Meloni und Kissinger: Das Foto, das die europäische Rechte spaltet
Ein Foto von Giorgia Meloni neben Henry Kissinger reicht aus, um eine Wunde wieder aufzureißen, die die europäische Rechte seit einem halben Jahrhundert trägt. Die Szene, ironisch kommentiert und verbreitet, führte dazu, dass Teile des radikalsten Wahlvolks der italienischen Premierministerin vorwerfen, zum Schoßhündchen des Establishments geworden zu sein, das sie angeblich bekämpft. Das Argument ist nicht neu: Es ist dasselbe, das gegen Franco vorgebracht wurde, als er sich mit dem amerikanischen Diplomaten traf, und dasselbe, das nun gegen Meloni gerichtet wird, weil sie sich mit jemandem ablichten ließ, der laut dieser Lesart bestimmt, wer in Europa das Sagen hat.
Die Paradoxie besteht darin, dass Meloni selbst vor wenigen Wochen an Kundgebungen der Vox teilnahm, wie einige der schärfsten Kommentare erinnern. Dieses Detail macht das Foto zu einem Kohärenzproblem für die spanische Extreme Rechte: Wenn sich das italienische Vorbild mit dem Architekten der globalen Ordnung fotografieren lässt, was bleibt dann vom antiimperialistischen Diskurs?
Kissinger, der Mann, der alle seine Feinde überlebt
Henry Kissinger ist der rote Faden fast der gesamten Diskussion. Mit über hundert Jahren wird der ehemalige US-Außenminister immer noch als die größte intellektuelle Macht in der Politik seit Talleyrand oder Fouché dargestellt, fähig, Jahre im Voraus vorherzusagen, was in der Ukraine geschehen würde. Für manche beweist dies, dass er die Strippen zieht; für andere bedeutet es einfach, dass er weiß, was er selbst mitgestaltet hat.
Der Fall Carrero Blanco taucht immer wieder als Präzedenzfall auf. Der Admiral hatte einen Atomplan vorgesehen, der Spanien zur Energiegroßmacht gemacht hätte, und wurde am Tag nach seinem Treffen mit Kissinger ermordet. Die zeitliche Übereinstimmung nährt die These, dass ein starkes Spanien den angloamerikanischen Interessen gefährlich war. Meloni hingegen lebt noch. Die Schlussfolgerung, die manche ziehen, ist, dass sie diesen gleichen Interessen dient.
Manche gehen weiter und behaupten, Kissinger habe nichts vorhergesagt, sondern im Voraus gewusst, was passieren würde. Der Unterschied zwischen Vorhersage und Wissen ist in diesem Kontext eine schwere Anschuldigung.
Warum bricht die europäische Extreme Rechte nicht mit Washington?
Die oft wiederholte Antwort ist ökonomischer Natur: Investitionsfonds und große Kapitalgeber, die die internationale Finanzordnung stützen, kennen keine ideologischen Grenzen. Wer an die Macht kommt, ob Meloni, Orbán oder Sarracena, akzeptiert am Ende die Spielregeln. Das Foto mit Kissinger wäre der visuelle Beweis dieser Unterwerfung.
Gegen diese These verteidigt eine andere Strömung, dass Politik die Kunst des Möglichen sei. Die Vox sitzt in den Institutionen und übt Dissidenz innerhalb des Systems aus; zu versuchen, über Nacht eine neue Ordnung zu errichten, ist kindisch. Nach diesem Argument bedeutet die systematische Kritik an der Extreme Rechten wegen mangelnder Reinheit, der Linken in die Hände zu spielen.
Die vollständige Rechnung mit Namen der Fonds und dokumentierten Treffen ergibt eine Analyse, die hier nur angedeutet wird. Klar ist, dass das Foto keine Anekdote ist: Es ist ein Symbol dafür, wie weit Pragmatismus geht, wenn man an die Macht kommt.
Carreros Atomplan und Verschwörungstheorie
Der Plan Islero, das spanische Atomprojekt, das Carrero Blanco vorantrieb, wird als Grund angeführt, warum Spanien gebremst wurde. Hätte man es durchgeführt, so argumentieren manche, wäre das Land heute eine Großmacht und müsste sich Marokko nicht mit einer fünften Kolonne im Inneren stellen. Der Tod des Admirals wäre laut dieser Version eine geopolitische Abrechnung gewesen.
Diese Lesart verbindet sich mit einem breiteren Misstrauen gegenüber den USA: Es wird argumentiert, dass ein starkes Spanien nie in ihrem Interesse liegen konnte, da sie der geistige Nachfolger des angloamerikanischen Feindes seien und fügsame europäische Kolonien bevorzugten. Deutschland wäre die Premium-Kolonie; Spanien die zweite Klasse.
Nichts davon ist bewiesen. Es sind Hypothesen, die in bestimmten Kreisen stark kursieren und durch das Foto von Meloni wiederbelebt wurden. Die unangenehme Frage, die im Raum steht, lautet: Warum lassen sich alle Anführer, die einen Bruch mit dem System versprechen, schließlich mit denen fotografieren, die es entworfen haben?
Die europäische Extreme Rechte verkauft seit Jahren Bruch und praktiziert Integration. Das Foto von Meloni mit Kissinger ist nur der neueste Beweis dafür, dass echte Macht nicht gewählt, sondern geerbt wird. Oder glaubt jemand, die italienische Premierministerin habe nicht gewusst, mit wem sie sich fotografiert?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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