Der Lebensplan von jemandem, der zurück ins Jahr 1994 will: Bomberjacke, Koks und Trash-TV
Es gibt ein Spanien, das in den Wohlfahrtsstatistiken nicht auftaucht: das der Menschen, die ihre E-Mails einmal täglich checken, "weil es nicht anders geht", WhatsApp drei, vier Tage ungeöffnet lassen und stolz darauf sind, zu ignorieren, was sie nicht interessiert. Auf dieser Basis hat ein Leser ein komplettes Lebensprogramm ausgearbeitet, um in die Zeit 1994-2004 zurückzukehren – und es schonungslos zu Papier gebracht: Markenkleidung, Stadtteil-Gym, Besuche bei den Eltern und eine eiserne Disziplin, um keine Bücher zu lesen.
Der Zehn-Punkte-Katalog ist kein nachträglicher Tischwitz. Er ist eine These: Der technische Fortschritt hat das Leben nicht verbessert, sondern domestiziert. Gegen die Hypervernetzung, die Informationsdiät und den Kult um die persönliche Produktivität setzt dieses Programm die Langeweile, den Körper und den Konflikt von Angesicht zu Angesicht.
Was die Rückkehr ins Jahr 1994-2004 beinhaltet
Das Inventar ist minutiös. Kein digitaler Aktivismus: "echter Aktivismus", mit konkreter Kleidung – einer Bomberjacke und Markenstiefeln – und einer Wochenendroutine, die der Autor ohne Beschönigung beschreibt: Ausgehen mit rechtsensrecht Cliquen, Konsum von Substanzen und Schlägereien mit rivalisierenden Gruppen. Die ideologische Ausrichtung, die er erwähnt, ist explizit, und die Schilderung ist bewusst provokant.
Im Haushalt gilt die Regel Fernsehen. Mindestens eine Stunde am Tag, verpflichtend, am besten Trash-TV aus damaliger Zeit oder Fußball. "Es gefällt mir nicht, aber es gehört sich so", schreibt er. Bücherlesen fällt weg; Comics sowie Bodybuilding- und Heavy-Metal-Magazine bleiben drin. Anime nur aus damaliger Zeit.
Der Körper hat seine eigene Liturgie: Splittraining mit Frequenz 1, alles bis zum Muskelversagen, vier Tage pro Woche, ohne "Wissenschaft und Internetschwätzer-Gefasel", dazu zwei, drei Einheiten Mixed Martial Arts pro Woche in einem Stadtteil-Gym. Und eine auffällige Ausnahme beim Kapitel Substanzen: Er legt jedes Jahr Geld für seinen eigenen chemischen Zyklus zurück, mit dem Argument, dass Training nichts bringt, wenn man sich nicht "VERDAMMT GUT" sieht.
Von WhatsApp zum Bürochef: das Sozialleben der Rückkehr
Der berufliche Teil ist der wiedererkennbarste. Kein Wechsel von Firma zu Firma: sich niederlassen, bei den Chefs gut ankommen, "der absolute König" des Büros sein, von allen geliebt – außer von denen, die nichts zu sagen haben. Der Vergleich mit der Schulzeit ist kein Zufall und beschreibt eine sehr spanische Unternehmenskultur, die mit der Digitalisierung nicht verschwunden ist.
Im Familiären korrigiert der Autor seinen eigenen Kurs: Statt die Eltern alle zwei Wochen zu sehen, nun zwei- oder dreimal pro Woche. "Mama und Papa muss man verwöhnen", urteilt er. Es ist der einzige Punkt des Programms, der nicht mit Nostalgie in die Vergangenheit blickt, sondern mit Vorwurf in die Gegenwart.
Nostalgie als Diagnose, nicht als Zuflucht
Der Text funktioniert, weil er das Triviale mit dem Unbequemen mischt. Die Rückkehr ins Jahr 1994-2004 ist nicht als ästhetische Übung gedacht, sondern als Rückzug von den Metriken: weniger E-Mails, weniger soziale Netzwerke, weniger Diäten, weniger Trainingswissenschaft. Disziplin bedeutet in seiner Version, Dinge zu tun, auf die man keine Lust hat – fernsehen, sich prügeln, den Chef ertragen –, weil man angeblich so den Charakter formt.
Die Diskussion, die der Text auslöst, ergibt eine Landkarte der Epochen. Manche halten den Sprung zwischen 1994 und 2004 für zu groß, um ihn in einen Topf zu werfen, und meinen, die Veränderungen dieser Jahre – in Musik, Kino, Zugang zu Information – seien schneller gewesen als die jeder späteren Dekade. Andere verweisen aufs Wohnen: die 110%-Hypothek mit dem Auto als Zugabe und Euribor plus einem halben Punkt als Initiationsritus jenes Spanien. Und nicht wenige erinnern daran, dass die Leute damals nicht ins Gym gingen und keinen Hund hatten.
Der Punkt, an dem die Analyse festhängt, ist derselbe wie 1994: Wenn das damals besser war, warum wiederholt es niemand ohne Koks, ohne Schlägereien und ohne Chef, den man umschmeichelt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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