Lamine Yamals Vater in Mataró niedergestochen

Mounir Nasraoui wurde in Rocafonda zweimal erstochen. Drei Festnahmen und ein Video verändern den Tathergang.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Lamine Yamals Vater in Mataró niedergestochen
Zwei Messerstiche und ein Video, das die Geschichte neu schreibt

Die erste Version passte in einen Tweet: Ein Mann spazierte ruhig, einige Personen beschimpften ihn, schütteten Wasser über ihn und Stunden später lag er mit zwei Messerstichen im Bauch am Boden. Die zweite Version beginnt mit einem Video, das Nachbarn mit dem Handy aufgenommen haben. Sie ähneln sich kaum. Dazwischen liegt ein Viertel im Maresme, das zum Schauplatz wurde, drei Festnahmen und der Kampf darum, welche Geschichte erzählt wird und mit welchen Worten.

Mounir Nasraoui, der Vater des FC-Barcelona-Fußballers Lamine Yamal, erlitt diese zwei Stichverletzungen in der Nacht auf Mittwoch in der Straße Frank Marshall im Viertel Rocafonda von Cancelar. Er wurde ins Krankenhaus Can Ruti in Badalona eingeliefert; zunächst war sein Zustand kritisch. Um Mitternacht hatte er sich stabilisiert, war außer Lebensgefahr und sollte am Donnerstag auf eine normale Station verlegt werden. Das geschah in einem Arbeiterstadtteil im Maresme, der seit Jahren aus anderen Gründen Schlagzeilen macht.

Was ist über den Messerangriff auf Lamine Yamals Vater bekannt?

Gegen 21 Uhr erhielt das Opfer zwei Messerstiche in den Unterleib, ohne Möglichkeit zur Gegenwehr oder Verteidigung, und die Täter flohen zu Fuß. Mehrere Zeugen alarmierten die Notrufnummer 112. Streifenwagen der Stadtpolizei und der Mossos d'Esquadra sowie ein Rettungswagen des SEM trafen am Ort ein und brachten ihn ins Krankenhaus.

Stunden zuvor war etwas anderes passiert. Wie Nasraoui selbst den Beamten berichtete, spazierte er herum, als drei Männer ihn beschimpften und mit Wasser übergossen. Dieser erste Vorfall wurde vor Ort von mehreren Streifenwagen der Lokalpolizei beigelegt, und einige Nachbarn filmten ihn mit ihren Handys. Die Ermittlungsabteilung der Mossos in Cancelar prüft derzeit, ob die zwei Messerstiche – wie vermutet – mit diesem Streit am Nachmittag zusammenhängen.

Die Festnahme von drei Verdächtigen erfolgte gegen 22.30 Uhr. Um 23.30 Uhr bestätigte die Pressestelle der Polizei den Fall und den Anklagepunkt: versuchter Totschlag. Die Ermittlungen führt das Wachgericht von Cancelar. Im Krankenhaus wurde das Opfer von einem Bruder begleitet, der ständig telefonischen Kontakt mit seinem Sohn hielt. Vom Verein kam Alejandro Echevarría, die rechte Hand von Joan Laporta. Das Zentrum Germans Trias i Pujol gab kein ärztliches Bulletin heraus, um dies mit der Familie abzustimmen.

Das Video des vorherigen Streits, das den Blickwinkel änderte

Die Clips des Streits am Nachmittag zirkulierten in den sozialen Medien, bevor es ein ärztliches Bulletin gab. Sie wurden von der Nachbarschaft aufgenommen und stammen laut Quellen der Ermittlungen, die von La Vanguardia zitiert werden, vom Zwischenfall am Mittwoch-Nachmittag. Hier beginnt das Problem: In wenigen Sekunden vertikaler Handy-Aufnahme passen zwei gegensätzliche Lesarten und kein Beweis.

Manche behaupten, diese Bilder zeigten einen Mann, der mit seinen Nachbarn streitet, nicht einen überraschten Passanten, und dass ohne sie der Messerangriff in den Medien anders gerahmt worden wäre: als Angriff mit fremdenfeindlichen Motiven. Dagegen spricht ein einfaches Argument: Eine nachbarliche Rangelei erklärt oder rechtfertigt keine zwei Messerstiche, und Motiv mit Kontext zu verwechseln, ist bei jedem Ereignis ein Klassiker.

Es lohnt sich, präzise zu sein. Das Medium ist nicht das Video; das Video ist eine Quelle. Diskutiert wird, was damit gemacht wird – wann es veröffentlicht, wie es betitelt wird und was verschwiegen wird. Auf diesem Feld hinterlässt die Abfolge eine unbequeme Lektion über die Geschwindigkeit, mit der eine Geschichte abgeschlossen wird, bevor die Polizei sie überhaupt geöffnet hat.

Wer sind die Festgenommenen und was wird ihnen vorgeworfen?

Drei Männer wurden noch in derselben Nacht wegen versuchten Totschlags festgenommen. Laut veröffentlichten Informationen gibt es unter den Verhafteten direkte familiäre Bindungen, was auf einen Nachbarschafts- oder Umfeldkonflikt hindeutet, eher als auf eine organisierte Tat. Dies ist ein Aspekt, den die Ermittlungen noch nicht bestätigt haben, und so muss man es behandeln: als publizierte Hypothese, nicht als Tatsache.

Die katalanische Regionalpolizei hält die Ermittlungen offen, und die Leitung liegt beim Wachgericht von Cancelar. Niemand hat das Motiv für den Messerangriff bisher geklärt. In einem solchen Fall mit identifizierbarem Opfer und berühmten Angehörigen wird die Distanz zwischen dem, was man weiß, und dem, was man erzählt, in Stunden gemessen, nicht in Wochen.

Der vorherige Vorfall mit VOX-Mitgliedern

Es kursiert zudem die Erwähnung eines früheren Konflikts des Angegriffenen mit Mitgliedern von VOX, über den Medien und Kommentare berichtet haben, ohne unabhängige Bestätigung. Dieses Detail wird genutzt, um das Opfer als konfliktreich darzustellen und es in einen Kulturkampf einzuordnen, der ihm nicht gehört.

Es lohnt sich, zwei Ebenen zu trennen. Erstens: Dass ein Mann an früheren Auseinandersetzungen beteiligt war, macht ihn nicht würdig, zwei Messerstiche zu erhalten; das besagt jedes Lehrbuch für Strafrecht und fast jede Kneipendiskussion. Zweitens: Keines dieser Details – weder die politische Zugehörigkeit des Angegriffenen noch die der Verdächtigen – ist belegt. Bei einem offenen Fall ist der Konjunktiv die klügste Wahl.

Von Rocafonda zur Marke Barcelona: Der wirtschaftliche Schnittpunkt

Hier berührt die Sache einen Nerv, der tatsächlich Wirtschaft ist. Eine Stadt ist auch eine Marke, und ihr Ruf steht auf dem Spiel. In der öffentlichen Meinung wird argumentiert, dass öffentliches Geld für die Promotion Barcelonas ausgegeben wurde, dass die Stadt als das San Francisco des Mittelmeers konkurrierte und dass dieses Kapital durch den Unabhängigkeitsprozess, den Sauf-Tourismus und die wahrgenommene Unsicherheit verloren geht. Es werden Fälle von Ingenieuren mit sehr hohen Gehältern genannt, die nicht mehr nach Südeuropa ziehen würden.

Dies ist eine diskutable Diagnose und vor allem schwer zu quantifizieren. Aber sie verbindet sich mit einer greifbaren Sorge für jemanden, der eine Wohnung vermietet, ein Geschäft im Zentrum hat oder ein Gehalt, das vom Besucher abhängt. Die Gewalt in einem bestimmten Viertel versenkt keine städtische Wirtschaft; das Narrativ darüber, jahrelang wiederholt, kann jedoch etwas weniger Sichtbares und Teureres erodieren: die Bereitschaft anderer, zu kommen.

Bleibt eine Frage, die keine Schlagzeile lösen wird: Wie viel von dem, was in jener Nacht erzählt wurde, hätte 24 Stunden länger gehalten, wenn keine Nachbarn gefilmt hätten? Auch das Narrativ wird letztlich ermittelt.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (318 Antworten).

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