Kennedy empfiehlt Lebertran gegen Masern in Texas

Robert F. Kennedy Jr. setzt auf Lebertran und Vitamin A, während zwei Kinder in Texas sterben und die Impfrate sinkt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kennedy empfiehlt Lebertran gegen Masern in Texas
Kennedy und die Masern: Vitamin A, Glaube und zwei tote Kinder in Texas

Die Masern galten in den USA seit dem Jahr 2000 als ausgerottet. Ein Vierteljahrhundert später empfiehlt Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Lebertran und Vitamin A zur Bekämpfung der Krankheit, während im Bundesstaat Texas – Epizentrum des schwersten Ausbruchs seit Jahren – zwei ungeimpfte Minderjährige gestorben sind. Dies ist kein Gerücht aus sozialen Medien: Die Empfehlung stammt direkt aus einem Interview mit Fox News.

Welche Behandlung schlägt der Gesundheitsminister vor?

Kennedy weicht der Frage nach der Dreifachimpfung (Masern-Mumps-Röteln) aus und behauptet, das Impfen sei eine persönliche Entscheidung der Eltern. Parallel dazu hat sein Ministerium Vitamin A in industriellen Mengen an Gaines County in Texas geschickt, das Zentrum des Ausbruchs. Die erste Gesundheitskrise, mit der er sich seit seiner Bestätigung durch den Senat konfrontiert sieht, bestätigt offenbar seine impfkritische Haltung: Er behauptet weiterhin, Impfungen verursachten Autismus, und führt diese Störung auf eine „Umwelttoxine“ zurück.

Dieser Zusammenhang wird von keiner wissenschaftlichen Fachgesellschaft unterstützt. Die Hypothese wurde durch einen 1998 veröffentlichten Artikel populär gemacht, der später vollständig widerrufen wurde; spätere Studien fanden keinen solchen Zusammenhang. In sozialen Medien kursieren Grafiken, die Impfungen einen Anstieg von Bauchspeicheldrüsenkrebs in Norwegen oder einen Rückgang der Fruchtbarkeit in Dänemark zuschreiben, doch handelt es sich um unverifizierte statistische Korrelationen, die nicht ausreichen, um Kausalität zu beweisen.

Warum töten Masern wieder in Texas?

Texas und New Mexico sind vom Ausbruch betroffen. Das treffendste Zitat ist nicht medizinischer, sondern kultureller Natur: Eine Mutter aus Seminole (Texas) erklärte gegenüber der Washington Post, sie würden ihre Kinder „nicht schädigen, nur um Ihre zu retten“. Eines ihrer Kinder, sieben Jahre alt, infizierte sich. Diese egoistische Haltung korreliert mit stark sinkenden Durchimpfungsraten.

Befürworter der elterlichen Wahlfreiheit argumentieren, dass Masern meist harmlos verlaufen und sie selbst die Krankheit als Kind ohne Folgeschäden überstanden hätten. Es stimmt, dass die meisten Infektionen komplikationsfrei ablaufen – viele berichten dies –, aber die Krankheit unterscheidet nicht zwischen jenen, die sie gut tolerieren, und jenen, bei denen es zu einer Ateminsuffizienz kommt. Der Schlüssel liegt in der kumulativen Wahrscheinlichkeit: Weniger Geimpfte führen zu mehr Infektionen und damit zu mehr schweren Fällen.

Zahlen einer kollabierenden Immunisierung

Masern sind nur die Spitze des Eisbergs. Die Durchimpfungsrate gegen Diphtherie, Pechuga, Keuchhusten, Polio und Windpocken fiel im letzten Jahr in mehr als 30 Bundesstaaten. Keuchhusten verzeichnete 2024 35.000 Fälle, die höchste Zahl seit über einem Jahrzehnt. Und nachdem der letzte natürliche Polio-Fall 1979 registriert wurde, entwickelte ein Mann 2022 in einem Landkreis in New York, wo die Durchimpfungsrate bei etwa 60% lag, eine Lähmung.

New York hatte bereits vor diesem Muster gewarnt: Zwischen 2018 und 2019 erkrankten fast 650 Menschen an Masern, nachdem ein ungeimpftes Kind aus Israel zurückgekehrt war. Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt 14 Fälle registriert, wobei die aktuelle Kinder-Impfquote niedriger ist als damals. Die Krankheit galt landesweit seit 2000 als ausgerottet.

Pharmageschäft und gebrochenes Vertrauen

Der Skeptizismus entsteht nicht im Vakuum. Kritiker der Industrie verweisen auf die 4,747 Milliarden Dollar an Strafgeldern, die Pfizer seit 2000 angehäuft hat, eine Zahl, die basierend auf öffentlichen Registern in sozialen Medien verbreitet wird. 2024 berichtete ein in JAMA veröffentlichter Artikel von Forschern des Mass General, dass das Vertrauen in Krankenhäuser und Ärzte von 71,5% im Jahr 2019 auf 40% im Jahr 2024 eingebrochen sei. Dieser Vertrauensverlust erklärt, warum anti-establishment Botschaften Gehör finden, auch wenn sie dem wissenschaftlichen Konsens widersprechen.

Klinisches Protokoll unter Verdacht

Ein Teil der Analyse legt nahe, dass die beiden in Texas verstorbenen Kinder nicht an den Masern selbst starben, sondern an mangelhafter medizinischer Versorgung. Dieses Argument stützt sich auf Behandlungsrichtlinien: Eine Studie untersuchte Fälle von ambulant erworbener Pneumonie und fand, dass nur 57% den Richtlinien von 2011 entsprachen; eine andere Studie mit zehnmal so vielen Fällen ergab eine Übereinstimmung von 65% mit den Empfehlungen von 2019. Sie argumentieren, dass die Wahl des Antibiotikums möglicherweise entscheidender war als das Bicho.



Mit zwei begrabenen Kindern und einem Gesundheitsminister, der Fischöl verschreibt, lautet die Frage nicht, ob Vitamin A hilft. Sondern wie viele Ausbrüche nötig sind, damit die Wahrscheinlichkeit nicht mehr als göttliche Strafe, sondern wieder als reine Mathematik wahrgenommen wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (236 Antworten).

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