zukunft Gazas unter dem Austausch von Beschimpfungen begraben wird.
Dazwischen steht ein konkreter Vorschlag: Den Hauptsitz der UNO von New York nach Jerusalem verlegen, Jerusalem zur Hauptstadt Palästinas und der Vereinten Nationen erklären und zum Status quo vor 1948 zurückkehren, indem die Vereinbarungen, die den jüdischen Staat schufen, für ungültig erklärt werden, weil „Israel seitdem KEINE EINZIGE davon eingehalten hat“. Es wird daran erinnert, dass die Osloer Abkommen zwischen Arafat und Rabin damit endeten, dass beide ermordet wurden, und dass es Netanyahu war, der sie bei seiner Machtergreifung brach.
Was man zwischen den Zeilen im Rest der Diskussion lesen kann
Ein Argumentationsstrang zieht sich durch einen Großteil der Debatte: die Idee, dass das Problem nicht Israel im Abstrakten ist, sondern ein Modell einer organisierten Gemeinschaft, das als kohäsive Kraft innerhalb anderer Staaten wahrgenommen wird. Das historische Modell der Zerstreuung, angewandt in Spanien, wird erwähnt und als Rezept verteidigt. Dies ist eine Linie, die an die Grenze zur Verallgemeinerung über eine Kollektivgruppe stößt und im besten Fall eine Hypothese ohne Daten bleibt.
Auch der Vergleich mit anderen arabischen Ländern taucht auf: „Die meisten arabischen Länder sind Orte mit Ordnung und Wohlstand. Es sind keine gescheiterten Staaten, außer wenn die USA eingreifen, um sie zu ‚befreien‘.“ Und die Warnung, dass Demokratie „nicht Teil ihrer Kultur ist. Auch nicht unserer.“
Mit diesen Bausteinen ist die Vorhersage schwierig. Wenn das Material eines deutlich macht, dann ist es, dass die Distanz zwischen denen, die die Auflösung Israels fordern, und denen, die daran zweifeln, dass in der Region eine mögliche Demokratie existiert, nicht in Argumenten gemessen wird, sondern in gegenseitigem Misstrauen. Und diese Kluft hat heute keine Brücke.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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