Der Journalist, der die Polizei rief, weil jemand «Txapote» sang
Drei Worte reichen aus, um einen professionellen Reporter die Fassung verlieren zu lassen. Das Video, das einen Journalisten zeigt, der mit dem Slogan «que te vote Txapote» konfrontiert wird – und daraufhin schreit, droht und die Polizei anruft –, ist zum besten Beweis für die Wirkung dieses Schlachtrufs geworden. Die Szene spielt sich mitten auf der Straße ab, während der Informant gerade über ein Thema berichtete, so zumindest die Berichte. Die Reaktion wurde gefilmt. Und das ändert alles.
Die Auseinandersetzung dauert kaum eine Minute, bietet aber Stoff für eine Abhandlung. Auf der einen Seite ein junger Mann, der den Satz wiederholt und mit dem Handy filmt. Auf der anderen Seite ein Journalist, der ihn auffordert zu gehen, ihm vorwirft, seine Arbeit zu stören, und schließlich die Polizei anruft. Das in sozialen Medien verbreitete Video hat die Debatte über Meinungsfreiheit, die Rolle der Presse und darüber, wer wen auf öffentlichen Plätzen ansprechen darf, neu entfacht.
Was ist im Video zum «Txapote»-Slogan zu sehen?
Die Sequenz beginnt mit dem Reporter und seiner Kamera. Ein Passant nähert sich, ruft den Slogan und zückt sein Telefon. Die Antwort des Profis besteht darin, den Tonfall zu verschärfen: Er fordert ihn auf zu gehen, wirft ihm vor, die Arbeit zu behindern, und kündigt an, die Polizei zu rufen. Mitten im Austausch fällt eine Drohung im Zusammenhang mit dem Nichtberühren der Kamera. Dieses Detail, das im kursierenden Material auftaucht, hilft nicht gerade der Partei, die sich als Opfer darstellt.
Es gibt ein fast komisches Element, das mehrere Analysen hervorheben: Der Reporter spricht direkt ins Mikrofon, haucht es an, und dieses selbe Mikro wird dann an die Gäste weitergereicht. Wenn das Ziel war, dass man ihn gut versteht, ist es gelungen. Wenn das Ziel war, Haltung zu zeigen, geschah genau das Gegenteil.
Das Video hat die Tugend, keinen Raum für Zweifel zu lassen. Es gibt keine Schnitte, keine Montage, keine interessierte Version. Was es gibt, ist eine Reaktion vor der Kamera, und in einer Zeit, in der alles aufgezeichnet wird, entscheidet sich der Unterschied zwischen der Anprangerung eines Boykotts und dessen Hauptdarstellersein in zwei Sätzen.
Artikel 420 des Strafgesetzbuchs, falsch zitiert
Mitten im Streit beruft sich der Journalist – laut Berichten – auf Artikel 420 des spanischen Strafgesetzbuches (Código Penal), als wäre der Slogan eine Straftat. Diese Referenz ist zum meistdiskutierten Moment des Clips geworden, und zwar aus einem einfachen Grund: Dieser Paragraph handelt weder von Beleidigungen noch von Respektlosigkeit noch von Meinungsfreiheit.
Artikel 420 des Código Penal ist im Kapitel über Bestechung geregelt und bezieht sich auf die Strafen für Beamte oder öffentliche Autoritäten, die Angebote oder Vergütungen für Handlungen im Rahmen ihrer Amtstätigkeit annehmen. Kein Wort über das Rufen eines Slogans auf der Straße. Der Fehler, der in den sozialen Medien verbreitet und seziert wurde, hat die Idee genährt, dass wer das Strafgesetzbuch leichtfertig zitiert, es vielleicht nie gelesen hat.
Die Anekdote hat ihren Reiz. In einem Land, in dem jeder über das Strafgesetzbuch urteilt, stellt sich heraus, dass der erste Artikel, der auf einem Bürgersteig lautstark zitiert wird, die Bestechung eines öffentlichen Amtes regelt. Die Ironie ist unfreiwillig und deshalb umso wirkungsvoller.
Wer war die aggressive Seite des Konflikts?
Hier spaltet sich die Erzählung in zwei Lager. Eine Strömung behauptet, der Passant habe sich genähert, provoziert und die Konfrontation gesucht, während der Journalist sich nur verteidigte. Die andere hält genau das Gegenteil für wahr: Dass der Profi die Stimme erhob, mit der Polizei drohte und das Telefon als Druckmittel gegen einen bloßen Satz einsetzte. Das Video erlaubt beide Lesarten, je nachdem, worauf man den Fokus legt.
Was deutlich hervortritt, ist ein wiederkehrendes Muster: Der Satz funktioniert. Wer ihn hört, verliert die Nerven. Wer ihn ruft, bleibt dagegen ruhig und lächelt. Dieser Kontrast – einer verliert die Beherrschung, der andere filmt – hat dafür gesorgt, dass das Clip viral ging.
Manche fügen eine weitere Ebene hinzu: die der öffentlichen Ressourcen. Dass ein Bürger die Polizei ruft, weil ihm drei Worte auf der Straße gesagt wurden, bindet Mittel, die für anderes da sind. Wenn der Anruf erfolgt, muss jemand ausrücken, und diese Zeit wird nicht für einen Raub oder einen echten Notfall verwendet. Die Kritik richtet sich nicht gegen die legitime Nutzung des Telefons, sondern gegen ihre Verwendung als Einschüchterungsinstrument.
Der Slogan, der im Wahlkampf vom 23J entstand
Um den Clip zu verstehen, muss man ihn einordnen. Der Satz «que te vote Txapote» etablierte sich als Schlachtruf während des Wahlkampfs für die Parlamentswahlen am 23J (23. Juli) und stand im Zusammenhang mit Kritik an den Regierungsabkommen. Nach der Wahl blieb er im Umlauf, zusammen mit der Kontroverse darüber, ob die Erwähnung eines wegen Terrorismus Verurteilten die Opfer beleidigt oder nicht.
Das ist der Kern der Sache. Eine Seite verteidigt, dass der Satz respektlos gegenüber den Opfern sei; die andere entgegnet, dass die Berufung auf das Leid der Opfer zur Abschirmung der Regierung Heuchelei sei. Wenn ein dreiwortiger Slogan die Presse dazu zwingt, defensive Pressekonferenzen einzuberufen, hat er einen wunden Punkt getroffen.
Es ist kein Zufall, dass das Video als Symbol durchgesetzt hat. Es fasst in einer Minute zusammen, was monatelang die Schlagzeilen beherrschte: Der Zusammenstoß zwischen einem schreienden Bürger und einem Informanten, der nicht mehr weiß, ob er angegriffen oder interviewt wird.
Was steht für die Presse bei solchen Videos auf dem Spiel?
Dieser Vorfall reiht sich in eine ältere Diskussion ein: Was tut ein Journalist, wenn der Bürger aufhört, Quelle zu sein, und zum Protagonisten wird? Das Bild eines Profis, der wegen eines Satzes die Polizei ruft, ist nicht neutral. Es nutzt ab. Und in einem Kulturkrieg, in dem jedes Video tausend Artikeln gleichkommt, ist Verschleiß die Währung.
Manche sehen hier eine Chance: Mit dem Video in der Hand Anzeige erstatten, einen Richter entscheiden lassen und jede Seite ihre Kosten tragen lassen. Die Justiz braucht Zeit, aber der Clip ist ewig, und im parallelen Gerichtshof der sozialen Medien wird das Urteil binnen Stunden gefällt.
Das Material bietet mehr, als es scheint. Es gibt Kalkül, es gibt eine Erzählung und es gibt ein paar Sätze, die das Klima einer Epoche besser zusammenfassen als jeder Leitartikel.
Bleiben ein Video, ein Slogan und ein falsch zitierter Código Penal. Nichts deutet darauf hin, dass der Lärm kurzfristig abnimmt; im Gegenteil, jede neue Auseinandersetzung öffnet dieselbe Wunde erneut. Wer auf eine Korrektur oder ein sauberes Ende hofft, wird wahrscheinlich vergeblich warten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (500 Antworten).