Lumpen: der Sammelbegriff für jede Art von Beruf

In einer Forendebatte über die Bezeichnung „lumpen“ in Spanien beklagen Nutzer die niedrigen Löhne für körperlich schwere Arbeiten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lumpen: der Sammelbegriff für jede Art von Beruf
Lumpen: der Sammelbegriff für jede Art von Beruf

Was macht eine Beschäftigung zu „lumpen“? Die Frage lässt so viele Antworten zu wie es Berufe auf einer Gehaltsliste gibt. Eine Lesercommunity hat sich mit einem Begriff auseinandergesetzt, den der klassische Materialismus für die Ausgestoßenen von Paris reservierte, der heute aber gegen Kellner, Weinleser oder Ingenieure verwendet wird, die im Ausland abwaschen. Kaum jemand ist sich einig, wo die Grenze verläuft. Und diese Verwirrung sagt mehr über den spanischen Arbeitsmarkt aus als über das Konzept selbst.

Was ist das Lumpenproletariat und warum wird es so sehr diskutiert?

Ein klassisches Zitat beschreibt das Lumpenproletariat in Paris, das sich unter dem Vorwand einer Wohltätigkeitsgesellschaft in geheimen Sektionen versammelte: Vagabunden, Ex-Sträflinge, Betrüger, Taschendiebe, Spieler oder Bordellbesitzer. Das heißt, Menschen, die nach dieser Definition nicht arbeiten. Auf dieser Basis behauptet das am häufigsten wiederholte Argument, dass das Lumpen keinen Beruf ausübt: Es lebt von staatlicher Hilfe, von Kriminalität oder Prostitution und die restliche Gesellschaft arbeitet für es.

Im Gegensatz zu dieser Lesart vertritt ein anderer Teilnehmer eine andere These: Das Lumpen sei kein konkreter Beruf, sondern eine sarracena Kategorie. „Lumpen gibt es in vielen Berufen, nicht nur bei gering qualifizierten“, fasst er zusammen, wobei er sowohl den skrupellosen Profi als auch den Faulen einschließt. Die Konsequenz ist unangenehm. Wenn der Begriff für fast alles passt, beschreibt er gar nichts mehr.

Gleicher Lohn für Schlachter und Ladenbesitzer

Der Punkt, an dem die Beschwerden am stärksten konvergieren, ist das Gehalt. Stellen, die niemand wählen würde – industrielle Schlachthöfe, Gefrierfischfabriken, Logistiklager – teilen sich die Gehaltsspanne mit viel angenehmeren: der Arbeit in einem klimatisierten Laden oder dem Verkauf in einem Café. „Arbeiten, die niemand machen möchte, sind schlecht bezahlt, obwohl es umgekehrt sein müsste“, stellt ein Beitrag fest. Der Markt, so beklagen sie, belohnt die Härte nicht.

Über die reine körperliche Belastung wird wenig debattiert: Schlachthof, industrielle Fischerei und Lagerhaus konzentrieren die schlimmsten Beschreibungen im Katalog. Über die Lösung hingegen schon. Ein wiederkehrender Vorschlag ist, Ausgaben für politische Ämter und Berater zu kürzen und das Geld unter den am schlechtesten bezahlten Berufen aufzuteilen.

Ist McDonald's ein schlechter Job?

Nicht unbedingt. Die Fast-Food-Kette wird oft als Beispiel für Arbeit angeführt, die niemand will, aber manche behaupten das Gegenteil: ein Unternehmen mit standardisierten Prozessen, das Arbeitsrechte respektiert, die vereinbarten Stunden zahlt und respektvoll behandelt. Zudem ist sie recht gefragt. Der Schlüssel liegt darin, Härte mit Prekarität zu verwechseln: Es gibt anspruchsvolle Stellen, die nicht prekär sind, und bequeme Jobs, die es doch sind.

Das Gegenbeispiel sind die Beschäftigungsprogramme der fruta (Provinzverwaltungen): Verträge über drei oder sechs Monate, Aufgaben im Freien und Profile, die zuvor in nichts anderem gearbeitet haben, laut der kritischen Beschreibung eines Teilnehmers.

Kellner, Türsteher und andere Grenzen des Respekts

Die Gastronomie konzentriert gleichermaßen Verachtung und Selbstkritik. Die Beschwerde wird schärfer, wenn sie die Würde berührt. Der Kellner von früher, so heißt es, übte seinen Beruf mit Respekt aus und behandelte den Kunden gut; heute dominieren schlechte Manieren, Marathon-Arbeitszeiten und eine Bezahlung, die nicht entschädigt. Es ist nicht alles Nostalgie: Die Beschwerden konzentrieren sich auf die extremen Arbeitszeiten und eine Vergütung, die nicht angemessen ist.

Die Liste der genannten Berufe ist lang und vielfältig: Kaltakquise-Verkäufer, Spendensammler für NGOs, nicht autorisierte Diskotheken-Türsteher, Sozialpädagogen, Transportunternehmer oder Ladenangestellte. Fast jede Beschäftigung findet ihren Platz in der Schublade. Und hier liegt das Paradoxon: In einem Land, in dem der Wert einer Arbeit scheinbar vom Nachnamen und nicht von der Ausführung abhängt, trifft das Etikett letztlich alle.

Die „Chollos“: Wachpersonal und Türsteher

Die Kehrseite der Debatte sind Jobs mit geringer Ausbildung, deren Ergebnisse nicht bewertet werden. Erfahrene Wachleute, Experten für Arbeitssicherheit, Hausmeister in alten Gebäuden. Es sind keine guten Jobs, aber sie sind chollos (leichte Beute): Man ist dort, weil man da sein muss, und wenn man nicht da ist, passiert nichts. Die Kritik richtet sich nicht gegen die Ausübenden, sondern gegen ein System, das Anwesenheit und nicht Ergebnisse bezahlt.

Der Akademiker, der abwäscht, und der Witz, der nicht mehr lustig ist

Ein scharfer Unterton zieht sich durch einen Großteil des Gesprächs. Wenn sogar Ingenieure im Ausland den Abwasch machen müssen, verlässt der Katalog der unwürdigen Jobs das Gebiet der geringen Qualifikation. Der Sarkasmus, fast jede Tätigkeit als „lumpen“ zu bezeichnen, dient als Thermometer. Wenn der Witz bereits qualifizierte Positionen trifft, verliert er seinen Humor und die Debatte dreht sich um Gehälter, nicht um Etiketten.



Dass fast jeder Beruf unter das Etikett „lumpen“ fällt, beschreibt nicht die Berufe. Es beschreibt diejenigen, die sie etikettieren. Der Begriff dient weiterhin dem Gewohnten: auf den Nächsten herabzusehen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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