Katalanisch wird unbeliebt, während Sprecherzahl sinkt

Junge Menschen sprechen weniger Katalanisch; Sprachpolitik erzeugt Ablehnung. Santi Rodríguez’ Diagnose eröffnet die Debatte über Schule und Linguistik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Katalanisch wird unbeliebt, während Sprecherzahl sinkt
Sprachpolitik macht Katalanisch zu einer „unbeliebten“ Sprache

Das Katalanische stirbt nicht aus Mangel an Zuneigung, sondern durch Dekret. Die Diagnose kommt nicht aus einem Madrider Editorial, sondern von innen. „Das Katalanische ist unbeliebt geworden. Junge Menschen sprechen es seltener denn je“, behauptet Santi Rodríguez, der eine Sprachpolitik fordert, „die nicht auf Zwang und Sanktion beruht“. Der Stein ist geworfen, und 286 Tage später hat sich die Debatte von der Sprache zur Demografie, von der Schule zur Politik und von Valencia nach Buenos Aires verlagert. Kaum jemand bestreitet den Rückgang der Nutzung. Strittig ist, wer die Schuld trägt.

Warum sprechen junge Menschen weniger Katalanisch?

Die Einigkeit über das Faktum ist groß; die Uneinigkeit über die Ursache ebenso. Die erste These zeigt auf die Schule: Das unterrichtete Katalanisch ist normativ, fern von dem, was man auf dem Markt oder in der Bar hört, und endet als Fach, das man nur mit Mühe besteht und beim Pausenklingeln vergisst. Die zweite These zielt auf die familiäre Weitergabe: Wenn das Kind auf Spanisch antwortet, obwohl der Elternteil Katalanisch spricht, reißt die Kette abrupt ab, und die gute Absicht der Eltern hilft nichts. Die dritte These ist nüchterner. Jede Minderheitensprache, die im selben Markt wie eine globale Sprache konkurriert, verliert aufgrund der Schwerkraft der Umstände Sprecher – mit oder ohne Dekret.

Alle drei Erklärungen koexistieren, und keine lässt sich vollständig widerlegen. Darin liegt die Spannung des Themas.

Zwang als Fabrik für Ablehnung

„Ich versuche, dass meine Kinder gut Katalanisch sprechen, weil es beruflich und sozial gut für sie ist, aber außerhalb des Klassenzimmers schaffen sie es nicht“, fasst eine der zitierten Stimmen zusammen und fügt ein häusliches Detail hinzu: Selbst Eltern, die ihre Kinder auf Katalanisch ansprechen, hören diese auf Spanisch antworten. Die Schlussfolgerung – Pflicht erzeugt Abneigung – bildet den Kern vieler Meinungen. Das Argument hat jedoch eine unbequeme Kehrseite: Wenn das Katalanische auch dort zurückgeht, wo es weder Pflicht noch Sanktionen gibt, dann ist nicht die Norm schuld, sondern das Gewicht des Spanischen, des Englischen und der Bildschirme.

Valencianisch: Die Norm, die zu Hause nicht gesprochen wird

Der Fall Valencianisch dient als Laboratorium für das Vorherige. Ein gebürtiger Valencianisch-Sprecher erzählt es ungeschönt: Valencianisch ist seine Muttersprache, er hat sein Leben lang katalanische Texte gelesen, aber die Schulmaterialien seiner Kinder wirken unglaubwürdig wegen des bewussten Versuchs, eine möglichst vom Spanischen entfernte Sprache zu konstruieren. Sein Vergleich zwischen einem aktuellen Kinderbuch und dem Werk eines klassischen katalanischen Autors deutet auf dasselbe hin: Was gelehrt wird, ist nicht das, was gesprochen wird.

Die Gegenseite bringt ein anderer Bewohner derselben Region vor: Nach seinen Erfahrungen kommunizieren acht von zehn Lieferanten, einschließlich in der Hauptstadt, auf Valencianisch, und die Sprache wird problemlos verstanden, wenn jemand den ersten Schritt mit einem „bon dia“ tut. Die Frage ist also nicht, ob man sie kennt. Sondern wer entscheidet, sie zu verwenden.

Galizisch hat dieselbe Krise durchlebt

Ein Kommentar zieht die galizische Vorgeschichte heran: Nach dieser Lesart waren es wohlhabende Schichten, die eine kultivierte Norm förderten, um nicht mit den Bauern verwechselt zu werden, die die Sprache täglich sprachen, mit dem Ergebnis einer Ablehnung, die die Zahl der Sprecher reduzierte. Die Parallele hat Befürworter und Gegner, aber sie dient ihrem Zweck: daran zu erinnern, dass Katalanisch nicht die einzige iberische Sprache ist, bei der sich die offizielle Version von der Küchenversion entfernt hat.

Migration, Geburtenrate und unbequeme Variablen

Ein Teil der Meinungen führt den Rückgang auf die Ankunft von Bevölkerung zurück, für die Katalanisch keine Muttersprache ist; andere behaupten genau das Gegenteil, nämlich dass das Problem demografischer Natur sei und sich in weniger Geburten innerhalb der Familien zusammenfasse, die zu Hause Katalanisch sprachen. Es gilt klarzustellen: Dies sind Gesprächshypothesen, keine verifizierten Daten, und keine offiziellen Statistiken werden zur Untermauerung zitiert. Was jedoch ein erkennbares Faktum ist, ist die wiederholte Klage über den Stil: Die normativen Texte, die in die Schulen gelangen, und die Sprache, die auf dem Schulhof gesprochen wird, sind zwei verschiedene Sprachen mit demselben Namen.

Und im Hintergrund: Die Politik

Der Austausch verlässt bald die Linguistik. Manche behaupten, die Sprache sei als Werkzeug der Konfrontation genutzt worden, und dies erkläre einen Großteil der Ablehnung; andere entgegnen, dass keine Sprache wegen Unbeliebtheit verschwinde und das eigentliche Problem der fehlende Generationenwechsel sei. Die Diskussion kreuzt sogar den Atlantik, mit gegenseitigen Vorwürfen darüber, wer das Recht hat, sich zu äußern, und wer zuerst wo angekommen ist. Es ist der am wenigsten nützliche und lauteste Abschnitt, wie so oft.

Was kann mit Katalanisch in den nächsten Jahren passieren?

Die häufigste Prognose, und die schwerste zu widerlegen, besagt, dass Katalanisch in dreißig bis vierzig Jahren weiterhin Boden im spontanen Sprechen verlieren wird, unabhängig davon, wer den politischen Kampf gewinnt, es sei denn, Schule und Straße sprechen wieder dieselbe Sprache. Wer vorgibt, zu wissen, wie das enden wird, lügt. Und wer vorgibt, dass es egal ist, ebenfalls.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (234 Antworten).

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