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Guardia Civil bei Alvise Pérez wegen Juli-Haftbefehl
Fünf Beamte der Guardia Civil erschienen nachts am Haus des EU-Abgeordneten Alvise Pérez in Spanien. Offiziell ging es um Identifizierung, nicht Verhaftung.
Fünf Beamte der Guardia Civil und mehrere Polizeifahrzeuge erschienen in den frühen Morgenstunden im Landhaus, wo sich der EU-Abgeordnete Alvise Pérez aufhielt. Laut seiner eigenen Darstellung wollte man ihn wegen angeblicher Verleumdung festnehmen. Der Befehl stammte von einem Gericht in León und datierte vor seinem Status als privilegierte Person (Aforado). Die Guardia Civil behauptet, sie sei nur zur Identifizierung gekommen, nachdem sein Name im Melderegister der Unterkunft aufgefallen war. Der Vorfall hat die Debatte über die Reichweite des Immunitätsrechts und den Einsatz von Sicherheitskräften bei Verfahren gegen Amtsträger neu entfacht.
Was genau im Landhaus geschah
Die Ereignisse trugen sich nachts in einem ländlichen Anwesen in Madrid zu. Nach Angaben zitiierter Polizeiquellen erhielt die Guardia Civil Kenntnis eines gerichtlichen Hinweises gegen Alvise, als die Daten des obligatorischen Gästeregisters mit dem Computersystem abgeglichen wurden. Der Abgeordnete meldete in sozialen Medien, dass fünf Beamte und mehrere Fahrzeuge „in den frühen Morgenstunden“ erschienen seien, um ihn aufgrund eines am 4. Juli erlassenen Befehls festzunehmen, obwohl er zweimal pro Woche per Flugzeug reist. Die Guardia Civil hält daran fest, dass die Streife zur Identifizierung, nicht zur Festnahme kam, und sich zurückzog, ohne eine Verhaftung durchzuführen, nachdem ihr Immunitätsstatus überprüft worden war.
Kann man einen Aforado verhaften?
Ja, aber mit Nuancen, die oft vom medialen Lärm übertönt werden. Der Status des Aforado macht niemanden immun: Er bedeutet, dass das Verfahren an den Obersten Gerichtshof oder ein entsprechendes höheres Gericht verwiesen wird und eine Festnahme nur in sehr eng definierten Fällen zulässig ist, wie etwa bei Frischdelikten. Mehrere juristische Analysen weisen darauf hin, dass eine angebliche Verleumdung nicht unter diese Kategorie fällt, sodass der Haftbefehl zumindest fragwürdig gewesen wäre. Die Verteidigung des Abgeordneten argumentiert, dass ein aktiver Befehl vorlag und die Streife in einer Audioaufnahme zugab, ihn festnehmen zu wollen. Die offizielle Version besteht auf der bloßen Identifizierung. Zwischen beiden Darstellungen klafft eine Lücke, die kein Kommuniqué geschlossen hat.
Das Audio des Corporals und die offizielle Version
Das Element, das die Erzählung zugunsten der These des Abgeordneten kippt, ist eine Audioaufnahme, in der laut denen, die sie verbreitet haben, ein Corporal der Guardia Civil zugibt, dass die Streife zur Festnahme und nicht zur Identifizierung kam. Dieses Fragment, das in sozialen Netzwerken wiedergegeben wurde, ist das Stück, das die Verteidigung für entscheidend hält. Die Guardia Civil hat diese Interpretation nicht bestätigt und hält am Protokoll der Identifizierung fest. Die Diskrepanz zwischen dem Aufgenommenen und dem Kommunizierten ist genau das, was verhindert hat, die Angelegenheit abzuschließen: Wenn der Befehl eine Festnahme vorsah, muss erklärt werden, wer ihn gab und warum er mitten im Vorgang deaktiviert wurde.
Der Präzedenzfall, den niemand vergleichen will
Der Kontrast, der die Gespräche prägt, sind die Fälle von Aforados, die nicht festgenommen wurden. Erwähnt wird der Fall eines flüchtigen ehemaligen katalanischen Präsidenten, der frei durch Barcelona lief, ohne dass eine Verhaftungsoperation aktiviert wurde, sowie die Erinnerung daran, dass anderen politischen Führern trotz ihrer erklärten Feindseligkeit gegenüber den Behörden permanente Eskorten zugewiesen wurden. Der Vergleich beweist allein nichts, erklärt aber, warum das Vorgehen als unverhältnismäßig wahrgenommen wird: Fünf Beamte und mehrere Fahrzeuge für eine angebliche Verleumdung, im Gegensatz zur Passivität bei viel schwerwiegenderen Verfahren. Die offene Frage bleibt, wer den Befehl unterschrieb, warum er noch aktiv war und warum versucht wurde, ihn nachts zu vollziehen.
Der politische Hintergrund: Von der Koldo-Affäre zur Verleumdung
Der Abgeordnete schreibt sich selbst zu, zuerst die Affäre aufgedeckt zu haben, die das Umfeld der PSOE betraf, und Berichte über den Ex-Minister Ábalos geleakt zu haben. Diese Historie gibt dem Vorfall seinen politischen Sinn: Wer Korruptionsfälle aufzeigt, steht plötzlich mit fünf Beamten vor der Tür wegen angeblicher Verleumdung. Die Grunddebatte ist nicht juristischer Natur, sondern betrifft den selektiven Einsatz der Staatsmacht. Manche behaupten, das System schütze die Seinen und verfolge jene, die stören; andere argumentieren, dass niemand über dem Gesetz stehe und auch ein Aforado vor Gericht rechenschaftspflichtig sei. Beides kann gleichzeitig wahr sein, und das ist das Problem.
Die Angelegenheit endet dort, wo sie begann: mit einem Juli-Befehl, einem umstrittenen Audio und keiner offiziellen Erklärung, warum versucht wurde, ihn nachts zu vollziehen. Niemand hat bisher geklärt, wer ihn reaktiviert hat und mit welchem Ziel.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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