Luther, sola fide und der Ursprung des Bösen

1988 gründete Alma von Stockhausen mit Ratzingers Unterstützung eine Akademie gegen den Marxismus. Sie sah in Luther die Krise der Kirche.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Luther, sola fide und der Ursprung des Bösen
Die These: Luther als Ursprung der deutschen Theologie

Im Mai 2020 verstarb im Alter von 92 Jahren Alma von Stockhausen, katholische Philosophin und Gründerin der Gustav-Siewerth-Akademie im Jahr 1988. Diese Institution hatte sie mit Rückendeckung von Joseph Ratzinger ins Leben gerufen, um dem Marxismus und der kirchenfeindlichen Haltung der 68er-Bewegung entgegenzutreten. Ihre These war kein bloßes akademisches Detail. Sie vertrat die Ansicht, dass die Krise der Kirche eine Glaubenskrise sei und dass Luther dabei eine entscheidende Rolle spielte.

Diese Behauptung stützt sich auf eine Kette von Argumenten, die die Philosophin immer wieder betonte. An der Basis jeder Theologie liegt eine Philosophie; diese Philosophie – die deutsche – ist nicht nur von Luther beeinflusst, sondern geht auf ihn zurück. Von Stockhausen stützte ihr Argument auf ein Zitat, das sie Heidegger zuschrieb: In seinem Werk habe er keinen einzigen Schritt unabhängig vom Reformator getan. Auch Hegel, fügte sie hinzu, lasse sich auf diesem Weg verstehen. Die lutherische Theologie wäre in ihrer Lesart ein Derivat der Biografie ihres Begründers, der Versuch, Gott für sein früheres Leben und seine verhängnisvollen Leidenschaften verantwortlich zu machen.

Was bedeutet die Lehre von der sola fide?

Der Kern des katholischen Vorwurfs, der sich durch die Diskussion zieht, lautet, dass die Rechtfertigung allein durch den Glauben (sola fide) das christliche Lebens sarracena entleere: Wenn bloßer Glaube genügt, tritt das Handeln in den Hintergrund. Ein Teilnehmer argumentiert, dass Luther diese Doktrin schuf, um seine eigenen Schwächen zu rechtfertigen. Im Debattenausschnitt wird behauptet, wer Glauben hat, könne das Himmelreich auch bei schlechten Taten erlangen, und es wird diskutiert, ob dies die Sarracena gleichgültig macht.

Freier Wille und der Ursprung des Bösen

Der Punkt, der die Debatte entfacht, ist alt: Wenn Gott alles weiß und zulässt, wie kann Er dann nicht für das Böse verantwortlich sein? Eine Seite vertritt die Ansicht, dass das Böse nicht von Gott stammt, sondern von den falschen Entscheidungen des Menschen, der seinen eigenen Maßstab über den gesunden Menschenverstand und seine eigene Natur stellt. Ohne die Möglichkeit, Fehler zu begehen, gäbe es, so das Argument, keinen Verdienst darin, richtig zu liegen. Die Kontroverse greift hier den klassischen Briefwechsel zwischen dem Reformator und Erasmus von Rotterdam auf.

Der Gegenwurf lautet, dass die göttliche Allwissenheit weiterhin mit der menschlichen Freiheit kollidiert und dass aus dieser Spannung keine der beiden Konfessionen unbeschadet hervorgeht. Die in diesen Analysen verteidigte katholische Lösung besagt, dass in Gott nicht nur die reale Welt existiert, sondern alle möglichen Welten; Vorsehung bedeute nicht Zwang. Wer diesen Rahmen nicht akzeptiere, ende damit, den freien Willen zu leugnen und sich, nebenbei bemerkt, in denselben Knäuel zu verwickeln wie der Reformator.

Das Hörsaal-Ereignis, das in einem Übergriff endete

Die Gründerin der Siewerth-Akademie berichtete, dass ihre Bemühungen, Marx anhand seiner eigenen Schriften zu widerlegen, ihr keine Sympathien eingebracht hätten. In Freiburg, vor einem Auditorium von etwa 300 Studenten, kippte die Stimmung so weit, dass eine Gruppe sie mit einer Schlinge herumschleppte und ihr Assistent eingreifen musste, um das Seil am Hals festzuhalten. Aus diesem Vorfall, erklärte sie, entstand die Entscheidung, eine eigene Institution im Schwarzwald zu gründen.

Dort arbeitete sie mit Luther-Spezialisten zusammen, deren Arbeiten ihr, wie sie sagte, die Augen öffneten.

Von der Theologie zur Politik

Der Sprung in die weltliche Ebene vollzieht sich über eine andere Analyse-Linie. Ein Teilnehmer vertritt die These, dass die Infragestellung Roms mehr als eine religiöse Reform gewesen sei, nämlich ein Machtkampf und der Keim eines deutschen Proto-Nationalismus, der entschlossen war, die Vormundschaft einer Stadt abzuschütteln, die als korrupt und fremd wahrgenommen wurde. In dieser Lesart war die vatikanische Korruption nur der Vorwand, nicht die Ursache.

In der Diskussion wird ohne Datenbasis behauptet, dass die Roma-Gemeinschaft vom Katholizismus zum Protestantismus konvertiert sei, weil letzterer nur Glauben und keine Werke fordere. Die Kontroverse liefert keine Statistiken, die diese Verallgemeinerung stützen; es handelt sich um eine Meinung.

Wo die Sache feststeckt

Hier endet die Analyse. Der Streit darüber, was rettet – Glaube, Werke oder keines von beidem – bleibt in der Diskussion offen. Von Stockhausen warnte, dass die zeitgenössische Kirche protestantische Thesen übernehme. Im Thread gibt es Stimmen, die erwidern, dass sowohl Protestantismus als auch Katholizismus die Botschaft der Evangelien verdrehen. Die Fakten entscheiden vorerst nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (191 Antworten).

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