Iberoamerika: Vierte Wirtschaftsmacht oder Wunschtraum?

Iberoamerika erreicht ein BIP von 10,5 Billionen und 888 Millionen Einwohner. Auf dem Papier ist es die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Iberoamerika: Vierte Wirtschaftsmacht oder Wunschtraum?
Iberoamerika summiert 10,5 Billionen: Vierte Wirtschaftsmacht auf dem Papier

Auf dem Papier ist der iberoamerikanische Block bereits die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Zahlen sind eindeutig: Die USA akkumulieren ein BIP von 29 Billionen Dollar, China 18,74, die EU 16,6 und Iberoamerika 10,5. Die Gemeinschaft iberoamerikanischer Staaten umfasst 22 Länder, mehr als 888 Millionen Menschen – über 10 % der 8 Milliarden Bewohner der Erde – und einen potenziellen Markt von 700 Millionen Verbrauchern. Die These ist einfach: Wenn das kein Block ist, dann hat ihn niemand gewollt. Der Teufel steckt, wie immer, im Detail.

Von römischen Hispanien zum gemeinsamen Markt für 700 Millionen

Der Ansatz beginnt weit zurück in römischen Hispanien mit dem Argument, dass die hispanischen Provinzen bereits Legionen, Infrastruktur, Recht und Urbanistik zum Imperium beitrugen. Straßen, Aquädukte und Brücken, die noch heute Städte wie Zaragoza, Mérida oder Tarragona tragen, wären der Beweis für eine Organisationsfähigkeit, die Jahrhunderte später etwas Ähnliches wie eine iberoamerikanische Wirtschafts- und Militär-Gemeinschaft rechtfertigen würde. Der Vorschlag umfasst eine gemeinsame Währung – den Peso, den Escudo oder was auch immer – und die Möglichkeit, dass Spanien den Euro behält, ohne auf eine zweite wirtschaftliche Zugehörigkeit zu verzichten.

Der Enthusiasmus hat seine arithmetische Logik. Zusammen übertreffen die iberoamerikanischen Länder die EU beim BIP und liegen nur hinter den USA und China. Die Frage ist, warum diese Summe nie als politisches Subjekt funktioniert hat. Und hier beginnt der Zirkus.

Warum funktioniert Iberoamerika nicht als Wirtschaftsblock?

Weil er zwei Jahrhunderte lang nicht ernsthaft versucht wurde. Das ist das Argument der Skeptiker: Die iberoamerikanischen Länder haben seit 200 Jahren Unabhängigkeit nicht geschafft, sich untereinander zu einigen, trotz gemeinsamer Sprache – außer Brasilien – und Religion. Nationalismus und zwei Jahrhunderte lang eingeimpfter gegenseitiger Hass wären die wahre Mauer, nicht der fehlende Markt. Der Vergleich mit Spanien schmerzt: Das Land hat 1.500 Jahre als römisches Hispanien oder mindestens 500 seit der Reconquista, und dennoch fühlen sich Gebiete nicht als spanisch. Von Mexiko und Chile per Dekret Einigkeit zu verlangen, klingt optimistisch.

Manche gehen weiter und behaupten, die Fragmentierung sei absichtlich herbeigeführt worden. Britischer und französischer Einfluss, kanalisiert durch Freimaurer-Netzwerke, hätte die Vizekönigreiche – Mexiko, Neugranada, Peru, La Plata – bewusst geteilt, um ein kontinentales Gegengewicht zu verhindern. Aus dieser Sicht war die Unabhängigkeit keine Befreiung, sondern präventive Balkanisierung.

Der Impuls, der existierte und verblasste

Es gab eine Zeit, in der Integration keine Theorie war. Während der Regierungszeit von Aznar war die spanische wirtschaftliche Expansion in Lateinamerika real: Iberia kaufte Fluggesellschaften, BBVA und Santander übernahmen Banken, Telefónica baute Telefonie und Internet aus, Repsol stieg in Öl und Tankstellen ein. Dieser Wind brachte Spanien Humankapital und Geschäft. Danach widmete sich das Land während der Immobilienblase dem gegenseitigen Verkauf von Wohnungen, und der Impuls brach zusammen. Das Fenster schloss sich, ohne dass jemand es wieder öffnete.

Der heutige Vorschlag recycelt diesen Traum mit neuem Anstrich: gemeinsamer Markt, geteilte Währung, militärische Allianz. Und ein offenes Ziel: Handel innerhalb des Clubs betreiben, um die USA in den Ruin zu treiben, denen vorgeworfen wird, Lateinamerika als Kontinent-Ranch zu nutzen und in Armut zu halten. Die Grundthese ist, dass die Region alles hat, um zur Ersten Welt zu gehören, aber jemand lässt sie nicht.

Ablehnung aus dem Inneren Spaniens

Nicht alle Spanier kaufen das Projekt. Eine Strömung lehnt es rundweg ab: Spanien ist Europa, und was jenseits des Atlantiks liegt, interessiert nicht. Manche behaupten, ein Spanier habe mehr gemeinsam mit einem Deutschen, Schweizer oder Dänen als mit einem Lateinamerikaner, und dass Hispanismus ein Verrat an der eigenen Identität sei. Andere weisen auf das Fehlen von Staatsmännern hin: Mit korrupten Politikern und Verrätern an der Spitze wird Spanien niemals führen, auch wenn die Verbindung zu den ehemaligen Kolonien weiterhin besteht und der multipolare Block darauf wartet, zu entstehen.

Die härteste Diagnose unterscheidet nicht zwischen Lagern: Hispanoamerika wäre die erste Wirtschaftsmacht, wenn es halbwegs gut regiert würde, und Spanien ein Sumpf, der auch nicht in der Lage ist zu führen. Der Wunschtraum ist in dieser Lesart doppelt.



Mit diesen Zutaten wird die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt weiterhin in Tabellenkalkulationen und Gipfelreden existieren. Wenn sie eines Tages mehr wird, liegt es nicht an fehlenden Zahlen. Es liegt daran, dass jemand das Problem löst, das keine BIP-Summe behebt: 22 Länder, die sich nicht einmal auf eine gemeinsame Währung einigen können.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (157 Antworten).

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