Karthago: Warum Rom die Stadt von der Landkarte tilgte

Rom besiegte Karthago nicht nur: Laut dem Bericht zermalmte es seine Steine zu Staub. Der doppelte Standard hinter einem Verschwinden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Karthago: Warum Rom die Stadt von der Landkarte tilgte
Karthago: Die Stadt, die Rom zu Staub machte

Warum verschwand Karthago vom Antlitz der Erde? Die kurze Antwort: Rom begnügte sich nicht mit dem Sieg – es stellte sicher, dass nicht einmal die Erinnerung blieb. Die lange Version, die mit dieser Debatte über die Zerstörung der phönizischen Stadt beginnt, hat weniger Heldentum und mehr Kalkül. Laut dem Bericht rissen die Römer nach der Niederlage nicht nur die Gebäude nieder: Sie zermalmten sogar die Steine, aus denen die Stadt gebaut war, zu Staub. Das Zitat, das Orosius, einem Schüler des Heiligen Augustinus, zugeschrieben wird, ist eindeutig: «Omni murali lapide in pulverem comminuto».

Das Schweigen der römischen Historiker

Der erste angesprochene Punkt ist unbequem: Wie in der Debatte erklärt wird, übergehen ausnahmslos alle römischen Historiker die Beschreibung der Zerstörung Karthagos. Livius, Cassius Dio, Dionysios von Halikarnassos, Diodor und Polybios schweigen über etwas, das nicht zu übersehen ist. Die gezogene Parallele ist provokant: genauso wie englische Historiker die Plünderung Indiens ignorieren oder die Amerikaner ihre Gräueltaten in Vietnam und Korea. Die Geschichte schreiben die Sieger, und der Sieger entscheidet, was das Archiv verdient.

War es Rache aus Angst? Hannibal besiegte die Römer mit einer weit kleineren Armee in drei regulären Schlachten und hielt sie sechzehn Jahre lang in Italien in Schach, wobei er die besten Provinzen besetzte. Das vergibt man nicht. Die Zerstörung Karthagos wird als Antwort auf eine Demütigung dargestellt, die Rom nicht zu schlucken bereit war.

Der doppelte Standard: Rom geplündert, Rom unversehrt

Der betonte Kontrast ist schwer zu widerlegen. Sechs Jahrhunderte später eroberte der vandalische Herrscher Genseric Rom und plünderte die Stadt vierzehn Tage lang, wobei er die Schätze der ewigen Stadt nach Karthago schaffte. Doch die vandalische Plünderung führte nicht zur Zerstörung der römischen Monumente, die heute noch stehen. Die römische Hand hingegen machte Karthago zu Staub. Dieselbe Stadt, die heute eine archäologische Ausgrabungsstätte ist, wurde einst mit einer Gründlichkeit ausgelöscht, die man nicht einmal gegen die eigenen Eroberer angewandt hatte.

War Karthago schlimmer als Rom?

Hier bewegt sich der Boden. Man erinnert daran, dass die Karthager in Selinunt etwa 16.000 Menschen massakrierten (409 v. Chr.) und Himera verwüsteten, wobei sie 3.000 Gefangene opferten. Machiavelli wird zitiert, der Scipios „übertriebene Güte" mit Hannibals Grausamkeit verglich. Und auf das karthagische Sklavereisystem wird als Modell der Ausbeutung verwiesen, samt einem lateinisch übersetzten Agrartraktat des Mago. Die Strömung, die Rom verteidigt, argumentiert, es sei weniger grausam gewesen als die barbarischen Völker seiner Umgebung, und die Zerstörung habe strategische Gründe gehabt: das Misstrauen gegenüber Massinissa und die Kontrolle über das Gebiet. Die gegenteilige Strömung erinnert an die römischen Massaker in Spanien, das des Galba gegen die Lusitaner oder die Hinrichtungen von Gefangenen nach der Niederlage des Spartacus.

Die Armee, die keine Bürgerarmee war

Ein materielles Detail, das viel erklärt: Der Großteil der karthagischen Armee bestand aus Söldnern und Verbündeten. Die Bürger zogen den Handel dem Krieg vor. Als die Söldner rebellierten, hatte Karthago es schwer. Rom konnte dagegen laut Polybios 700.000 Fußsoldaten und 70.000 Reiter aufbieten. Den Krieg gewann nicht die Tugend: Er wurde durch demografische Logistik gewonnen.



Am Ende ist die Grausamkeit des Schicksals ein Euphemismus. Es gab kein Schicksal. Es gab eine Macht, die beschloss, dass die andere nicht existieren dürfe, und die Mittel hatte, dies umzusetzen. Bemerkenswert ist nicht, dass Karthago verschwand. Bemerkenswert ist, dass wir es bis heute Schicksal nennen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (48 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver