Ein schweigsamer Gast und 25 Jahre ohne Verbindung nach Valladolid
Wie lange muss man aus Höflichkeit ertragen? Ein Rentner aus Sabadell wohnt seit einem Monat in einem Hotel an den Rías Baixas und verbringt seine Zeit damit, seine Sicht des katalanischen Fiskaldefizits zu erklären – gegenüber Rezeptionisten, Touristen und jedem, der im Speisesaal sitzt. Er spricht laut. Man hört ihn vom anderen Ende des Raumes. Niemand wollte über die regionale Finanzierung diskutieren, aber am Ende tut es doch jeder.
Das Bild vervollständigt eine rumänische Pflegerin, die sich um das Paar kümmert, ein Aufenthalt, der sich über Wochen erstreckt – sein Alter liegt laut den großzügigsten Schätzungen im Speisesaal bei etwa 240 Jahren – und das gemeinsame Gefühl, einen Urlaub zu bezahlen, nur um politische Vorträge beim Essen zu hören. Die Anekdote ist lustig, bis man auf die Rechnung schaut: Das dauerhafte Ungleichgewicht hat haushaltspolitische Kosten, und diese zahlt selten derjenige, der davon erzählt.
Wie viel trägt Katalonien zum Staat bei und wie viel das Baskenland?
Die Zahl, die in diesen Gesprächen am häufigsten fällt, ist 40%: der Anteil der katalanischen Steuereinnahmen, der laut dieser Erzählung in die Staatskasse fließt, ohne proportional zurückzukehren. Dies wird in Hotels, bei Familienessen und Strandgesprächen wiederholt, mit derselben Sicherheit wie jeder Slogan.
Das Gegenargument hat ebenso viel Gewicht wie die Beschwerde. Ein Großteil dessen, was in Katalonien abgerechnet wird, wird aus dem übrigen Spanien bezahlt, sodass man bei Begriffen wie „Ausplünderung“ zunächst trennen muss, welcher Teil der Steuer dort entsteht und welcher Teil aus dem Markt stammt, der von außerhalb konsumiert. Mit dieser Anpassung ist die 40%-Zahl kein Fakt mehr, sondern eine Interpretation. Und der unbequeme Vergleich taucht auf: die 6%, die dem Baskenland durch das baskische und navarrische Wirtschaftssystem (Concierto Económico) zugeschrieben werden, ein Element des Übergangs zur Demokratie, das ein Nutzer des Threads als Pfusch bezeichnet.
Hier liegt der Knackpunkt. Es geht nicht um einen Streit über Solidarität, sondern darum, wer die Differenz zahlt und nach welchen Regeln sie berechnet wird.
León und Valladolid haben immer noch keine Autobahnverbindung: Projekte, die nie fertig werden
Die Antwort kam schnell: die Liste der ausstehenden Infrastrukturprojekte im Nordwesten und Westen der Iberischen Halbinsel. Die beiden wichtigsten Metropolregionen Kastilien-Leóns, León und Valladolid, sind weiterhin nicht durch Autobahn oder Schnellstraße verbunden. Soria wartet seit 25 Jahren auf seine Anbindung an Valladolid und den Rest der Region. Zwischen La Bañeza und Astorga ist der Zustand der Fahrbahn der A-6 ein ständiges Gesprächsthema. Die Eisenbahnlinie Plasencia-Astorga ist geschlossen. Und der Una manola-Tunnel, ein wahrhaft gigantisches Bauwerk, hat das asturische Problem allein nicht gelöst.
Diese Aufrechterhaltung stützt die andere Hälfte des Arguments. Wenn jedes Territorium misst, was es beiträgt, und nicht, was es in Form von Zügen, Straßen und Krankenhäusern erhält, fällt das Ergebnis für jemanden immer schlecht aus. Bei der Verteilung der Investitionen gewinnt der Nordwesten seit Jahrzehnten den Wettbewerb des Pechs.
Ist der Hochgeschwindigkeitszug in Spanien außerhalb des Korridors Madrid-Barcelona rentabel?
Hier wechselt die Debatte die Seiten. Ein Teil der Analyse besagt, dass der einzige Hochgeschwindigkeitskorridor mit wirtschaftlichem Sinn der zwischen Madrid und Barcelona ist und dass die fehlenden Achsen – Madrid-Lissabon, Barcelona-Paris – diejenigen waren, die wirklich gerechtfertigt waren. Der Rest, Linien mit einem Zug pro Tag und einer Handvoll Passagieren, ähnelt zu sehr jenen überflüssigen Flughäfen: Infrastruktur, die nach dem Wahlkalender eröffnet wurde, nicht nach der Nachfrage.
Der Einwand ist so einfach, dass er unangenehm ist. Wenn die Rentabilität keine Voraussetzung für den Rest der öffentlichen Ausgaben ist, warum wird sie dann nur vom Zug verlangt? Die Frage ist nicht rhetorisch: Sie entlarvt diejenigen, die Rechenschaft vom Eisenbahnwesen fordern, während sie ohne mit der Wimper zu zucken Posten verteidigen, die diesen Test niemals bestehen würden.
Der Tourist, der einen Monat bleibt, und der Nachbar, der Sommerurlaub macht
Die Episode im Speisesaal deutet auf etwas Unbequemeres hin als mangelnde Manieren. In der Hochsaison leben in kleinen Tourismuskommunen wochenlang Menschen zusammen, die sich nicht ausgesucht haben, den Tisch zu teilen, und die mit ihren Vorlieben, Abneigungen und Flaggen anreisen. Das lässt sich nicht an der Rezeption lösen.
Dieselbe Geschichte reist auch. Ein katalanisches Ehepaar mit drei Jahrzehnten Wohnsitz in Australien lud Bekannte zu sich nach Hause ein, und dort kamen die 40% und die angebliche fiskalische Erstickung zur Sprache. Dreißig Jahre weg und das Argument intakt, aktualisiert wie am Tag ihrer Abreise. Es ist der beste Indikator dafür, dass es hier nicht um Zahlen geht: Es geht um Identität.
Die Zahlen existieren derweil. Die Amnestie, Haushaltspläne, die der Senat zurückweisen kann, die Arithmetik der Mehrheiten... all das wiegt schwerer auf der realen Wirtschaft der Unternehmen, die von regulatorischer Stabilität abhängen, als von der Flagge am Balkon. Und es lastet auf denselben Regionen, die sich über Benachteiligung beschweren, unabhängig davon, wer im Verteilungskampf recht hat.
Am Ende ist das Mittel des geprügelten Sommersgastes einfach: Setzen Sie sich neben ihn und erzählen Sie ihm von den Schlaglöchern der A-6 zwischen La Bañeza und Astorga, der Schließung der Linie Plasencia-Astorga und den 25 Jahren Wartezeit in Soria. Es repariert keine Straße. Aber es verteilt das Leid mit derselben Effizienz, mit der wir seit Jahrzehnten Benachteiligungen verteilen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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