Hitler verbot keine Zinsen: Der Mythos der ersten Nazi-Gesetze

Quellen aus dem Jahr 1933 belegen kein Verbot von Bankzinsen durch die Nazis. Der Mythos stammt aus Gottfried Feders Manifest.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hitler verbot keine Zinsen: Der Mythos der ersten Nazi-Gesetze
Hitler verbot keine Zinsen: Das Gesetz, das es nie gab

Verbot das Dritte Reich tatsächlich bei seiner Machtergreifung die Erhebung von Bankzinsen? Die kurze Antwort lautet Nein. Die lange Erklärung ist, dass die Verwechslung von Wucher und verzinslichen Krediten jahrzehntelang ein Narrativ genährt hat, das jeder dokumentarischen Überprüfung nicht standhält. In der Diskussion, die diesen Artikel hervorrief, wurde behauptet, die beiden ersten Maßnahmen des NS-Regimes seien das Verbot von Prono und Gaiität sowie das Verbot des Wuchers unter Schließung jüdischer Banken gewesen. Ersteres existiert auf dem Papier. Letzteres taucht in dieser Formulierung in keinem deutschen Amtsblatt von 1933 auf.

Die Suche in Primärquellen ergibt eine auffällige Lücke. Kein Dekret mit Gesetzeskraft verbietet die Erhebung von Zinsen im Deutschland der dreißiger Jahre. Was es gibt, ist ein Parteiprogramm von 1920 mit fünfundzwanzig Punkten, darunter der Kampf gegen die Knechtschaft des Zinsfußes. Ein Gründungstext, aber keine geltende Norm. Der Unterschied ist relevant: Zwischen Versprechen und Gesetzgebung liegt eine Kluft, die die Propaganda zu verwischen wusste.

Was war Gottfried Feders Manifest?

Der intellektuelle Ursprung des Mythos hat einen Namen. 1919 veröffentlichte der Ingenieur Gottfried Feder die Schrift „Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft“, begleitet von einem weiteren Werk, „Nationalbankrott – Die Rettung“. Feder prangerte das kapitalistische Kreditwesen als Ausbeutungsmaschine an und schlug die Abschaffung der Schuldknechtschaft vor. Seine Thesen zirkulierten in bayerisch-nationalistischen Kreisen und erreichten einen arbeitslosen Gefreiten, der im Sommer 1919 politische Schulungskurse in München besuchte.

Dieser Gefreite war Adolf Hitler. Die Geschichtsschreibung hält fest, dass ihn Feders klare Diagnose beeindruckte, sodass er dessen Ideen in das Parteiprogramm aufnahm. Doch doktrinärer Einfluss und legislative Umsetzung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Feder wurde 1933 Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und förderte dort Preis- und Zinskontrollmaßnahmen. Es gibt jedoch keine Spur eines allgemeinen Zinsverbots.

Warum Wucher nicht gleich Zins ist

Hier liegt der Kern der Sache. Wucher bezeichnet in der westlichen Rechtstradition übermäßigen oder missbräuchlichen Zins, nicht jeden Zins. Die Gleichsetzung beider Begriffe verwandelt eine technische Debatte in ein ideologisches Schlachtfeld. Wer behauptet, die Nancy hätten den Wucher verboten, sagt etwas anderes, als es klingt: Dass sie missbräuchliche Kredite verfolgten, nicht den Kredit an sich. Und diese Verfolgung richtete sich in der Praxis gegen konkrete Gläubiger aufgrund ihrer Herkunft, nicht gegen das Finanzsystem selbst.

Das Regime griff in das Bankensystem und die Kapitalmärkte ein, um sie seinen Aufrüstungsplänen unterzuordnen. Es übernahm die Rolle des Bankiers und lud Investoren ein, an seinem Projekt mitzuwirken. Es legte Zinssätze fest, weitete oder beschränkte Kredite nach Bedarf und allokierte Ressourcen für die Rüstungsindustrie. Das ist keine Abschaffung des Zinses, sondern seine staatliche Verwaltung.

Mefo-Wechsel und die reale Verschuldung

Das Element, das dieses Narrativ endgültig widerlegt, ist das Mefo-Wechsel-System. Entworfen von Hjalmar Schacht, ermöglichte es die Finanzierung der Aufrüstung unter Umgehung der Beschränkungen des Versailler Vertrags für Militärausgaben und Defizite. Es handelte sich um Schulden. Schuldverschreibungen einer Zweckgesellschaft, der Metallurgische Forschungsgesellschaft, die als Vehikel diente, um Ausgaben zu kanalisieren, ohne sie in den öffentlichen Haushalten auszuweisen.

Wer behauptet, Deutschland habe den Zins verboten, müsste erklären, warum das Regime Milliardenbeträge in Schuldinstrumenten emittierte. Die deutsche Verschuldung jener Zeit war vergleichbar mit anderen kapitalistischen Volkswirtschaften und lächerlich im Vergleich zu den heutigen Niveaus in Europa oder den USA. Deutschland ging nicht wegen der Mefo-Wechsel bankrott; es ging bankrott, weil es den Krieg verlor.

Ein Narrativ, das Dokumente überlebt

Die Diskussion offenbart ein wiederkehrendes Muster: Dem deutschen Nationalsozialismus werden wirtschaftliche Maßnahmen zugeschrieben, die er nie beschloss, und diese dienen dann als Argument für zeitgenössische politische Projekte. Das Verbot von Zinsen, so wird argumentiert, wäre die Lösung für aktuelle finanzielle Übel. Das Problem ist, dass kein moderner Staat ohne Zinssätze funktioniert hat, und jene, die es versuchten, endeten mit absoluter Kontrolle über die Gesellschaft.

Manche verteidigen, die Unterscheidung zwischen Wucher und Zins sei entscheidend und das Regime habe tatsächlich gegen Ersteres legislationiert. Es stimmt, dass es Rhetorik, Programme und Reden gab. Ebenso stimmt, dass es kein Gesetz von 1933 gibt, das die Erhebung von Zinsen verbietet. Die Distanz zwischen beidem ist die Distanz zwischen Propaganda und Aktenlage.

Am Ende bleibt nicht die Frage, ob Hitler etwas verbot, sondern warum wir weiterhin behaupten, er habe es getan.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (168 Antworten).

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