Kim-Jong-Un-Todesgerücht widerlegt und die Rolle von Cao de Benós

Das Gerücht, Kim Jong Un sei gestorben, wurde durch einen öffentlichen Auftritt am 19. Oktober widerlegt. Die Rolle von Cao de Benós und eine Analyse der Inszenierung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kim-Jong-Un-Todesgerücht widerlegt und die Rolle von Cao de Benós
Kim Jong Un 'steht binnen Stunden wieder auf' – und das Regime macht aus dem Gerücht Propaganda

Die Nachricht vom Tod des Marschalls Kim Jong Un machte die Runde, bis das Regime sie selbst nach nur wenigen Stunden mit einem öffentlichen Auftritt widerlegte: Am 19. Oktober besuchte der nordkoreanische Machthaber die Messe für Leichtindustrie. Die Episode, in Wirtschaftskreisen mit Häme kommentiert, hinterlässt eine unbequeme Frage: Warum bewegt ein Todesgerücht mehr Aufmerksamkeit als die reale Wirtschaft des abgeschottetsten Landes der Welt?

Die Nachricht, die das Gespräch eröffnete, machte von der ersten Sekunde an alles klar: „CAO DE BENÓS!!! Meldet, dass der Führer am Leben ist!!", begleitet von einem Tweet des nordkoreanischen Vertreters in Spanien. Die Ironie über die Sozialisten und ihr angebliches Zufluchtsziel Pjöngjang bildete die erste Humorschicht. Die zweite kam mit der Kleidung: Der Marschall erschien in einem Outfit, das manche mit der Ästhetik von Dickies verglichen, andere mit der Garderobe von Chino Moreno, dem Sänger von Deftones. Die Kleidung des Führers als politisches Thermometer ist in einem Regime, das jeden öffentlichen Auftritt auf den Millimeter choreografiert, kein geringfügiges Detail.

Die Notizbücher des Gefolges und das Theater der Leichtindustrie

Ein Brennpunkt der Analyse war das Gefolge, das dem Führer mit Notizbuch in der Hand folgt. Die Frage lag nahe: Was notieren die? Die offizielle Antwort, verbreitet von Cao de Benós persönlich, besagt, dass sie die Vorschläge des Marschalls festhalten, um sie ohne Verfälschung an die Arbeiter weiterzugeben. Der Führer als Quelle aller Ideen, das Gefolge als deren Notar. Die Szene, typisch für eine Planwirtschaft, die die Unfehlbarkeit des Chefs inszenieren muss, wurde zum Gegenstand des Spotts: „Er soll Vorschläge machen, und die mit den Notizbüchern schreiben mit, um die Dinge zu ändern."

Die Veranstaltung selbst – eine Ausstellung von Kleidung und Schuhen – wurde als Symptom gelesen. Manche halten es für kaum die Priorität eines Landes mit Versorgungsproblemen, eine Kleidermesse zu eröffnen. Die Leichtindustrie als Schaufenster dient dazu, Normalität zu zeigen, nicht um Mängel zu beheben. Die Inszenierung umfasst das Rauchen in Innenräumen, eine Geste, die im Westen inzwischen fast verboten ist und die in Nordkorea als Privileg der Macht zur Schau gestellt wird.

Die Zigarre, die Hand und die Double-Theorie

Der Auftritt überzeugte nicht alle. Eine minutiöse Analyse der Fotos fand ein Detail, das den Verdacht nährte: Die Zigarre erscheint je nach Bild in unterschiedlichen Händen, und der traditionelle Anzug – der sogenannte Anzug des Volkes – war seit Langem nicht mehr bei seinen Auftritten gesehen worden. Die Theorie vom Double oder Androiden gewann unter jenen Anhänger, die in jeder Geste eine Image-Operation sehen. „Ich finde, er sieht anders aus", gab einer der aufmerksamsten Beobachter zu, während ein anderer die Sache mit Häme abschloss: „Ich wusste nicht mehr, wann ich ihn zuletzt im Anzug des Volkes gesehen hatte."

Der Vergleich mit früheren Auftritten – ballistische Tests, Besuche in Waffenfabriken – diente dazu, eine Chronologie der Garderobe und der Zigarre zu erstellen. Bildanalyse als politische Analyse in einem Land ohne freie Presse. Das am häufigsten gezogene Fazit: Wenn es ein Double ist, ist der Zigarrenfehler ein Lehrbuchbeispiel; wenn es das Original ist, lautet die Botschaft, dass er am Leben ist und das Sagen hat.

Cao de Benós, der spanische Aristokrat in Pjöngjang

Die Figur Alejandro Cao de Benós' zog einen Großteil des Interesses auf sich. Sein Profil – Nachkomme des spanischen Adels, mit Verbindungen zu carlistischen und rechtsensrecht Familien, mit einer Zeit bei der Luftwaffenpolizei – ist ebenso auffällig wie sein Amt: Sonderdelegierter des Komitees für kulturelle Beziehungen mit dem Ausland der nordkoreanischen Regierung. Der einzige im Ausland Geborene mit einem nordkoreanischen Vertreteramt, wie er selbst erzählt, eine Geschichte, die bis 1990 zurückreicht, als er mit 16 Jahren eine nordkoreanische Delegation in Madrid anrief und sich zu einer Veranstaltung einlud.

Seine Geschichte umfasst Episoden, die er selbst verbreitet: ein jahrelang einbehaltenes Reisepass, Treffen der Freundschaftsgesellschaft mit Korea in Tarragona und eine Beziehung zum Regime, die als Teenager ohne Einladung begann. Die spanische Verbindung nach Pjöngjang hat einen klaren Namen, und seine Figur weckt ebenso viel Neugier wie Ablehnung. Die Tarot-Anekdote und seine Äußerungen über den Iran vervollständigen eine Figur, die keiner Übertreibung bedarf.

Das Gerücht als Informationswaffe

Die Episode hinterlässt eine Lehre über Desinformation. Die Nachricht vom Tod des Führers kursierte ohne Bestätigung und wurde binnen Stunden widerlegt. Das Gerücht als Test der Leichtgläubigkeit funktionierte in beide Richtungen: bei den Medien, die es ungeprüft verbreiteten, und bei jenen, die es ebenso schnell dementierten. Der öffentliche Auftritt des Marschalls, datiert auf den 19. Oktober, beendete das Gerücht, aber nicht die Frage, wer es gestreut hat und warum.

In einem Kontext handels- und technologiepolitischer Spannungen in Asien – mit Südkorea mitten in der Blase um Speicherchips und KI-Modelle – verlagert die mediale Aufmerksamkeit für das Leben oder Sterben eines Diktators den Blick von dem, was die Wirtschaft wirklich bewegt. Information als Spektakel hat ihren Preis: Der Leser hört auf, auf die Daten zu schauen. Wie viele weitere Gerüchte wird es brauchen, damit der nächste Auftritt des Marschalls keine Nachricht mehr ist?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (73 Antworten).

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