Die Tabakläden gehen die Kubazigarren aus, und Tabacalera verkauft inzwischen nach Asien
Der Kunde fragte nach Partagás; keine waren angekommen. Der Ladeninhaber bietet eine nicaraguanische Marke an. Diese Szene wiederholt sich in Tabakläden in ganz Spanien: Es gibt keine Habanos mehr. Es fehlen Cohíba, Partagás – vor allem die Vitolas 898, D4 und D6 –, Montecristo (2, 4 und 6) und Romeo y Julieta Wide Churchill. Nicht einmal die kleinen Formate, Mini und Club, kommen an. "Tabacalera liefert seit Langem weit weniger Habanos, als wir bestellen, aber jetzt ist es eine Katastrophe", fasst Josep Maria Sitges zusammen, Präsident der Tabakladenbetreiber Barcelonas.
Warum gibt es keine Habanos mehr in den spanischen Tabakläden?
Die kubanische Produktion ist durch den wirtschaftlichen Verfall der Insel ausgeblutet. Ständige Stromausfälle, die die Maschinen stoppen, Probleme mit der Wasserversorgung, fehlende Pestizide und Düngemittel sowie eine überalterte Belegschaft von Zigarrenrollern: Wer übrig ist, ist älter, und die Jungen suchen sich andere Jobs. Auf dieser Basis hat sich ein Marktwechsel ergeben: Die Nachfrage aus dem asiatisch-pazifischen Raum und aus China hat Spanien als größten Zigarrenmarkt der Welt verdrängt, wie die Manager von Habanos SA auf dem Habana-Festival erklärten, an dem Sitges teilnahm.
Der Fokuswechsel ist auch ein Eigentümerwechsel. Seit 2021 gehört die Vertriebsgesellschaft Tabacalera SLU zur asiatischen Investorengruppe Allied Cigar Corporation: Altadis verkaufte sie für 1.040 Millionen Euro. Ihren Sitz hat sie weiterhin in Madrid, spanische Aktionäre gibt es aber nicht mehr, und ihre asiatischen Kunden haben Vorrang. Der Kommunikationsdirektor des Unternehmens, Juan Girón, betont, dass nur der Habano knapp sei, nicht der Zigarre allgemein, und vergleicht ihn mit den Herkunftsbezeichnungen beim Wein.
Wie stark ist der Preis für einen Cohíba gestiegen?
Ein Cohíba ist in kurzer Zeit von 19 auf 60 Euro gestiegen, so der Präsident der Tabakladenbetreiber, während die meisten Konsumenten Zigarren unter 10 Euro suchen. Tabacalera hat den weltweiten Preis seiner Premiumlinien – Cohíba und Trinidad – vereinheitlicht, weil die Nachfrage die Produktion bei weitem übersteigt. Das Ergebnis hat ein Nebengeschäft abgekühlt: Nach Sitges' Angaben kauften chinesische Staatsbürger früher große Mengen Habanos in Spanien, um sie bei Arbeits- oder Urlaubsreisen mit nach Hause zu nehmen. Die Verteuerung und die Knappheit haben dieser Praxis ein Ende gesetzt, so seine Einschätzung.
Im vergangenen Jahr wurden in Spanien 18,7 Millionen Premiumzigarren zu einem Durchschnittspreis von 7,7 Euro verkauft, laut dem Comisionado de Tabacos (spanische Tabakaufsichtsbehörde). Die Lücke zwischen der Durchschnittszigarre und der Luxusvitola erklärt allein, wohin sich der Markt bewegt.
Lieferkontingente, Weinklimaschrank und Fälschungen
Angesichts der Versorgungslage hat Tabacalera Kontingente eingeführt: Beliefert werden nur Tabakläden mit Habanos-Spezialisierung oder einem Habanos Point, stets mit Weinklimaschrank, um ein Luxusimage zu vermitteln. Selbst diese erhalten weniger, als sie bestellen. Mit dem Wenigen, das ankommt, heben die Läden die Zigarren für ihre Stammkunden auf.
Die Lücke, die die Knappheit hinterlässt, füllt die Fälschung. Es gibt spezialisierte Banden, die Zigarren beliebiger Herkunft aufkaufen und mit anderen Vitolas umbanden, und die Sicherheitskräfte arbeiten mit Unterstützung des Distributors an ihrer Identifizierung, wobei das Phänomen schwer zu kontrollieren ist. Unter Liebhabern kursiert eine Hausmethode: Schwarzlicht auf die Bauchbinde, die bei echten Zigarren reaktive Tinte zeigen soll. Manche behaupten, die auf der Insel gefälschten Zigarren seien am Gaumen nicht zu unterscheiden; andere halten dagegen, dass keine Zigarre Cuba über kontrollierte Kanäle verlässt.
Welche Zigarren rauchen, wenn es keine kubanischen Habanos gibt?
Der Ausweg, den viele Liebhaber wählen, ist der nicaraguanische Weg mit kubanischem Saatgut; ein Teilnehmer der Diskussion versichert, für unter 5 Euro finde man nichts Besseres. Die Dominikanische Republik und Honduras ergänzen das Sortiment: Tabacalera, weltgrößter Distributor, besitzt in beiden Ländern eigene Fabriken und vertreibt zudem Tabak anderer Herkünfte. Die Liebhaber bringen es auf den Punkt: Es gibt hunderte Marken und Vitolas – man kann gar nicht alles probieren.
Das Problem ist nicht nur ein spanisches. Nach Angaben eines Liebhabers kommen in Kanada die Bestellungen nur noch tröpfchenweise an, Lieferungen sind seit Januar ausgesetzt oder begrenzt, und die deutschen Online-Shops sind leer. In Katalonien, erzählt ein anderer Teilnehmer, hat jeder, der einen echten Habano will, Andorra zu seinem Stamm-Tabakladen gemacht. Eine unter Liebhabern kursierende Rechnung beziffert die weltweite Nachfrage auf acht Millionen Zigarren bei weniger als einer Million Produktion: Die Rechnung geht nirgendwo auf.
Der Zigarrenraucher spielt nicht mehr die Partie
Das Profil hat sich geändert. Der Raucher vom nach dem Essen bei der Kartenpartie ist verschwunden; die Nachfolge treten Berufstätige zwischen 35 und 60 Jahren an, die ein gelegentliches Erlebnis suchen, sich im Internet informieren, Limited Editions auftreiben und neue Marken ausprobieren. Das Unternehmen selbst beschreibt es als selektiven, Gourmet-Konsum handwerklicher Produkte. Das Geschäft wächst derweil: 827 Millionen Dollar im vergangenen Jahr, 16 Prozent mehr, wobei die Lieferungen an spanische Tabakläden im Juni um ebendiese 16 Prozent zulegten – allerdings gerechnet über das gesamte Portfolio aller Herkünfte. Manche Ex-Zigarettenraucher sind mit einem Argument, das auch die Tabakladenbetreiber wiederholen, zur Zigarre gewechselt: Zigarettenrauchen ist ein Laster; Zigarrenrauchen ist ein Genuss.
Bleibt die Zahl, die aus dem Rahmen fällt. Die durchschnittliche Premiumzigarre, die in Spanien verkauft wird, kostet 7,7 Euro. Der Cohíba, der nicht mehr in der Vitrine steht, 60.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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