Keynes, Sánchez’ Schwiegervater und das Erpressungsnetz

John Maynard Keynes’ Privatleben, Niall Fergusons Kritik und der Vorwurf gegen Pedro Sánchez’ Schwiegervater wegen einer Sauna in Madrid.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Keynes, Sánchez’ Schwiegervater und das Erpressungsnetz
Keynes, Sánchez’ Schwiegervater und das Erpressungsnetz

Das Privatleben von John Maynard Keynes war ebenso intensiv wie sein wirtschaftliches Werk. Zwischen 1901 und 1918 führte der britische Ökonom ein detailliertes Verzeichnis seiner sens Begegnungen mit über 200 Männern und dokumentierte jedes Detail mit akribischer Genauigkeit. Diese Facette, die der breiten Öffentlichkeit unbekannt war, taucht nun in einem Kontext auf, der nichts mit Wirtschaftstheorie zu tun hat, sondern mit Spionage und politischer Erpressung.

Fergusons Kritik und die Theorie des kurzfristigen Denkens

Auf einer Konferenz vor 500 Investoren in Carlsbad (Kalifornien) übte der Historiker Niall Ferguson scharfe Kritik an Keynes. Sein Argument: keynesianische Theorien funktionierten nur kurzfristig und ignorierten die Folgen für zukünftige Generationen. Er ging noch weiter, indem er behauptete, Keynes sei das langfristige Denken gleichgültig gewesen, da er als Homosenshomo keine Nachkommen hatte, und bezeichnete ihn als „degeneriert“ mit einer egoistischen Weltsicht.

Die Kontroverse ist nicht neu. Kritiker von Keynes haben stets darauf hingewiesen, dass seine Rezepte aus Staatsausgaben und staatlicher Eingriffen die fiskalische Nachhaltigkeit ignorieren. Doch Fergusons persönliche Ausfälle verwandeln die wirtschaftliche Debatte in einen ad-hominem-Angriff, ein gefährliches Terrain, in dem das Privatleben als Waffe zur Diskreditierung einer Theorie genutzt wird.

Sánchez’ Schwiegervater und die Sauna-Affäre

Parallel dazu verknüpft die Diskussion Keyns Leben mit einem dunklen Kapitel der spanischen Politik. Berichten von Periodista Digital zufolge, die in die Debatte einflossen, soll der Schwiegervater von Pedro Sánchez Eigentümer einer Sauna in Madrid gewesen sein, in der Aufnahmegeräte installiert wurden. Die Operation, die der Unidad Central de Apoyo Operativo (UCAO) und Kommissar García Castaño zugeschrieben wird, soll vom Besitzer des Lokals genehmigt worden sein.

Der Bericht, der von „El Rellenito“, der rechten Hand von Kommissar Villarejo, stammt, beschreibt eine Operation ohne richterliche Kontrolle, um Informationen über das Intimleben prominenter Persönlichkeiten zu sammeln. Das Ziel: Erpressung. Es ging darum, Personen mit „peinlichen“ Angelegenheiten zu identifizieren, sie unter Kontrolle zu bringen und, wenn nötig, zu Entscheidungen zu zwingen, die gegen das Gesetz verstießen.

Die Mechanik der Macht-Erpressung

Die Logik ist pervers, aber einfach. Wer etwas zu verbergen hat, kann kontrolliert werden. Die Debatte legt nahe, dass diese Praxis kein neues Phänomen ist, sondern eine historische Konstante. Genannt wird der Fall des ungarischen Europaabgeordneten József Szájer, der während der Pandemie bei einer Orgie in Brüssel ertappt wurde und seinen Rücktritt damit begründete, dass die politische Tätigkeit ihm Probleme bereite. Auch Froilán de Borbón wird erwähnt, der aus einer illegalen Sauna entfernt wurde, in der sich Minderjährige und rosa Kokain befanden.

Die daraus resultierende Schlussfolgerung ist, dass persönliche Verwundbarkeit zum politischen Druckmittel wird. Die Debatte geht noch weiter: Wenn diese Bombe nicht früher explodiert ist, liegt es an der gegenseitigen Angst, dass Videos veröffentlicht werden. Ein Gleichgewicht des Terrors, in dem alle etwas zu verlieren haben.

Doppelmoral und Degeneration

Die Diskussion entwickelt sich zu einer philosophischen Reflexion über die menschliche Dualität. Plutarch, Konfuzius, Cervantes oder Seneca werden zitiert, um zu illustrieren, dass „wer viele Laster hat, viele Herren hat“. Die zentrale Idee: Tugend und Laster sind keine getrennten Bereiche. Wer in einem Bereich lasterhaft ist, ist es überall. Und wer ehrlich ist, ebenfalls.

Der Bezug zu Keynes ist kein Zufall. Es wird suggeriert, dass der Ökonom mit seinem promiskuitiven Leben und seiner angeblichen Geringschätzung des Langfristigen eine gewisse Degeneration verkörpert, die sich auf seine Theorien überträgt. Allerdings wird auch betont, dass das Problem nicht die sens Orientierung ist, sondern die Möglichkeit, dadurch erpresst zu werden. In diesem Sinne erinnert die Debatte daran, dass Hitler Homosenshomo von verantwortungsvollen Positionen fernhielt, weil es leicht war, ihre Geheimnisse zu entlocken und sie zu erpressen.

Die unbequeme Frage

Während die Debatte zwischen Keynes, Sánchez’ Schwiegervater und den Saunas in Madrid hin- und herpendelt, taucht eine unbequeme Frage auf: Wenn Erpressung das übliche Werkzeug der Macht ist, wie viele politische Entscheidungen wurden nicht aus Überzeugung getroffen, sondern aus Angst vor der Veröffentlichung kompromittierender Videos? Die Diskussion deutet darauf hin, dass die Antwort vieles erklären könnte, was sonst unerklärlich erscheint. Rajoy’s Abgang, das Misstrauensvotum, die Finanzkonstruktionen zur Verschuldung von Ländern... Alles könnte eine schmutzigere Erklärung haben als die offizielle. Und währenddessen bleibt Keyns Leben in seinem Tagebuch erhalten, als Erinnerung daran, dass die Geschichte nie so sauber ist, wie sie uns erzählt wird.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (158 Antworten).

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