Der Tag, an dem Strom null wert war und Ihre Rechnung trotzdem nicht sank
Es gibt Tage, an denen die Megawattstunde Strom am spanischen Großhandelsmarkt zu einem negativen Preis gehandelt wird. Das geschah kürzlich an einem Sonntag, wie Branchendaten zeigen: Die Erneuerbaren-Erzeugung überschwemmt die Nachfrage, und der Preis fällt unter null. In den sozialen Medien heißt es, der Strom aus Erneuerbaren sei "buchstäblich gratis". Die Realität ist etwas unangenehmer: gratis für den, der ihn am Spotmarkt kauft, nicht für den Hausverbraucher, der seine Rechnung mit demselben fassungslosen Gesicht wie vor einem Jahr bezahlt.
Die Debatte beginnt genau dort, bei einem scheinbaren Widerspruch, der Wut auslöst: Wenn die Stromerzeugung aus Sonne und Wind immer günstiger wird, warum sinkt dann die Rechnung nicht? Die kurze Antwort: Der marginalistische Markt vergütet den gesamten Strom zum Preis der teuersten Quelle, die zur Deckung der Nachfrage nötig ist. Die lange Antwort beinhaltet Netzentgelte, Systemumlagen, Steuern und eine Marktdesign, das niemand mit der versprochenen Dringlichkeit reformiert hat.
Was ein negativer Preis bedeutet
Ein negativer Preis am Day-Ahead-Markt ist kein Geschenk, sondern ein Ausgleichsmechanismus. Wenn die Erneuerbaren-Produktion übersteigt, was das System aufnehmen kann, zahlen Erzeuger dafür, Strom ins Netz einzuspeisen, statt ihre Anlagen abzuschalten – denn Anhalten und Wiederanfahren kostet. Dieser Kostenpunkt kommt nie als Rabatt beim Endverbraucher an, sondern verpufft in der Marktverrechnung.
Die unter Analysten kursierende Aufschlüsselung deutet darauf hin, dass ein Großteil der Bewegung auf den sogenannten Terminmarktanpassungstermin zurückgeht – ein Instrument, das zur Abfederung der gestiegenen Gaskosten eingeführt wurde. Diese Komponente schwankt: Sie senkt den Preis, wenn ein Gaspreisrückgang erwartet wird, und erhöht ihn, wenn ein Anstieg erwartet wird. Der Endpreis hängt also weniger von der Sonne ab als von der Gasprognose für ein, drei und zwölf Monate.
Der marginalistische Markt, erklärt mit Fisch und Kaviar
Das System funktioniert so: Strom wird nach Preisordnung gekauft, vom billigsten zum teuersten Angebot, bis die Nachfrage gedeckt ist. Zuerst kommen Solar und Wind, dann Kernkraft, zuletzt das Gas-GuD-Kraftwerk. Aber der Preis, den alle erhalten, wird von der zuletzt benötigten Technologie bestimmt, der teuersten. Setzt Gas 0,35 Euro pro Kilowattstunde an, wird der gesamte Strom zu diesem Preis abgerechnet – auch der, der 0,02 kostete.
Der Vergleich, der in diesen Tagen populär wurde, ist der Fischmarkt: Man kauft Tiefkühlfisch und zahlt den Preis für frischen Edelfisch. Das Bild ist grob, beschreibt den Mechanismus aber präzise. Wer das System verteidigt, argumentiert, so sei die Investition in Reservekapazitäten gesichert; Kritiker weisen darauf hin, dass es den Verbrauchern eine Rente aufbürdet, die dem tatsächlichen Produktionskosten nicht entspricht.
Warum sinkt die Rechnung nicht, wenn die Erzeugung günstiger wird?
Weil der Großhandelspreis nur ein Teil der Rechnung ist. Netzzugangsentgelte, Systemumlagen, Mehrwertsteuer und Stromsteuer werden auf Grundlagen berechnet, die nicht vom Spotmarkt abhängen. Und weil die meisten Haushalte Festpreisverträge haben, die Kunden vor Preissenkungen ebenso schützen wie vor Preiserhöhungen. Das Ergebnis: Ein Tag mit Nullpreis am Markt bewegt die Monatsrechnung um keinen Cent.
Manche halten das Problem nicht für technisch, sondern für eine Eigentumsfrage: Läge die Erzeugung in öffentlicher Hand, wäre das Ziel, das Land zu versorgen, nicht die Margenmaximierung. Dagegen steht das Argument, dass öffentliche Verwaltung allein keine niedrigen Preise garantiert – wie Beispiele aus Ländern mit staatlichen Stromkonzernen und ebenso hohen Tarifen zeigen.
Eigenverbrauch als Fluchtweg
Während die Marktdebatte feststeckt, haben einige Verbraucher den individuellen Ausweg gewählt. Private Photovoltaikanlagen mit mehreren Kilowatt ermöglichen manchen Haushalten, ihren Bedarf selbst zu decken und Überschüsse ins Netz einzuspeisen – wobei die Vergütung weit unter dem Preis liegt, zu dem sie einkaufen. Immer dasselbe Ungleichgewicht, verlagert aufs eigene Dach.
An der Amortisationsrechnung eines Moduls entzündet sich die Debatte. Eine nominale Kilowattspitze liefert unter realen Bedingungen deutlich weniger als im Labor, und die Energie, die zur Herstellung der Anlage nötig war, braucht Jahre, um sich zu amortisieren. Die vollständigen Zahlen – mit Vollbenutzungsstunden und Einspeisevergütung – ergeben eine Spanne, die je nach Rechner von Begeisterung bis zum Ruin reicht.
Woran niemand zweifelt: Die Sonne schickt keine Rechnungen
Der zugrunde liegende Paradox bleibt ungelöst. Spanien verfügt über mehr als genug Solar- und Windressourcen, um seine Importabhängigkeit drastisch zu senken – und doch spiegelt die Rechnung diesen Vorteil nicht wider. Marktdesign, Besteuerung und Eigentumsstruktur stehen zwischen der Ressource und dem Geldbeutel des Verbrauchers.
Dort bleibt die Analyse stecken. Man kann darüber streiten, ob das marginalistische Modell das beste verfügbare Instrument ist oder ein Mechanismus, der Renten an die verteilt, die sie nicht erzeugen. Unbestreitbar ist: Der negative Preis von Sonntag hat keine einzige Haushaltsrechnung erreicht. Die Sonne schien gratis. Der Strom nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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