Internet verliert seinen Reiz: Veteranen sind gelangweilt

Veteranen des Internets sehen einen massiven Verfall seit 2010 durch Deindexierung, KI-Video-Klonen und den Verlust der digitalen Entdeckungsreise.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Internet verliert seinen Reiz: Veteranen sind gelangweilt
Internet verliert seinen Reiz: Veteranen sind gelangweilt

Wann wurde das Surfen im Netz nicht mehr lustig? Diese Klage zieht sich durch die Foren der Veteranen: Das Internet, das endlose Entdeckung versprach, ist auf fünf Seiten reduziert worden, mit einer Suchmaschine, die Interessantes versteckt, und einem Algorithmus, der immer dasselbe ausspuckt. Man nennt es die sanitisierte Ödnis der Langeweile. Und es ist keine Nostalgie der Alten: Es gibt Daten, Mechanismen und Schuldige mit Namen.

Von Telefonverzeichnissen zu SEO: Die Evolution der Suchmaschinen

Die häufigste Diagnose zeigt auf ein konkretes Datum: Um 2010 begannen Suchmaschinen systematisch Inhalte zu deindexieren. Persönliche Blogs, alte Forum-Threads, Seiten, die nicht genug Traffic generierten, um Daten zu verkaufen: All das wurde in eine Art Sub-Deep Web innerhalb des offenen Netzes begraben. Das Ergebnis ist, dass die ersten fünfzig Seiten jeder Suche von SEO dominiert werden und nützliche Links untergehen.

Zuvor, so argumentiert diese Strömung, priorisierte Google echte Relevanz: Seiten, die populär waren wegen Links und nützlicher Inhalte, egal ob es große Medien oder private Blogs waren. Wenn man einen Roman von Pynchon las und nach einem dunklen Wissenschaftler suchte, der nur am Rande erwähnt wurde, führte die Suche zu einem spezialisierten Forum, von dort zu einer seltsamen Seite, die jemand erstellt hatte, und man zog stundenlang an dem Faden. Das passiert heute nicht mehr.

Einige relativieren: Die Inhalte sind noch da, wenig wurde gelöscht. Was sich geändert hat, ist der Filter. Und dieser Filter folgt einem klaren wirtschaftlichen Anreiz: Was keine lukrativen Daten zum Verkauf liefert, wird nicht angezeigt.

KI-generiertes Video und die Herrschaft des Clickbait

Der zweite Fokus des Unbehagens liegt im audiovisuellen Bereich. Seit dem Durchbruch der künstlichen Intelligenz ist die durchschnittliche Qualität der Videoplattformen drastisch gesunken: haufenweise Klon-Kanäle, zu hundert Prozent maschinell erstellt, Titel, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben oder einen minimalen Aspekt übertreiben. Der Clickbait ist zur Norm geworden, nicht zur Ausnahme.

Das Paradoxe ist, dass sich auch die KI widersetzt. Manche berichten davon, stundenlang mit einem Bildgenerator zu kämpfen, damit er ein fallendes Diagramm oder eine traurige Person zeigt: Das System liefert immer Glückseligkeit und Pfeile nach oben. Du musst einfach glücklich sein, verdammt nochmal, fasst einer zusammen. Das Werkzeug, das die Kreativität befreien sollte, diktiert seinen eigenen Bias.

Das Zeitfenster, warnen die Pessimisten, wird nicht lange offen bleiben: Wenn das Internet fünfzehn Jahre brauchte, um sich zu verschlechtern, ist der Prozess mit KI auf halbem Weg dorthin.

Massifizierung: Als das Netz aufhörte, ein Ort für wenige zu sein

Die Chronologie, die die Veteranen verwenden, ist präzise. In Spanien begannen die Pioniere um 1996, einige Universitäten etwas früher. 1999 kam der Boom mit Internet-Cafés überall. Um 2002 flachte es mit Flatrates ab. Und zwischen 2010 und 2011 kam die totale Massifizierung: Ältere Menschen auf Facebook, WhatsApp als Standard, alle mit Smartphones.

Das ist für viele der Kern des Problems: Wenn etwas demokratisiert wird, wird es vulgär. Solange der Zugang Minderheiten vorbehalten war, lagen die Content-Ersteller über dem Durchschnitt und das Niveau war hoch. Mit der Öffnung für alle ist das Ergebnis ein Schaufenster des menschlichen Zirkus. Der Tod des Netzes, urteilt ein Kommentar, wurde dadurch besiegelt, dass man es portabel und für die gesamte Bevölkerung zugänglich machte.

Andere führen es auf den einfachen Lauf der Zeit zurück. Die hedonistische Adaptation: Was vorher Freude bereitete, tut es nicht mehr. Und die, die in den Neunzigern geboren wurden und jetzt um die dreißig sind, vermissen ein Netz, das vielleicht nie so gut war, wie sie es in Erinnerung haben.

Der Verlust der digitalen Drift

Was am meisten vermisst wird, ist kein konkreter Dienst, sondern eine Art zu navigieren. Die Nächte der Drift: Man begann mit einer Suche nach etwas Interessantem, sprang von Link zu Link, landete in seltsamen Forum-Diskussionen und endete auf esoterischen Seiten über bizarre Themen. Das, sagen sie, ist heute unmöglich.

Die Suchmaschine führt nicht mehr zu Forum-Diskussionen, und viele dieser Foren sind gar nicht mehr indexiert. Die Leute, die hochwertigen Inhalt lieferten, sind zu Videos gewechselt, wo man sie zumindest weniger versteckt, oder zu anderen Plattformen. Ein Forum schlechter Qualität zieht Beiträge schlechter Qualität an: Der Kreis schließt sich.

Übrig bleibt Prono, die schneller läuft und Tonnen von Material bietet, und sonst kaum etwas. Das Problem, weist ein kluger Kommentar hin, sind die kollektiven Schandtaten, die man wie ein Junkie sucht, um sich nicht zu langweilen: der erste Chat, der erste Tinder-Account, der erste IRC. Das existiert nicht mehr, weil man es nur einmal erlebt.

Sanfte Kontrolle und die Ersetzung des Willens

Im Grunde des Unbehagens liegt ein größerer Verdacht. Das Netz ist zu einem Gehege aus sozialen Netzwerken geworden und zu einem getarnten Ministerium für Wahrheit. Gegenmacht-Bewegungen, die als gefährlich für das System eingestuft wurden, wurden erzeugt, und die Antwort war Kastration, Leeren und Automatisieren.

Das echte Skynet wird nicht plötzlich aktiviert: Es wird als Bequemlichkeit installiert. Entscheide nicht, ich helfe dir. Erinnere dich nicht, ich habe eine Kopie. Kämpfe nicht, du bist sicher. Die Ersetzung des menschlichen Willens durch perfekte Systeme sanfter Kontrolle. Das Ende der Geschichte kommt nicht mit einem Knall, sondern wenn niemand mehr weiß, wie man kämpft.

Wenn etwas kostenlos ist, bist du das Produkt. Und wir werden immer mehr Daten für ausgefeiltere Strukturen sozialer Ingenieurskunst. Das Netz, das versprach, Wissen und kritisches Denken zu demokratisieren, endete als das beste Instrument kollektiver Disziplinierung, das je gebaut wurde. Mit personalisierter Werbung, wohlgemerkt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (140 Antworten).

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