Gonzalo Miró und die „gute Korruption“: Debatte über doppelte Maßstäbe in Spanien

Der spanische TV-Kommentator Gonzalo Miró unterscheidet zwischen „guter“ und „schlechter“ Korruption. Die Debatte zeigt den Überdruss der Bürger und das Gefühl, dass alle Parteien gleich sind.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gonzalo Miró und die Theorie der „guten Korruption“: ein Handbuch zum politischen Überleben

Der spanische TV-Kommentator Gonzalo Miró hat erneut für Kontroversen gesorgt, indem er zwischen „guter“ und „schlechter“ Korruption unterscheidet. Seine Äußerung ist keineswegs unbemerkt geblieben, sondern hat die alte Debatte über die doppelten Maßstäbe in der spanischen Politik neu entfacht. Nach seinem Argument – in einer Fernsehdiskussion skizziert – verdienen nicht alle korrupten Praktiken dieselbe Kritik: Manche verfolgen kollektive Ziele (oder schaden zumindest nicht direkt der Staatskasse), andere dienen nur der persönlichen Bereicherung.

Das Abnormale normalisieren?

Die Reaktion war sofort und überwiegend kritisch. Manche halten solche Diskurse für einen Beitrag zur Normalisierung von Korruption, weil sie die gesellschaftliche Toleranzschwelle senken. „Das Pöbel wird von kleinen Machenschaften abgelenkt, während die großen Bosse ungeschoren davonkommen“, fasste eine Analyse der Ablenkungswirkung kleiner Fälle zusammen. Andere weisen darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen „gut“ und „schlecht“ ein rhetorisches Mittel ist, um das Unvertretbare zu rechtfertigen – etwa Gesetze zu ändern, um an der Macht zu bleiben, wie es in einigen prominenten Fällen geschah.

Das kleinere Übel wählen: Fatalismus als Programm

Gegen Mirós Unterscheidung richtet sich eine Denkrichtung, die jede ethische Hierarchie unter Korrupten ablehnt. „Man muss das kleinere Übel wählen, den am wenigsten Korrupten. Da sie ohnehin alle korrupt sind“, fasst eine Haltung zusammen, die den Überdruss der Bürger widerspiegelt. Dieser Wahl-Fatalismus hat manche dazu gebracht, Alternativen außerhalb des Zweiparteiensystems zu suchen und neue Akteure zu fordern, die „ganzen Dreck“ öffentlich machen. Eine Spannung, die zeigt, wie wenig die Unzufriedenheit mit der Politik Klasse nach Parteifarben kennt: PP, PSOE oder jede andere Partei des Establishments werden als Teil desselben Problems wahrgenommen.

Die realen Kosten der Korruption

Abgesehen von der sarracena Debatte hat Korruption einen greifbaren wirtschaftlichen Preis. Studien des Banco de España (der spanischen Zentralbank) schätzen, dass korrupte Praktiken jährlich zwischen 0,5 und 1 Prozentpunkt des BIP kosten, auch wenn im Thread keine exakte Zahl genannt wird. Klar ist jedoch, dass die Wahrnehmung der Bürger über die rechtlichen Sanktionen hinausgeht: Das Gefühl der Straflosigkeit und das Fehlen politischer Verantwortung nähren ein Klima der Entfremdung, das das Vertrauen in die Institutionen untergräbt.

Mirós umstrittene Äußerung hat zumindest eine unbequeme Frage auf den Tisch gebracht: Akzeptiert die spanische Gesellschaft ein gewisses Maß an Korruption, solange die Ziele „akzeptabel“ sind? Den Reaktionen nach zu urteilen, lautet die Antwort ein deutliches Nein. Doch solange die Debatte offen ist, werden die Korrupten – auf beiden Seiten – wahrscheinlich weiter ruhig schlafen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (21 Antworten).

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