Madrid: Vorwürfe wegen Auftragsvergabe an Alondra de la Parra

Alondra de la Parras Firma Elekin Arts erhielt 65.000 Euro von Madrid Cultura y Turismo für eine ORCAM-Show, laut Vertragsakte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Comunidad de Madrid vergab einen Vertrag über 65.000 Euro für eine ORCAM-Vorstellung an Elekin Arts, die Firma der mexikanischen Dirigentin Alondra de la Parra. Die Vergabe erfolgte im verhandelten Verfahren ohne öffentliche Ausschreibung. De la Parra hatte das Unternehmen drei Monate nach ihrer Ernennung zur Künstlerischen Leiterin der öffentlichen Stiftung gegründet, deren Vorstand überwiegend mit hochrangigen Politikern aus dem Kabinett von Isabel Díaz Ayuso besetzt ist.

## Ein Vorstand dominiert von Ayusos Regierungsmitgliedern

Die Fundación Orquesta y Coro de la Comunidad de Madrid (ORCAM) ist eine Stiftung des öffentlichen Sektors. Ihr Vorstand wird vom Minister für Kultur, Tourismus und Sport, **Mariano de Paco Serrano**, geleitet. Als Vizepräsident fungiert **Luis Fernando Martín Izquierdo**, sein Stellvertreter im Ministerium, der drei Monate nach der Auswahl von Alondra de la Parra als Künstlerische Leiterin ernannt wurde.

Unter den Beisitzern finden sich **Bartolomé González Jiménez**, Generaldirektor für Kulturerbe und Ex-Bürgermeister von Alcalá de Henares (PP); Manuel Lagos Gismero, Generaldirektor für Kultur und Kreativwirtschaft; sowie Laura Martínez Cerro, Generaldirektorin für Tourismus und Gastgewerbe. Fünf der sechs im Organigramm aufgeführten Mitglieder sind hohe Beamte der Regionalregierung. Während die Präsenz öffentlicher Vertreter in solchen Stiftungen üblich ist, wirkt die Konzentration hier auffällig: Es gibt keine unabhängigen Beiräte oder Vertreter aus der Musikbranche oder dem Betriebsrat, wie es bei früheren Prozessen der Fall war.

María Antonia Rodríguez, Geschäftsführerin der Stiftung, brachte den Namen Alondra de la Parra im September 2023 ins Spiel. Laut Aktenlage begründete sie dies mit ihrem „hohen internationalen Profil in künstlerischer und kommunikativ Hinsicht“. Der Kulturminister kündigte damals eine „aufregende und herausfordernde Ära“ für die Institution an.

## Ein Vertrag über 457.000 Euro ohne Wettbewerb

Die Einstellung von Alondra de la Parra als Künstlerische Leiterin erfolgte im verhandelten Verfahren ohne öffentliche Ausschreibung. Das Vergaberecht erlaubt diesen Weg statt der freien Konkurrenz, wenn die Leistung nur einem bestimmten Anbieter aufgrund einzigartiger künstlerischer Schaffensprozesse übertragen werden kann. Die Stiftung sah diese Einzigartigkeit in der Leitungsfunktion gegeben. Der Vertrag wurde mit einem einzigen Angebot zu einem Nettowert von **457.000 Euro** für vier Jahre geschlossen. Die Unterzeichnung erfolgte im Januar 2024, die Tätigkeit begann im September desselben Jahres.

Der unmittelbare Vorgängerfall verlief anders. Die frühere Leiterin, die Polin **Marzena Diakun**, wurde 2020 nach einem transparenten Auswahlverfahren eingestellt, das auf freiem Wettbewerb, Gleichbehandlung, Verdienst und Eignung basierte. Für ihre Wahl wurde ein pluralistisches Fachgremium gebildet, das öffentliche Verantwortliche, Branchenvertreter und den Betriebsrat einschloss.

Der Unterschied im Verfahren zwischen beiden Ernennungen lenkt den Fokus auf die Verwaltung der Stiftung. Die Oppositionspartei Más Madrid kritisierte, dass Vorstand und Aufsichtsrat „wie eine Mafia“ agierten. Diese Aussage fiel zeitgleich mit der Entlassung einer Mitarbeiterin, die öffentlich Intransparenz, Repressalien und diskriminierende Behandlung durch die Führungsspitze angeprangert hatte.

## Elekin Arts und der 65.000-Euro-Vertrag

Alondra de la Parra gründete die Gesellschaft **Elekin Arts SL** am 24. April 2024, gemäß Handelsregisterdaten. Das Stammkapital betrug 3.000 Euro, sie selbst war alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin. Das Unternehmen erbringt Dienstleistungen rund um die darstellenden Künste: Produktion und Organisation von Theater, Konzerten, Opern und Tanzveranstaltungen. Somit leitete dieselbe Person, die die öffentliche Stiftung künstlerisch führte, auch ein privates Produktionsunternehmen.

Weniger als ein Jahr später folgte der erste große Auftrag der Comunidad de Madrid. Im Februar 2025 vergab die staatliche Gesellschaft **Madrid Cultura y Turismo** erneut im verhandelten Verfahren ohne Ausschreibung einen Vertrag für eine Vorstellung an Elekin Arts. Das Stück hieß **The Silence of Sound**, inszeniert von Alondra de la Parra selbst und mit Chula the Clown sowie der ORCAM-Band. Die Aufführungen fanden am 28. Februar sowie am 1. und 2. März in den Teatros del Canal statt. Der Vertrag belief sich auf **65.000 Euro** netto.

In den Akten heißt es, der Preis sei durch ein „Gutachten des zuständigen Technikers“ festgelegt worden. Dieses Gutachten fehlt jedoch in der Dokumentation, obwohl bekannt ist, wo es stehen sollte. Viele Dateien, einschließlich der Lastenhefte, tragen die Unterschrift von Luis Fernando Martín Izquierdo, dem Geschäftsführer von Madrid Cultura y Turismo, stellvertretenden Kulturminister und Vizepräsidenten des ORCAM-Vorstands. Quellen aus dem Kulturministerium betonen, dass „kein Interessenkonflikt bei der Unterschrift des stellvertretenden Ministers vorliegt, da er als alleiniger Geschäftsführer die Entscheidung des Verwaltungsrats vollzieht“. Dieselben Quellen klären andere Fragen nicht auf und geben an, das Budget orientiere sich an der „Gage der künstlerischen Aktivität sowie der Relevanz und dem Prestige der Kompanie“.

Fabiola Pérez Rodríguez, Geschäftsführerin von Elekin Arts, präzisiert, dass The Silence of Sound bereits 2022 Premiere hatte und seitdem **34 Mal** in zehn Städten in fünf Ländern aufgeführt wurde, mit insgesamt über **38.000 Zuschauern**. Sie betont, der Vertragsgegenstand umfasse „nicht die Anstellung des Orchesters“. Der offizielle Vertragstext erwähnt die Stiftung jedoch explizit: „Aufführung von The Silence of Sound von Alondra de la Parra/ Chula The Clown/ Orcam“.

## Arbeitsrechtliche Klagen und Entlassung

Die Journalistin **Cristina Álvarez Cañas**, ehemalige Mitarbeiterin der Kommunikationsabteilung der ORCAM, hatte ihre Stelle durch eine öffentliche Ausschreibung erhalten. Im vergangenen Sommer trat sie vor dem Kulturausschuss der Versammlung von Madrid auf, um ihren Fall zu schildern. Sie beschreibt die Ankunft von María Antonia Rodríguez als Beginn einer Phase der „Intransparenz, Vetternwirtschaft beim Vergaben und Ende guter Praktiken“.

Der Arbeitskonflikt eskalierte nach einem Interview mit dem Schweizer Musiker **Charles Dutoit**, der von Sängerinnen und Instrumentalisten sens Gewalt beschuldigt wird. Das Ministerium hatte Dutoit für die Saison 2023-2024 für die Sinfoniekonzerte im Auditorio Nacional engagiert. Die Kommunikationsleiterin vereinbarte ein Interview mit einem nationalen Medium als Teil der Promotion. Als der Interviewer die Vorwürfe ansprach, beendete Dutoit das Gespräch sichtlich verärgert. Laut der ehemaligen Mitarbeiterin habe María Antonia Rodríguez den Journalisten genötigt, das Interview nicht zu veröffentlichen, was dieser tat. Der Vorfall führte zur Entlassung von Álvarez Cañas, weil sie den Inhalt des Interviews nicht vollständig „koordiniert“ habe. Gerichte gaben dem Unternehmen recht; eine Berufung steht noch aus.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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