Japans 3-Prozent-Anleihe bricht die letzte Stütze der westlichen Schulden
Es gibt eine Zahl, die besser als jede Schlagzeile zusammenfasst, was sich da zusammenbraut: Die zehnjährige japanische Anleihe ist von 2,25% auf 3,00% gestiegen und steigt weiter wie eine Rakete. Drei Jahrzehnte lang finanzierten japanische Ersparnisse das amerikanische und europäische Defizit mit unendlicher Geduld. Wenn dieses Geld beschließt, in Tokio zu bleiben, verliert das System den marginalen Käufer, der das ganze Gebälk trug. Der Funke war der Iran. Die Struktur war schon vorher morsch.
Die Diagnose, die in den meistgelesenen Analysen wiederholt wird, lautet: Die Krise ist keine Arbeitshypothese mehr, sie ist eine laufende Phase. Die Straße von Ormuz ist seit Monaten geschlossen oder läuft auf Halbgas, und damit ist mehr verloren gegangen als nur Öl. Laut einer im Thread verbreiteten Analyse exportiert der Persische Golf 46% des Welthandels mit Harnstoff, dem Stickstoffdünger, der keine Wartezeit duldet: Wird er diesen Frühling nicht ausgebracht, gibt es keine Ernte. Das Saatfenster schloss sich, während die Börsen Rekordhochs feierten.
Der Engpass, den niemand ansieht: die Raffinerien
Rohöl ist nicht das Problem. Das Problem ist die Raffination. Spanien und Italien haben einen relativen Vorteil, weil ihre Reservemischung etwa 60% Raffinate und 40% Rohöl umfasst, gegenüber dem umgekehrten 60-40 der meisten europäischen Länder. Das gibt ihnen Spielraum. Wenig. Das schwache Glied sind Flugbenzin und Bunkeröl, die spezielle Lagerung brauchen und kurz haltbar sind. Die amerikanischen Handelsbestände stiegen schlagartig, eine Zahl, die die New Yorker Presse als ausgezeichnet verkaufte, sich aber besser durch den Rückgang der Shale-Exporte und die Ankunft von schwerem Rohöl erklären lässt, das während der zehn Tage teilweiser Öffnung der Straße verschifft wurde.
Amerikanisches Shale fördert dank des Permian-Beckens reichlich, aber jeder Bohrloch hält etwa ein Jahr und ist dann erschöpft. Zudem ersetzt es die schweren Rohöle aus dem Nahen Osten nicht: Es taugt für Benzin, nicht für den Rest des Sortiments. Daher hält die These eines Amerika, das Öl in weltweitem Maßstab exportiert, weder mengen- noch qualitätsmäßig stand. Was es hat, ist Gas, und das erklärt vieles, was vier Jahre entschieden wurde, bevor jemand eine Pipeline in die Luft jagte.
Der Schattenbankensektor beginnt, die Tür zu schließen
Am Markt für Privatkredite, jenem Segment von 1,8 Billionen Dollar, das außerhalb des regulierten Bankwesens wuchs, sind Rückgabeanfragen um 56% gegenüber dem Vorquartal auf 12.000 Millionen gestiegen. Ein von Ares verwalteter Fonds verzeichnete seinen größten Monatsverlust. Blue Owl fror Rückgaben für Anleger ein. Die Liste der Institute mit Exposition gegenüber den Pleiten des vergangenen Herbstes wächst weiter und umfasst inzwischen JPMorgan, Barclays, UBS, Apollo, Jefferies und Marathon.
Währenddessen summieren sich die Verluste der Pflichtrentenkassen für deutsche Ärzte, Zahnärzte, Anwälte und Architekten auf Milliarden. Extremfall ist die Rentenkasse der Berliner Zahnärzte: sechs Berufsträger in einem Ehrenamtsgremium, die 2.200 Millionen verwalten, Investitionen in einen pleitegegangenen Tech-Versicherer, Luxushotels auf Ibiza und Sardinien, eine Garnelenfarm und das Immobilienimperium von René Benko. 1.100 Millionen verdampft, die Hälfte des Fonds, und ein Strafverfahren läuft. Rentenkürzungen von 20% bis 50% werden erwartet.
Der digitale Euro: 150 Millionen für eine App, die niemand will
Die EZB hat bereits Anbieter für ihre digitale Währung ausgewählt. Die App wird die italienische Almaviva der Gruppe Caltagirone für 150 Millionen Euro und einen Vertrag von vier bis zehn Jahren entwickeln. All das, ohne dass bestätigt wäre, ob das Projekt eine übliche CBDC wird. Die deutsche Bundesbank selbst hat vor Risiken von Bankenliquiditätsmangel und Kapitalflucht gewarnt, mit einer Obergrenze von 3.000 Euro pro Nutzer.
Die internationalen Beispiele laden nicht zum Optimismus ein. Nigerias eNaira verzeichnet seit Jahren eine marginale Verbreitung trotz ständiger Anreize. In China, wo der Staatsapparat unverhohlen drängt, wurde die App des digitalen Yuan von rund 20% der Bevölkerung heruntergeladen, doch Bargeld und Kryptowährungen gewinnen in der Praxis weiterhin. Die These, ein Plus von 3% auf die Rente würde genügen, um ein Viertel der europäischen Bevölkerung mitzureißen, klingt auf dem Papier plausibel und kollidiert mit der Erfahrung, dass die Menschen vor ineffizienten Lösungen fliehen.
Die Straße als Thermometer: Frankreich und Italien
Die Unruhen in Marseille, Bologna und Mailand sind keine Sommeranekdote. Polizeiwagen, die Tausende Demonstranten nicht aufhalten können, Kathedralen als Schauplatz von Krawallen, verwüstete Geschäfte. Ein Teil der Analyse vertritt die Ansicht, dass diese Wellen nicht nur auf die wirtschaftliche Lage zurückgehen und dahinter Koordination steckt. Eine prosaischere Lesart deutet darauf hin, dass die Energiekrise und die Preissteigerungen kamen, als die sozialen Polster bereits aufgezehrt waren.
In fiskalischer Hinsicht wies Spanien im zweiten Quartal ein Defizit von 32.002 Millionen aus, 13,9% mehr als im Vorjahr, mit 217.334 Millionen Ausgaben in drei Monaten gegenüber 185.332 Millionen Einnahmen. Der Schuldendienst liegt bei rund 52.195 Millionen jährlich und soll im nächsten Jahr um weitere 10.000 steigen. Und zum ersten Mal seit der Zeit vor dem Euro ist Spanien ohne Sitz in der EZB-Spitze.
Metalle: Silber als Auslöser
Der Angriff auf die Comex aus Shanghai ist die Partie, die am wenigsten beachtet wird. Physisches Silber wird knapp, und die Papierkontrakte werden zu jedem Preis gedeckt. Brechen die gehebelten Akteure schnell zusammen, reißen sie einen Teil des Marktes mit, und die Absicherungen erfolgen mit Anleihen. Ein souveräner Margin Call, von den Fonds, die Infrastruktur ohne Rückendeckung der Versicherer wiederaufbauen müssen, ist der Baustein, den niemand vollständig kartiert hat. Gold notiert bereits über 5.000 Dollar pro Unze.
Die Frage, die in der Luft bleibt, ist nicht, ob das System hält, sondern wie lange es braucht, um zu beschließen, dass es nicht hält. Mit der japanischen Anleihe bei 3%, Ormuz geschlossen und den Düngemitteln in der Schwebe, ist der Kalender der nächsten Ernte bereits geschrieben. Hat jemand nachgesehen, was in der Vorratskammer ist?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (21288 Antworten).