Kindle in Spanien: 99 Euro, aber Ladegerät kostet extra

Amazon bringt den Kindle für 99 Euro auf den spanischen Markt. Das Ladegerät ist nicht im Lieferumfang enthalten und kostet 9,99 Euro zusätzlich.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kindle in Spanien: 99 Euro, aber Ladegerät kostet extra
Der Kindle wird in Spanien für 99 Euro verkauft, aber das Ladegerät ist separat

Amazon hat den Kindle in Spanien für 99 Euro auf den Markt gebracht, zehn Euro weniger als der vorherige Preis von 109 Euro. Einige Nutzer weisen darauf hin, dass das Menü bereits vorab auf Spanisch verfügbar war und die eigentliche Neuerung nur darin bestand, dass das Gerät nun aus Spanien versandt wurde. Die erste Reaktion vieler Käufer war die Erwartung eines höheren Preises. Die zweite folgte beim Öffnen der Verpackung. Das Ladegerät liegt nicht bei. Es kostet 9,99 Euro extra.

Die Rechnung geht auf: 99 + 9,99 = fast 109. Derselbe Preis wie zuvor, nur mit neuer Verpackung. Auch die Hülle wird separat verkauft, wobei hier ein anderer Grund vorliegt: Die Displays dieser Geräte sind empfindlich, und erfahrene Nutzer empfehlen, sie vom ersten Tag an zu schützen.

Das 9,99-Euro-Ladegerät, das viele gar nicht brauchen

Der Kindle wird über USB geladen. Jedes Kabel, jeder Handy-Adapter oder der Computer-Port selbst reichen aus. Ein generisches Wandladegerät findet man im Internet für 0,99 US-Dollar, umgerechnet weniger als einen Euro. Der Akku hält bei normaler Nutzung einen Monat. Der Kauf des offiziellen Ladegeräts ist nicht zwingend, sondern praktisch optional. Worauf man achten sollte, ist die Schutzhülle.

Wer das Thema schon länger von außerhalb Spaniens verfolgte, hatte die Zahlen bereits durchgerechnet: Laut einer Berechnung im Forum kostete der Import aus den USA etwa 115 Euro, inklusive Wechselkurs, Zoll und Versand. Die Einführung im spanischen Shop war kein Geschenk, sondern eine längst überfällige Korrektur.

Was der Kindle liest und was nicht: epub, PDF und das geschlossene System

Das Gerät unterstützt kein epub-Format, ein Nachteil, den mehrere Nutzer hervorheben. Eine private Lösung bietet Calibre, ein kostenloses Programm, das Dateien in Sekunden in das Kindle-Format konvertiert. Bei PDFs wird es schwieriger: Wenn sie im A4-Format vorliegen, gibt es keine Textumbruchfunktion (Reflow), Zoom ist das einzige Werkzeug, und das Lesen längerer Passagen wird unangenehm.

Einige Nutzer sind noch weiter gegangen und haben das Betriebssystem geändert. Die Firmware Duokan koexistiert mit der von Amazon — man wählt beim Start, welche Version genutzt wird —, verwaltet PDFs besser, schneidet Ränder zu und ermöglicht das Hochladen von Büchern per FTP. Das Originalsystem wird dabei nicht gelöscht. Für Bastler ist dies der Ausweg aus dem geschlossenen Ökosystem.

1984, entfernt ohne Vorwarnung

Der Vorfall, der immer noch nachwirkt, ist die Fernentfernung von 1984. Wie im Forum berichtet, löschte Amazon das Buch von den Geräten der Kunden ohne vorherige Erlaubnis und aus der Ferne; einige Nutzer fügen hinzu, dass auch persönliche Notizen verloren gingen. Die Szene hat ihre Ironie: Der Händler betritt ein fremdes Gerät und nimmt zurück, was er verkauft hat.

Daraus ergibt sich das am häufigsten vorgebrachte Argument gegen das geschlossene Modell. Wenn heute ein Titel verschwindet, kann morgen jeder andere verschwinden. Zudem protokolliert das Gerät, was, wann und wie lange gelesen wird. Die Hardware gehört Ihnen; der Inhalt nur teilweise.

Preisverfall auf 79 Euro und die 20-Euro-Rückerstattung

Der Preis hielt nicht stand. Wenige Wochen später fiel er auf 79 Euro, und Amazon begann, die Differenz an kürzliche Käufer zu erstatten, sofern diese sich über den Chat beschwerten. Ein Käufer, der 89 Euro mit Rabatt gezahlt hatte, zahlte nach der Rückerstattung von 20 Euro effektiv nur 69 Euro.

Der Kundenservice hinterließ einen guten Eindruck: Ersatzgeräte bei Lackabschürfungen oder defekten Akkus wurden per Chat in weniger als zehn Minuten bearbeitet, ohne dass Beweise verlangt wurden. Da der Wibook von El Corte Inglés und der Sony PRS-T1 auf denselben Regalen Konkurrenz machten, konzentrierte sich Amazon darauf, Zweifel auszuräumen.

Ebook-Preise in Spanien sinken nicht

Das Gerät wird günstiger; die Bücher nicht. Die Nachfrage nach digitalen Inhalten reagiert stark auf den Preis — wie der Erfolg von Apps für 0,10 Euro zeigte —, aber in Spanien behalten die Kataloge die Preise gedruckter Bücher bei. Es wird argumentiert, dass kostenlose Downloads weiterhin dominieren werden, solange die Preise nicht an das digitale Format angepasst werden, und dass ein großer Teil der Verlagsbranche unflexibel im digitalen Bereich agiert.

Mit einem Reader für 99 Euro und Klassikern für 0,00 Euro im Katalog — darunter Don Quijote — liegt das Geschäft nicht im Gerät. Es liegt in dem, was darauf gelesen wird. Und angesichts der Preise scheint dieser Konflikt noch lange nicht gelöst.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (312 Antworten).

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