Gold vs. Löhne: Spaniens Kaufkraft im Wandel

1960 kaufte der Durchschnittslohn in Spanien 11 Unzen Gold, 2008 waren es 23 – ein Dämpfer für den Ruf als sicherer Hafen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gold vs. Löhne: Spaniens Kaufkraft im Wandel
Durchschnittsgehalt kaufte 1960 elf und 2008 dreiundzwanzig Unzen Gold

Wie viele Goldunzen passen in einen durchschnittlichen spanischen Lohn? Die Antwort hängt vom gewählten Jahr ab, und hier beginnt das Problem. Im Jahr 1960 kostete die Unze bei einem Kurs von 35 Dollar und einem Wechselkurs von 60 Peseten pro Dollar genau 2.100 Peseten. Das jährliche Durchschnittseinkommen lag bei etwa 24.000 Peseten, sodass man sich elf Unzen leisten konnte. Im Jahr 2008, mit einer Unze um die 1.000 Euro und einem Durchschnittsgehalt nahe 23.000 Euro, hätte derselbe Arbeitnehmer 23 Unzen gekauft. Das Doppelte. Die unmittelbare Schlussfolgerung ist, dass Gold die Hälfte seiner Kaufkraft gemessen an Löhnen eingebüßt hat – selbst nachdem sein Preis in nur fünf Jahren verdreifacht wurde.

Die Rechnung, die Gold gegen Löhne stellt

Die Berechnung ist simpel und gerade deshalb schmerzhaft: Man nimmt den Unzenpreis, rechnet ihn in Peseten um und teilt ihn durch das Durchschnittsgehalt. 1960 ergaben sich elf Unzen pro Jahr, 2008 dreiundzwanzig. Wenn der Maßstab das Gehalt ist, ist Edelmetall kein werbewirksamer Rückzugsort, sondern ein Vermögenswert, der gegenüber der Arbeit Terrain verloren hat. Wer vor Jahrzehnten zum Schutz seines Vermögens kaufte, verarmte nicht; er verpasste lediglich den Wohlstandszuwachs, den das Durchschnittsgehalt einfuhr.

Das Durchschnittsgehalt von 1960 passt nicht zum Lehrer-Gehalt

Der erste Fehler liegt in der Ausgangszahl. Ein staatlicher Lehrer verdiente 1960 rund 1.200 Peseten monatlich, weit entfernt von den 24.000 Jahres-Peseten, die dem Durchschnittsarbeiter zugeschrieben werden. Der Mindestlohn wurde erst 1963 auf 60 Peseten täglich festgelegt. Mit diesen Zahlen schrumpfen die elf Unzen erheblich. Das damalige Spanien war ein armes Land mit Mangelerscheinungen überall, und Gold gehörte nicht zum Warenkorb eines Lohnempfängers. Um die Lebenshaltungskosten zu verdeutlichen:

  • Ein Fernseher: 14.900 Peseten
  • Ein Seat 600: 65.000 Peseten
  • Eine Reise nach New York: 26.000 Peseten

Drei Beispiele, die das gesamte Jahreseinkommen verschlangen. Für diese breite, mehrheitliche Gesellschaftsschicht war der Kauf von Edelmetall schlicht unmöglich.

1968 bricht die Erzählung: Auch hier waren es 23 Unzen

Kritiker bleiben nicht bei 1960 stehen. Sie verweisen auf 1968, als das Durchschnittsgehalt laut Pressearchiven auf 70.710 Peseten gestiegen war, der Dollarwechselkurs bei 69,71 Peseten lag und die Unze 43,50 Dollar kostete. Das Ergebnis sind 23 Unzen pro Jahr. Genau wie 2008. Mit diesem Datenpunkt wird der angebliche Einbruch der Kaufkraft zu einem engen Band, innerhalb dessen sich das in Gold gemessene Gehalt über ein halbes Jahrhundert bewegte. Die Wahl zwischen 1960, 1968 oder 2008 verändert die Schlussfolgerung komplett.

Warum wurde der Goldpreis auf 35 Dollar fixiert?

Weil der Dollar jahrzehntelang durch Metall zu einer festen Parität gedeckt war. Nicht das Gold war 35 Dollar wert, sondern der Dollar entsprach 1/35 einer Unze. Die USA hielten diesen Anker, bis die Papiergeldemission die Deckungsfähigkeit überstieg und Anfang der 70er-Jahre die Konvertibilität brachen. Seitdem schwankt der Preis frei, und Zentralbanken wurden zu Nettoverkäufern. In den letzten Jahren kaufen sie wieder. Diese Trendwende nährt den Verdacht, dass sich im Währungssystem etwas bewegt.

Warum steigt Gold, wenn kaum jemand kauft?

Das Paradoxon wiederholt sich in jeder Diskussion: Niemand im eigenen Umfeld kauft Gold – weder Freunde noch Verwandte –, obwohl jahrelang darüber geredet wird. Trotzdem steigt der Preis. Die Erklärung lautet, dass Privatanleger den Markt nicht bewegen; das tun Zentralbanken, Fonds und institutionelle Akteure. Seine Präsenz auf der Straße bleibt marginal, beschränkt auf Schmuck und einige Anlage Münzen. Man vergleiche nur die Anzahl der Schilder „Wir kaufen Gold“ mit denen „Wir verkaufen Gold“.

Ist Gold eine Blase?

Die Parallele zum Immobilienmarkt drängt sich auf. Es gab eine Zeit, in der jeder Häuser auf Kredit kaufte, mit vierzigjährigen Hypotheken, und es endete schlecht. Gold wird nicht auf Kredit gekauft oder beleihnt, daher hat der Vergleich Grenzen. Skeptiker behaupten, das Metall sei überteuert und werde korrigieren. Überzeugte kontern mit einer alten Idee: Wenn die Krise kommt, kauft eine Unze immer noch einen Anzug, und wer zwei weitere Jahre wartet, macht einen Fehler.

Eine Alfonsina-Goldmünze aus dem 19. Jahrhundert (25 Peseten) kostet heute rund 300 Euro. Das fasst es zusammen: Das Metall bietet keine spektakuläre Rendite, verschwindet aber auch nicht. Währenddessen lag das Durchschnittsgehalt in Spanien 2013 bei 22.790 Euro jährlich, und die Arbeitslosenquote machte die Berechnung, wie viele Unzen in einen Lohn passen, fast irrelevant.

Am Ende ist Gold weder Allheilmittel noch Müll. Es ist schlicht eine weitere Maßeinheit. Und wie alle Einheiten kann man sie je nach Zweck wählen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (135 Antworten).

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