LLOR: die Ecke, in der sich Lachen und Weinen die Schlagzeile teilen
Es gibt eine Kategorie von Nachrichten, die nirgendwo hineinpasst. Zu traurig für den Humor-Thread. Zu lächerlich für den Unglücks-Thread. Ein Nutzer hat einen Raum für diese unangenehme Zone eröffnet: für Dinge, die in Wahrheit eine Tragödie sind, aber so surreal, dass sie Lachen auslösen. Der gewählte Name, LLOR, imitiert das alte LOL und kehrt die Bedeutung um: Hier lacht man, um nicht weinen zu müssen.
Das Konzept ist einfach, und jeder, der in den letzten Jahren Nachrichten gelesen hat, erkennt es wieder. Laut den Beiträgen im Thread verurteilt ein Richter Eltern, weil sie ihre Töchter zu Hause unterrichten. Eine Stadtverwaltung belegt einen Anwohner mit einer Strafe, weil er das Kopfsteinpflaster seiner Straße ausgebessert hat. Sieben Menschen kommen wegen eines Aufschrifts an einem Bus in Untersuchungshaft. Die Frage ist nicht mehr, ob die Welt verrückt geworden ist, sondern in welchen Ordner man den Wahnsinn ablegt.
Worum es im LLOR-Thread geht und warum er eröffnet wurde
Die Mechanik ist die übliche: Jemand findet einen Tweet, eine Nachricht oder einen Screenshot und postet ihn. Geändert hat sich das Auswahlkriterium. Jedes beliebige Unglück taugt nicht. Es muss diese Note Absurdität haben, die zwischen Staunen und nervösem Gelächter schwanken lässt. Der Autor des Threads erklärt es ohne Umschweife: Es sind Dinge, die zwischen Humor und Tränen liegen, oder Tragödien, so lächerlich, dass sie surreal wirken.
Das Material, das sich in wenigen Tagen angesammelt hat, zeichnet ein Muster. Die Bürokratie als unerschöpfliche Quelle des Grotesken. Eine Justiz, die mit unterschiedlichem Maß misst, je nachdem, wer gemessen wird. Eine Verwaltung, die den bestraft, der mit anpackt, und den belohnt, der sich Strom und Wasser erschleicht. Jedes Beispiel verstärkt das vorherige, und am Ende hat der Leser das Gefühl, dass der Thread keine Anekdottensammlung ist, sondern ein Inventar.
Die Verurteilung der Denardis: Hausunterricht als Verbrechen
Einer der Fälle, der die meisten Reaktionen ausgelöst hat, ist der von Audato und Ieda Denardi, Eltern zweier mehrsprachiger Pianistinnen von 11 und 15 Jahren. Laut den Beiträgen im Thread verurteilte ein Richter in São Paulo sie zu 50 Tagen Haft wegen intellektueller Vernachlässigung. Die Begründung: Den Mädchen wurde keine Geschlechtertheorie, Sensual, Diversität oder afrobrasilianische Kultur vermittelt. Derselbe Richter zeigte sich besorgt über die Vorliebe einer der Minderjährigen für christliche Musik.
Das Detail mit der christlichen Musik ist es, das den Rahmen sprengt. Ein Gericht, das sich für den Musikgeschmack eines elfjährigen Mädchens interessiert. Die Verurteilung ist zudem, wie im Thread behauptet wird, nicht rechtskräftig und dient als Warnung: In der neuen Ordnung ist Hausunterricht ein Verbrechen, wenn er nicht dem entsprechenden Lehrplan folgt. Die Reaktion im Thread ist keine Überraschung, sondern Bestätigung. Wir haben es ja kommen sehen.
Das doppelte Maß im öffentlichen Raum
Der am häufigsten gezogene Vergleich ist der zwischen Cancelar und der Cañada Real. Laut den Beiträgen im Thread kassierte ein Anwohner in Cancelar, Spanien, eine Geldstrafe von 1.700 Euro, weil er Bäume pflanzte, Bänke instand setzte und das Kopfsteinpflaster seiner Straße reparierte. Parallel dazu wird behauptet, dass jene, die Wohnungen besetzen, Strom und Wasser illegal anzapfen und Müll anhäufen, als Belohnung eine Sozialwohnung bekommen, wenn sie geräumt werden. Wer nicht geräumt wird, zahlt null Bußgelder.
Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist nicht neu, aber eindeutig: Das System belohnt den, der verwüstet, und bestraft den, der anpackt. Die Anekdote des Anwohners, der für unbezahlte Arbeit zum Gemeinwohl bestraft wurde, wird zum Sinnbild. Das ist kein Einzelfall, das ist Politik.
Untersuchungshaft wegen einer Aufschrift
Sieben Menschen in Untersuchungshaft, weil ein Bus mit der Aufschrift „Hört auf, Christen anzugreifen“ unterwegs war, so die Beiträge im Thread. Die Zahl spricht für sich. Es gibt kein Verbrechen, nur eine Botschaft. Sozialtechnik mit dem Schlagstock, zusammengefasst in einem Satz, der im Thread kursiert. Das Verhältnis zwischen Ursache und Folge ist der Kern der Sache.
Die Steuerlotterie Taiwans als Gegenentwurf
Nicht alles ist Anklage. Der Thread sammelt auch clevere Lösungen. Laut den Beiträgen im Thread ist in Taiwan jede Kaufquittung automatisch ein Lotterielos, mit dem man bis zu 300.000 Dollar gewinnen kann. Das Ziel: Kunden zu freiwilligen Steuerprüfern machen und Händlern die Steuerhinterziehung erschweren. Eine Idee, die in Spanien drei Wochen Debatte und vermutlich keine Umsetzung auslösen würde.
Die Generation, die mit den Eltern zur Nachprüfung kommt
Eine weitere Front ist die Bildung. Laut den Beiträgen im Thread machen künftige Lehrkräfte Rechtschreib- und Grammatikfehler und zeigen wenig Leseverständnis. Die Diagnose ist klar: anspruchslose Lehrpläne, die Schüler ohne Versetzungskriterien weiterbeförderten. Jetzt stehen die Staatsprüfungen an, und die Gewerkschaften fordern, das Niveau zu senken. Das Bild von über Zwanzigjährigen, die mit ihren Eltern kommen, um ihre Prüfungen anzufechten, schließt den Kreis.
Der Thread sucht weder Trost noch Lösungen. Er stellt nur fest, dass es ein Land gibt, in dem das Absurde die Norm ist und der gesunde Menschenverstand die Ausnahme. Wenn du das nächste Mal schwankst zwischen Lachen und Weinen, weißt du, wo du es posten kannst.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (38 Antworten).