Lohn, der die Miete nicht deckt, und die Wählerfabrik

Wenn Wohnen, Essen und Verkehr mehr kosten als der Lohn, wird das politische Angebot bunter: Russland als Trugbild und der Wähler, der weder wählt noch an etwas glaubt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lohn, der die Miete nicht deckt, und die Wählerfabrik
Wenn der Lohn die Miete nicht deckt, erweitert das System seinen Wählerkatalog

In der Debatte wird eine These, die in der Wirtschaftsanalyse kursiert, im Ton der Parodie formuliert: Je stärker Wohnen, Essen und Verkehr im Vergleich zum Lohn steigen, desto mehr Wählervarianten braucht das System, um den sozialen Frieden zu wahren. Die These hat einen unbequemen Kern. Wenn der Warenkorb das Gehalt sprengt, bricht kein Aufstand aus: Es entfaltet sich ein Angebot. Und dieses Angebot kommt in mehr Farben denn je.

Die verwendete Analogie sind die Generationen der Pokemons. Es gab einen ersten Jahrgang, rot und blau, der laut einem anderen Teilnehmer als Partei der Arbeiter verkauft wurde. Dann kam die Krise von 2008, und eine zweite Generation erschien, violett und grün, mit derselben Verpackung und weniger Versprechen. Die Diagnose im Thread lautet: jedes Jahr teurer und mit weniger Akku. Alles allerdings vom selben Hersteller.

Russland als Trugbild: der Lohn, der nicht mit der Miete aufgehen will

Die andere Achse der Sache ist geografisch. Ein Teilnehmer sagt, er habe in einem seriösen Artikel gelesen, dass in Moskau und Sankt Petersburg der Lohn eines Arbeiters an den spanischen heranreicht, dass ein Kilo Nudeln etwa 30 Cent kostet und Hähnchen unter zwei Euro bleibt. Mit diesen Zahlen kommt im Gespräch die Rede auf jene, die die Koffer packen wollen.

Das Gegengewicht zu diesen Zahlen liefert ein anderer Teilnehmer. Seiner Ansicht nach sind diese Löhne durch die Kriegswirtschaft und den Arbeitskräftemangel nach der Mobilmachung aufgebläht, nicht durch Verdienste des Modells. Die 200 Euro Miete entsprechen Zimmern im tiefen Speckgürtel, nicht Wohnungen im Zentrum. Und in der Rechnung fehlt ein Posten, der in keine Schlagzeile kommt: die Meinungsfreiheit.

Der, der auf die Panzer wartet, und der, der auf niemanden wartet

Im Thread wird ein Archetyp beschrieben: derjenige, der weder auswandert noch sich organisiert, sondern auf dem Sofa darauf wartet, dass ein ferner Machthaber mit den Panzern anrückt und ihm die Miete regelt. Für diesen Teilnehmer ist das keine Geopolitik, sondern Glaube. Derselbe Teilnehmer verweist auf die Figur, die wirklich Unbehagen auslöst: den, der nicht wählt, nicht konsumiert und an nichts glaubt. Den muss man nicht erst herstellen: Der kommt ab Werk, mit seinem Bildschirm und seiner auf Raten bezahlten Klimaanlage.

Angesichts dieser Spannungen darf man fragen, ob das profitabelste Profil nicht genau derjenige ist, der aufgehört hat, von irgendwem etwas zu erwarten.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver