Lateinamerikanische Wähler in Spanien: Daten widerlegen Mythen

Akademische Analysen zeigen, dass lateinamerikanische Migranten zwischen 2006 und 2018 zu 36 % die PSOE und zu 27 % die PP wählten, was den Mythos eines linken Blocks entkräftet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lateinamerikanische Wähler in Spanien: Daten widerlegen Mythen
Die lateinamerikanische Stimme in Spanien: Zwischen PSOE und Rechten

Die Wahrnehmung, dass lateinamerikanische Migranten geschlossen für die PSOE stimmen, ist im spanischen politischen Diskurs tief verankert. Die verfügbaren Daten stützen diese These jedoch nicht mit der angenommenen Sicherheit. Eine in Debatten zitierte akademische Studie beziffert die durchschnittliche Zustimmung zur PSOE bei dieser Gruppe zwischen 2006 und 2018 auf 36 %, verglichen mit 27 % für die PP. Es handelt sich also nicht um einen monolithischen Block.

Das Gespräch beginnt mit einer maximalistischen These: Dass südamerikanische Länder sozialistische Parteien wählen, die sie betrügen, und dass in Spanien eine ähnliche Dynamik bei der Migrantenbevölkerung stattfindet. Von dort aus bewegt sich der Austausch auf empirischeres Terrain: Stimmen Lateinamerikaner wirklich für die PSOE? Was ist mit Nordafrikanern? Und wie sieht es bei eingebürgerten Staatsbürgern aus?

Der Mythos des monolithischen lateinamerikanischen Votums

Die erste Korrektur der dominierenden Erzählung kommt aus ökonomischer Sicht: Wer aus Lateinamerika emigriert, tut dies oft aufgrund von Unzufriedenheit mit der Lage im Herkunftsland oder weil er über das nötige finanzielle Polster verfügt. Dieses Profil, so das Argument, macht eine Affinität zum Sozialismus weniger wahrscheinlich. Der Anteil der sozialistischen Wähler wäre unter Staatsangehörigen höher als unter lateinamerikanischen Migranten, wenn auch nicht unbedingt unter denen aus dem Maghreb.

Akademische Daten stützen diese Intuition. Diese 36 % für die PSOE zwischen 2006 und 2018 sind keine überwältigende Unterstützung. Es ist eine relative Mehrheit innerhalb der Gruppe, lässt aber 27 %, die die PP gewählt hätten, und ein weiteres Drittel verteilt auf andere Optionen. Die Schlussfolgerung des Quellenautors ist, dass die anfängliche Wahrnehmung falsch war.

Es gibt Nuancen nach Nationalität. Venezolaner und Kubaner, wird angemerkt, würden kaum sozialistische Optionen wählen. Argentinier scheinen fast gleichmäßig gespalten. Kolumbianer und Ecuadorianer hingegen nehmen eine ambiguiere Position ein. Die Homogenität, die die Schlagzeile der Debatte suggeriert, hält nicht stand.

Familiennachzug, Hilfen und Wahlkalkül

Das am häufigsten wiederholte Argument in der Debatte ist nicht ideologisch, sondern eigennützig: Migranten würden die Partei wählen, die den Familiennachzug und die Ankunft neuer Verwandter am meisten erleichtert. Nach dieser Logik wäre die PSOE die natürliche Option, nicht wegen doktrinärer Nähe, sondern aus praktischem Interesse. Es ist eine plausible Hypothese, die in der Diskussion jedoch nicht durch Daten belegt wurde.

Der Vergleich mit dem schwedischen Fall dient als Beispiel für eine andere Dynamik. Behauptet wird, Schweden habe seine Grenzen geschlossen und tausende Menschen abgeschoben, und dass sich dort die Migrantenbevölkerung gegen die Einheimischen auf der Seite der Linken sammle. Die gestellte Prognose lautet, dass sie eigene Parteien gründen werden, wenn sie eine klare Mehrheit bilden, welche die traditionelle Linke ersetzen. Dies ist eine Projektion ohne empirische Grundlage im vorliegenden Material.

Die Fälle El Salvadors und Ecuadors werden als Kontrast genutzt. Es wird behauptet, El Salvador sei unter Bukele zur Schweiz Lateinamerikas geworden, während Ecuador unter Lenín Moreno den entgegengesetzten Weg eingeschlagen habe. Die unbequemste Beobachtung für die übliche Erzählung ist, dass Bukele als rechts bezeichnet wird, obwohl er wirtschaftlich Programme sozialistischen Zuschnitts anwendet.

Die innere Spaltung des Migrantenwahlverhaltens

Einer der spezifischsten Beiträge der Debatte bricht mit der Idee eines einheitlichen Wahlverhaltens: Lateinamerikanische Männer würden mehrheitlich rechts wählen, während es bei Frauen eher 50/50 sei. Es ist eine Schätzung ohne Quelle, weist aber auf eine Geschlechterspaltung hin, die die These vom Block entkräftet.

Das Wählerprofil spielt ebenfalls eine Rolle. Man unterscheidet zwischen jenen, die aus politischen Gründen emigrieren – mit Beispielen von Exilanten aus Diktaturen, die in Spanien Karriere gemacht haben – und jenen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen, welche die Mehrheit stellen. Ersterne neigen zu ideologisierteren Positionen, letztere zu pragmatischerem Kalkül.

Die Diskussion dreht sich um die fiskalischen Auswirkungen. Fragen nach Löhnen, Produktivität und der Belastung für Bildung, Gesundheit und Hilfen durch die Migrantenbevölkerung werden gestellt. Die Antwort lautet, dass sie arbeiten, wenn auch zu niedrigen Löhnen, und dass das Grundproblem die Zerstörung des spanischen Produktionssystems ist, nicht die Herkunft der Arbeitnehmer. Der vorgeschlagene Ansatz ist, alle Hilfen zu streichen und nur jene zu behalten, die für das System rentabel sind.

Wo die Analyse ins Stocken gerät

Das Gespräch löst die zentrale Frage nicht. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass das lateinamerikanische Wahlverhalten nicht monolithisch ist und die PSOE keine garantierte Unterstützung hat. Aber es gibt auch keine Beweise dafür, dass die Rechte sie hat. Die Spaltung nach Nationalität, Geschlecht und Migrationsgrund deutet auf eine viel komplexere Landkarte hin, als sie sowohl von jenen gezeichnet wird, die sagen „Wir machen Pedro Sánchez zum Präsidenten“, als auch von jenen, die einen Wahlsieg voraussagen.

Klar bleibt, dass die Migrationspolitik zum Dreh- und Angelpunkt der Wahlerwartungen beider Lager geworden ist. Und dass bisher niemand die endgültige Aufschlüsselung vorgelegt hat, die die Diskussion beendet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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