Madrid verliert 6.000 Geschäfte in einem Jahr und zählt bereits 114 Einkaufszentren
Die Rechnung geht auf. Madrid beendete das Jahr 2023 mit 44.388 Unternehmen im Einzelhandel, ein Jahr zuvor waren es noch 50.391. Das sind 6.003 weniger Geschäfte in zwölf Monaten, laut den vom INE (Nationales Statistikinstitut) bereitgestellten Daten, die von der regionalen Opposition zitiert werden. Parallel dazu bereitet die spanische Region mit der höchsten Dichte an Einkaufszentren pro Einwohner sechs weitere Eröffnungen vor Ende 2025 vor: zwei in der Hauptstadt (El Cañaveral und Valdebebas) und vier in Getafe, Arroyomolinos, Alcalá de Henares und San Lorenzo de El Guanol. Die Gesamtzahl wird auf 114 steigen. Katalonien, das mehr Einwohner hat, bleibt bei 52.
Das Muster ist nicht neu, aber das Tempo schon. Mehr als 95 % der geschlossenen Lokale hatten keine Angestellten: Es handelte sich um Familienbetriebe. Marta Lozano, Abgeordnete von Más Madrid, fasst es mit einem Bild zusammen, das sich in den Stadtvierteln wiederholt: „Sie verwandeln sich allmählich in städtische Wüsten.“ Ihre Frage – welches Handelsmodell will die Autonome Gemeinschaft Madrid? – hat keine bekannte offizielle Antwort.
Was das INE über den Einzelhandel in Madrid sagt
Die Zahlen sind hartnäckig. Zwischen 2022 und 2023 verschwanden 6.003 Einzelhandelsgeschäfte in der Region. Die meisten waren Kleinstunternehmen ohne Personal, das Gewebe, das das Leben einer Straße trägt: der Gemüseladen, die Kurzwarenhandlung, das Schuhgeschäft im Viertel. Wir sprechen nicht von insolventen Großflächenmärkten, sondern von Selbstständigen, die ihre Rolläden herunterlassen.
Einige behaupten, die Ursache sei die Abwanderung der Kunden zu den Einkaufszentren; andere weisen auf den Online-Handel hin, der seit Jahren Boden gutmacht. Im Grunde verstärken sich beide Faktoren gegenseitig: Das Einkaufszentrum bietet kostenlose Parkplätze, Klimaanlage und alles aus einer Hand; das Ladengeschäft im Viertel schlechte Parkmöglichkeiten und Bußgelder. Die Gleichung ist nicht nur wirtschaftlich, sie ist eine Frage des Komforts.
Einkaufszentren in Madrid: 114 gegenüber 52 in Katalonien
Madrid führt Spanien bei der Dichte an Einkaufszentren und -parks pro Einwohner an. Die letzten beiden eröffneten waren der Nexum Retail Park in Fuenlabrada und La Finca Grand Café in Pozuelo de Alarcón. Vor Ende 2025 sollen sechs weitere hinzukommen: zwei in der Hauptstadt und vier in Gemeinden im Süden und Osten. Die Endzahl von 114 übertrifft die katalanische Zahl deutlich.
Das Paradoxon besteht darin, dass Katalonien mehr Einwohner und weniger große Verkaufsflächen hat. Sind 114 Zentren notwendig? Wurde irgendeine Studie zu sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen durchgeführt? Dies sind Fragen, die die Opposition gestellt hat, ohne eine Antwort zu erhalten. Die PP regiert mit einem Gesetz zur Beseitigung bürokratischer Hürden, das nach Ansicht ihrer Befürworter die Geschäftseröffnung beschleunigt; Kritiker sagen, es ebne den Weg für Investmentfonds.
Kleiner Handel im Viertel: Wer schließt und warum
Armando Rodríguez, Präsident der COCEM (Konföderation des Fachhandels von Madrid), vereint Tausende von Betrieben: Schuhgeschäfte, Buchhandlungen, Möbelhäuser, Gemüseläden. Die Frage ist direkt: Schädigen die großen Zentren den kleinen Handel? Die Antwort ist weder einstimmig noch einfach.
Ein Teil der Analyse besagt, dass das Problem nicht die großen Ketten sind, sondern der Kunde. Die Menschen kaufen dort, wo es bequem ist, einschließlich jener, die bei Zara einkaufen, aber nie bei Modas Pepi. Eine andere Strömung weist darauf hin, dass die Bedingungen in den Einkaufszentren von den großen Betreibern diktiert werden, was kleine Mieter verdrängt. Und eine dritte Gruppe zeigt auf, dass Supermärkte aus dem Zentrum in Industriegebiete ziehen, was die Straßen entleert.
Das Ergebnis ist dasselbe: weniger Kurzwarenläden, weniger Fischgeschäfte, weniger Eisenwarenläden. An deren Stelle treten Franchises und Ketten. Der Nahversorgungs-Handel wird zur Erinnerung, und die Viertel werden zu Schlafstädten.
Airbnb und Tourismusunterkünfte: Die andere Front des Kleinhandels
Ein Teil der Debatte macht die Ferienvermietung für das Sterben des lokalen Handels verantwortlich. Die vorliegenden Daten: Madrid hat etwa 1.500.000 Wohnungen, von denen 16.000 (1,06 %) auf Airbnb gelistet sind. Die Hälfte davon hatte im vergangenen Jahr keine Belegung. Das bedeutet, dass 0,5 % der Wohnungen, konzentriert in Centro, Chamberí und Salamanca, allein nicht die Schließung von 6.000 Geschäften erklären.
Das Argument hat seine Logik: Wenn ein Lokal zur Tourismusunterkunft wird, verliert das Viertel stabile Nachbarn und gewinnt Durchreisende. Aber die Größenordnung passt nicht zur Tragödie. Einige behaupten, das Problem sei älter: Supermärkte begannen bereits, die Straßen zu leeren, bevor es Airbnb gab. Und in Vierteln, in denen der Handel rentabel ist, schließt er nicht.
Selbstständige und Bürokratie: Offizielles Narrativ gegen Realität
Die Autonome Gemeinschaft Madrid rühmt sich, Steuerparadies zu sein und die Beiträge für Selbstständige sowie bürokratische Hürden reduziert zu haben. Ihre Befürworter argumentieren, dass in Madrid die meisten Unternehmen gegründet werden und dass Gesetze zur Beschleunigung die Eröffnung eines Geschäfts ohne vorherige Lizenz ermöglichen. Kritiker entgegnen, dass Hilfen unter Arbeitgeberverbänden verteilt würden und dass ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern für Subventionszwecke als „Kleinstunternehmen“ gilt.
Die irritierende Tatsache: Spanien hat einen höheren Anteil an Selbstständigen als viele europäische Länder, einschließlich Großbritannien. Wenn Madrid Selbstständige nicht unterstützt, wie sieht es dann in anderen Regionen aus? Die Frage ist, ob diese Unterstützung den Inhaber eines Kurzwarenladens erreicht oder nur denjenigen, der eine Franchise in einem Einkaufszentrum eröffnet.
Die Endbilanz ist nicht nur die Anzahl geschlossener Lokale. Es sind leere Straßen, Viertel, die ihr Leben verlieren, und ein Modell, das den Konsum in großen Märkten konzentriert, während der kleine Handel erlischt. Die 114 Einkaufszentren von Madrid sind die sichtbare Seite eines Systems, das Größe belohnt und Nähe bestraft. Und die unbestrittene Zahl: 2023 gingen in der Region 6.003 Einzelhandelsgeschäfte verloren. Die Frage ist, wie viele weitere nötig sind, damit jemand dies ernst nimmt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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