Rückkehr zum Goldstandard lässt Preis auf 10.000 Dollar schießen
Niemand weiß, zu welchem Preis sich Gold etablieren würde, wenn es das Währungssystem wieder stützen sollte, und genau diese Unsicherheit treibt den Markt an. Das letzte Mal waren Metall und Geld offiziell gekoppelt im Jahr 1971, als Nixon das System von Bretton Woods beendete: Die Unze kostete 35 Dollar, derselbe Preis wie 1933. Heute notiert sie nahe 1.650 Dollar. Dazwischen liegen vier Jahrzehnte Fiat-Geld und eine US-Staatsschuld, die rund 200 % des BIP beträgt.
Die Hypothese ist nicht mehr marginal. Die Republikaner in den USA erwägen, die Bindung zwischen Dollar und Gold wiederherzustellen, falls sie die Präsidentschaftswahl gewinnen; das Schweizer Parlament hat dies bereits debattiert; Zentralbanken häufen das Metall an. Und da das europäische Währungssystem knirscht, stellt sich die Frage von selbst: Wäre es gut für Spanien?
Wie viel wäre die Unze mit wiederhergestelltem Goldstandard wert?
Eine Studie von Capital Economics berechnet, dass der Preis nahe 10.000 Dollar/Unze läge, das Fünffache des aktuellen Preises. Niemand unterschreibt diese Zahl als Gewissheit: Sie hängt vom festgelegten Kurs ab. Würde die Federal Reserve den Durchschnitt des letzten Jahrzehnts — etwa 800 Dollar — als Referenz nehmen, könnte der Goldpreis sogar unter das aktuelle Niveau fallen. Wer nach dem Wechsel schnelle Gewinne erwartet, wird enttäuscht sein: Zwischen 1933 und 1971 bewegte sich der Preis keinen einzigen Dollar.
Hier liegt das Detail, das fast niemand beachtet. Einmal wiederhergestellt, ist ein Goldstandard keine Investition, sondern eine Regel. Solange über seine Rückkehr spekuliert wird, steigt der Metallpreis und Anleger drängen sich angesichts erwarteter massiver Käufe durch Zentralbanken. Sobald die Regel angewandt wird, ändert sich das Spiel.
Es gibt nicht genug Gold auf der Erde, um den Euro zu decken
Dies ist das am häufigsten wiederholte und schwerste Argument auszuweichen: Die Menge des geförderten Metalls reicht nicht aus, um das Volumen des im Umlauf befindlichen Geldes zu decken. Es gäbe nicht einmal genug Gold für den Euro, geschweige denn für den Dollar, und eine erzwungene Konvertierung würde eine brutale Deflation oder eine Neubewertung erfordern, die die halbe Wirtschaft aus dem System ausschließen würde.
Dagegen steht die technische These: Der Goldstandard bedeutet nicht, dass jeder Schein durch Metall gedeckt ist. In einem System mit einer Zentralbank bedeutet es, eine weitere Einschränkung ihrem Algorithmus hinzuzufügen, ähnlich wie die Fed heute zwei Mandate hat — Preisstabilität sichern und Beschäftigung fördern. Etwas anderes ist es, Gold als Geld zu verwenden, ein früheres und sehr unterschiedliches Regime.
Der Fehler, Geld mit Reichtum zu verwechseln
Hier wird die Debatte philosophisch und voller Fallstricke. Man behauptet, Gold sei gleichbedeutend mit Reichtum; die Antwort lautet, dass realer Reichtum Arbeit ist und die Währung nur das Öl ist, das die Maschine am Laufen hält, die sie zirkuliert. Mit wenig Öl klemmen die Teile; mit zu viel dreht der Motor durch und bricht ebenfalls. Nach dieser Lesart wäre der einzige wahre Standard die Arbeit.
Befürworter entgegnen, dass dies absurd sei, weil Arbeit in einer funktionierenden Wirtschaft keinen konstanten Wert habe. Der Goldstandard sei für die Wirtschaft, was das metrische System für die Physik sei: Der Fischhändler kann den Preis für Fisch erhöhen, aber nicht ändern, was ein Kilo wiegt. Und sie fügen hinzu, dass die „Umlaufgeschwindigkeit des Geldes“, als Größe behandelt, nicht existiere: Sie sei ein Lehrbuch-Artefakt.
Was würde mit Spanien und seiner Börse passieren?
Das Szenario ist nicht kostenlos. Die härteste These besagt, dass ein Regime aus hartem Geld einen großen Teil des Unternehmensgewebes, das nur durch Kredit wachsen kann, zur Schließung oder Schrumpfung zwingen würde: weniger Papierkram, weniger als Sicherheit verpfändete Derivate, weniger Rauch. Die überlebenden Geschäfte wären die selbsttragenden, die echten Reichtum generieren und nicht vom jeweiligen Zentralbankchef abhängen.
Angewandt auf eine Wirtschaft wie die spanische wäre die Anpassung streng. Bei eingeschränktem Kredit und ohne Möglichkeit zur Abwertung würde die Korrektur der Ungleichgewichte — Deindustrialisierung, strukturelle Arbeitslosigkeit — über Preise und Löhne erfolgen. Dieselbe Rechnung, die bereits bezahlt wird, aber ohne das Netz der Geldpolitik.
Alternativen: Bitcoin, nationale Währungen und persönliche Standards
Nicht alle glauben, dass die Zukunft im Metall liegt. Eine Strömung vertritt, dass der Ersatz bereits existiert und Bitcoin heißt: ähnliche Vorteile wie beim Goldstandard, weniger Nachteile, mit dem Clou, dass Politiker schwerer darauf zugreifen können. Ein anderer Vorschlag ist die Rückkehr zu nationalen Fiat-Währungen: eine starke für die produktive Wirtschaft und eine inflatorische für den Rest.
Im 19. Jahrhundert operierte Europa mit einem recht erfolgreichen Goldstandard, der in der Praxis wie eine gemeinsame Währung funktionierte. Falls der Euro fällt, kommt die Deckung neuer Währungen mit Metall wieder auf den Tisch: Italien hat eine der größten Reserven der Welt, und eine neue Lire mit Deckung wäre für Anleger attraktiv.
Bleibt die häusliche Version. Jeder kann einen persönlichen Goldstandard anwenden: Es genügt, Ersparnisse in Gramm umzuwandeln. Das Beispiel illustriert die Inflationsfalle — wer im April 2021 1.000 Euro erhielt, bekam 20,9 Gramm Gold; ein Jahr später nur noch 17,5. Ein Einkommensrückgang von 18 %, ohne dass jemand am Gehalt gezerrt hätte.
Zu diesem Zeitpunkt ist eine Rückkehr zum Goldstandard faktisch unmöglich und wahrscheinlich nur rhetorisch gemeint, auch wenn sie angekündigt würde. Was sicher scheint, ist, dass allein die Debatte — wahlkampfgetrieben in den USA, akademisch in der Schweiz, verzweifelt in der Eurozone — das Metall weiter aufblähen wird, solange sie andauert. Wenn eines Tages ein Kurs festgelegt wird, lohnt sich die Erinnerung an das, was zwischen 1933 und 1971 passierte: vierzig Jahre eingefrorener Preis. Gold wird den Nachzügler nicht ernähren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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