Kampagne in Spanien entfacht Debatte um „High Value“ Frauen
Eine junge Frau, allein, mit dem Hausschlüssel in der Hand und einem Glas Wein auf der Arbeitsplatte. Dieses Bild, das in Werbetafeln und Bussen in ganz Spanien zu sehen ist, hat eine heftige Diskussion darüber ausgelöst, was es bedeutet, eine „Frau mit hohem Wert“ (mujer de alto valor) zu sein. Die Kampagne, die auch Gebärdensprache umfasst, argumentiert, dass „Techno-Oligarchen“ und die rechtsensrecht Szene eine Rückkehr zu traditionellen Rollen vorantreiben: „Sie appellieren an Tradition, Ästhetik und Normalität, aber sie verkaufen Gehorsam“, fasst die Botschaft zusammen. Der Gegenwind ließ nicht auf sich warten und kam mit einem eigenen Vokabular.
Was ist eine Frau mit hohem Wert und woher kommt der Begriff?
Das Konzept wurde nicht von dieser Kampagne erfunden. Es kursiert seit Jahren in Dating-Foren und auf Social-Media-Konten, die Frauen basierend auf ihrer vermeintlichen Begehrlichkeit auf dem Liebesmarkt etikettieren. In der Praxis ist der Begriff zum Schlachtfeld geworden: Einige lesen es als Lob für Unabhängigkeit, andere als Preisschild. „Hoher Wert bezieht sich auf Kosten, wie viel es kostet, sie zu unterhalten“, fasst eine der häufigsten Interpretationen zusammen.
Die schärfste Antwort kommt aus der Sprache selbst. Wenn es Frauen mit hohem Wert gibt, muss es auch solche mit niedrigem Wert geben, und dort bricht der Konsens zusammen. „Wer sind die mit niedrigem Wert? Die, deren Ehemänner sie schlagen und die nichts sagen, die alles schlucken, ohne sich zu beschweren“, schlägt ein Teilnehmer vor. Im Wesentlichen zeigt der Begriff nach unten, nicht nach oben. Ein anderer Beitrag formuliert es als Umkehrung: Hoher Wert wäre die emanzipierte, alleinstehende Karrierefrau; Niedriger Wert, die Hausfrau und Mutter. Letztendlich schreiben die Nutzer das Wörterbuch.
Die These der Kampagne: Algorithmen als Werkzeuge des Rückschritts
Die institutionelle Botschaft beschränkt sich nicht auf das Plakat. Sie behauptet, es gebe eine koordinierte Offensive, um Frauen in den häuslichen Bereich zurückzudrängen, verkleidet als Ästhetik und Tradition. „Was auf dem Spiel steht, sind Rechte, die durch Jahrzehnte feministischen, politischen und sozialen Kampfes errungen wurden“, warnt der Text, der die Kampagne begleitet.
Die Resonanz in den sozialen Medien ist gemischt. Einige sehen in der Anzeige eine Vogelscheuche, die das junge Publikum abstößt – das Gegenteil der Absicht. Andere wischen es einfach mit „Mir ist egal, was sie sagen“ vom Tisch. Zwischen diesen Extremen vertritt eine Strömung die Ansicht, dass die Kampagne den Mechanismus zwar richtig identifiziert, aber im Tonfall daneben liegt. Eine andere Gruppe entgegnet, dass das Problem nicht der Algorithmus sei, sondern ein Teil der Gesellschaft, der schon vor TikTok so dachte.
Der Gegenschlag: „Sie brauchen keine Bestätigung“
Wenn eines viele Antworten vereinte, dann der Verdacht auf Widersprüchlichkeit. „Sie behaupten, keine Bestätigung zu brauchen, hören aber nie auf, Aufmerksamkeit zu erregen“, fasst ein Beitrag zusammen. Das Paradox wiederholt sich in verschiedenen Formen: Wenn männliche Bestätigung so wenig zählt, warum dann der ständige Versuch, sie zu erhalten?
Die häufigste Antwort deutet auf einen Generationenwechsel hin. „Ich freue mich, dass junge Leute eher im Denken von 1950 als 2025 stecken, ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft heilt“, schreibt jemand, der das Phänomen als Hintertür-Rückkehr zu traditionellen Rollen sieht. Andere sehen genau das Gegenteil: eine defensive Reaktion derer, die sich verdrängt fühlen. Eine dritte, leisere Gruppe bittet lediglich darum, das Thema nicht mehr in sozialen Medien zu posten, denn der Algorithmus, den sie kritisieren, ist derselbe, der den Konflikt verstärkt.
Das Geschäft mit dem „hohen Wert“: Kurse, Dating und Abos
Hinter dem Begriff steckt ein Markt. Es gibt Kurse, Mentoring und Abonnements, die versprechen, Frauen beizubringen, wie sie ihren „Wert“ auf dem Liebesmarkt steigern, und Männern, wie sie ihre Aufmerksamkeit nicht verschenken. „Wenn man dieselben Slogans immer und immer wiederholen muss, vielleicht gibt es einen Grund“, bemerkt ein Beitrag, der Wiederholung eher als Verkaufstechnik denn als soziale Diagnose sieht.
Die Kritik am Geschäft ist breit gefächert. „Das beste Geschäft der Welt ist, eine Frau mit hohem Wert für ihren tatsächlichen Wert zu kaufen und sie für den Wert zu verkaufen, den sie glaubt zu haben“, fasst einer der gefeierten Sprüche zusammen. Die Grundidee: Wer sich selbst als wertvoll bezeichnet, setzt einen Preis, und wer einen Preis setzt, akzeptiert, dass es einen Käufer gibt. Mehrere Teilnehmer kommen zu dem Schluss, dass der Begriff an sich eine Kommodifizierung der Person darstellt, unabhängig davon, wer ihn übernimmt.
Was das Plakat nicht sagt: Einsamkeit, Wein und Katze
Das Porträt, das die Kampagne zeichnet – einsame, unabhängige Frau mit ihrem Glas – wurde von einem Teil des Publikums als unbeabsichtigte Prophezeiung gelesen. „Frauen mit hohem Wert sind diejenigen, die am Ende einsamer sind als jeder andere. Ich kenne einige. Man glaubt nicht, wie viel Wein und Bier sie trinken“, schreibt jemand, der von nahen Fällen berichtet.
Die Antwort auf dieses Argument lautet, dass Einsamkeit keine Strafe für Unabhängigkeit ist, sondern ein gesellschaftliches Problem, das beide Geschlechter betrifft, wie Zusammenlebensstatistiken seit Jahren zeigen. Die Kampagne hat jedoch etwas erreicht, das sie nicht suchte: Den Begriff „hoher Wert“ mehr wegen dessen zu diskutieren, was er über den Nutzer verrät, als wegen dessen, was er über den Empfänger aussagt.
Das Plakat bleibt noch einige Wochen sichtbar. Der Begriff hingegen kursiert seit Jahren und zeigt keine Anzeichen von Ermüdung. Wenn sich das nächste Mal jemand als „wertvoll“ bezeichnet, lohnt es sich, daran zu denken, wer das Etikett erfunden hat und wer ein Interesse daran hat, dass es haftbar bleibt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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