„Immer links wählen ist moralische Pflicht“: Was von dieser Behauptung übrig bleibt

Ein viraler Tweet behauptet, die meisten Migranten würden Sánchez wählen, und fordert ihre Abschiebung, falls die Rechte regiert. Spanische Wahlumfragen erfassen das Wahlverhalten nicht nach Herkunft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Es gibt keine öffentlichen Daten, die belegen, dass die meisten Migranten die PSOE, die spanische Sozialistenpartei, wählen – auch weil Umfragen das Wahlverhalten nicht nach Geburtsland aufschlüsseln. Der Vorschlag, eine Gruppe wegen ihres angeblichen Stimmverhaltens abzuschieben, hat in Spanien keine rechtliche Grundlage.

Eine auf X veröffentlichte Nachricht behauptet, „die meisten Migranten würden Sánchez wählen“, und wenn die Rechte an die Macht komme, solle man sie abschieben, weil sie in ihren Herkunftsländern links wählen. Der Text fügt hinzu, dass die PSOE ohne dieses „Wählerreservoir“ ohne elektorale Basis dastehe. Die Behauptung vermischt eine Wahlvorhersage mit einem Abschiebungsvorschlag und stützt sich auf eine Prämisse, die durch keine öffentlichen Daten gedeckt ist.

## Was über das Wahlverhalten von Migranten bekannt ist

Spanische Wahlumfragen veröffentlichen keine Schätzungen, die nach Geburtsland oder Herkunftsstaatsangehörigkeit aufgeschlüsselt sind. Die Barometer des CIS, des offiziellen spanischen Meinungsforschungsinstituts, erfassen zwar die Variable Geburtsort, bieten aber keine Auswertungen, die belegen könnten, dass eine Gruppe mehrheitlich eine bestimmte Partei wählt. Ein öffentliches Register, das das Stimmverhalten mit dem Migrationsstatus verknüpft, existiert ebenfalls nicht.

Die Prämisse des Tweets ist somit eine Generalisierung ohne überprüfbare Quelle. Millionen Menschen allein wegen ihrer Herkunft ein einheitliches Wahlverhalten zuzuschreiben, ist etwas, wovor die Wahlforschung selbst warnt: Das Wahlverhalten hängt von Einkommen, Alter, Wohnumfeld und vielen anderen Faktoren ab, die sich nicht auf die Staatsangehörigkeit reduzieren lassen.

## Abschiebung wegen des Wahlverhaltens hat keine rechtliche Grundlage

Der Vorschlag, eine Gruppe wegen ihres angeblichen Stimmverhaltens auszuweisen, kollidiert mit dem spanischen und europäischen Rechtsrahmen. Die Spanische Verfassung erkennt das Wahlrecht als Recht spanischer Bürger an, und das spanische Ausländerrecht regelt Ausweisungen nur aus bestimmten Gründen, zu denen das Wahlverhalten nicht gehört. Die Europäische Menschenrechtskonvention und die EU-Grundrechtecharta verbieten kollektive Ausweisungen.

Keine europäische Demokratie sieht Abschiebungen als Instrument der Wahlmanipulation vor. Die Idee beruht zudem auf einer häufigen Verwechslung: Die meisten ausländischen Einwohner in Spanien haben kein Wahlrecht bei Parlamentswahlen und können daher kaum ein „Wählerreservoir“ in dem Sinne sein, den die Nachricht suggeriert.

## Warum solche Behauptungen wichtig sind

Der Tweet ist kein Einzelfall, sondern ein Beispiel dafür, wie Erzählungen konstruiert werden, die ganzen Gruppen einheitliche Wahlblöcke zuschreiben. Diese Art der Vereinfachung befeuert Vorschläge, die als gesunder Menschenverstand präsentiert werden, weder mit den Daten noch mit dem Recht vereinbar sind. Wenn eine solche Behauptung ohne Zahlen und Quellen kursiert, gilt: Die Beweislast liegt bei dem, der sie aufstellt.

Entscheidungen darüber, wer wählen darf und wer aus einem Land ausgewiesen werden kann, fallen im Rahmen des geltenden Rechts, nicht aufgrund unbelegter Wahlvorhersagen. Jede ernsthafte Migrationsdebatte sollte auf überprüfbaren Daten und den anwendbaren Vorschriften basieren.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (6 Antworten).

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