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In 80 Tagen um die Welt: der Rechenfehler, den Verne verbarg
Auf seiner Reise nach Osten überquerte Fogg die Datumsgrenze, sein Kalender lief einen Tag voraus: Er verpasste das Schiff in New York nie wirklich.
In 80 Tagen um die Welt verbirgt einen Rechenfehler, den Verne vertuschte
Phileas Fogg kommt in New York an, überzeugt, verloren zu haben. Der Detektiv Fix hat ihm gerade mitgeteilt, dass sie wegen der Schneestürme, eingestürzten Brücken und des Angriffs der Sioux zwanzig Stunden im Rückstand sind und das Dampfschiff China vor fünfundvierzig Minuten abgelegt hat. Fogg besticht daraufhin den Kapitän eines Frachters und gibt die Wette verloren. So weit die Romanhandlung. Das Problem ist: Nach der in der Diskussion vertretenen Analyse existierte dieser Rückstand nie. Auf der Ostroute hatte Fogg die internationale Datumsgrenze überquert, und sein Kalender lief bereits einen Tag vor dem der Stadt.
Die Uhr, die vorging, ohne dass jemand hinsah
Die These ist einfach und vernichtend. Als Fogg glaubt, in der Nacht des 11. Dezember die New Yorker Kaianlagen zu betreten, ist es im tatsächlichen Kalender der Stadt noch die Nacht des 10. Dezember. Seine zwanzig Stunden Rückstand werden von den vierundzwanzig Stunden absorbiert, die er bei der Überquerung des Pazifiks gewonnen hat. Er hat das Schiff nicht verpasst: Er kam dreiundzwanzig Stunden vor der tatsächlichen Abfahrt der China an. Der narrative Trick, so die Argumentation, liegt unter dem amerikanischen Schnee verborgen, damit der Schluss vor dem Reform Club funktioniert.
Manche lesen es als einfache Nachlässigkeit Vernes, andere als bewusste dichterische Freiheit: Der Autor brauchte seinen Helden am Tiefpunkt, bevor die letzte Wendung kommt. Der Roman ruht auf dieser Spannung, und sie zu zerlegen grenzt an Ketzerei. Aber auch an eine nützliche Übung: Wenn die berühmteste Geschichte über Zeitzonen nicht aufgeht, wie viele Wirtschaftsgeschichten bestehen denselben Test?
Von der Datumsgrenze zur Société de la Brume
Das Gespräch bleibt nicht bei der Geografie. Eine spätere Wendung richtet den Fokus auf die angeblichen technologischen Prophezeiungen des französischen Autors, die eine Strömung heterodoxer Forscher seiner Mitgliedschaft in der Société de la Brume zuschreibt, einer initiatischen Organisation mit rosenkreuzerischen und freimaurerischen Zügen, die fortgeschrittenes hermetisches Wissen hüten soll. Die Hypothese ist im verfügbaren Material nicht belegt und sollte als das behandelt werden, was sie ist: eine kursierende Theorie, kein dokumentierter Fakt.
Unterwegs driftet das Thema in die Popkultur. Die Zeichentrickserie mit ihren vermenschlichten Tieren erscheint als das eigentliche Einfallstor mehrerer Generationen zur Geschichte: Transfer, der Schurke, der dem Helden stets mit einem Hinterhalt auflauerte, und eine Filmmusik von Mocedades. Die meisten haben den Roman nie gelesen. Sie haben die Zeichentrickserie gesehen.
Wie viele Tage sind achtzig Tage?
Auch die einfachste Rechnung bekommt ihren Platz: Achtzig Tage sind achtzig, nicht einen mehr, um die Welt zu umrunden. Die Selbstverständlichkeit wirkt als Kontrapunkt zu so viel exegetischer Zeitanalyse. Und es erscheint die zeitgenössische Version der Reise: ein Willy Fogg im Zug, die Schuhe von den Füßen, der Vesperwagen im Schlepptau und das übliche Repertoire an Straßenhändlern. Viktorianische Epik als Pendlerfahrt.
Die verstörende Zahl steckt nicht im Roman, sondern in der Arithmetik: zwanzig Stunden Rückstand minus vierundzwanzig Stunden Zeitzonen ergeben ein Plus von vier Stunden. Fogg musste niemanden bestechen. Es hätte genügt, zweimal auf den Kalender zu schauen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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