Seit es einen Kryptomarkt gibt, existiert auch ein Heer von YouTubern, die bereitwillig eine Zukunft erklären, die sie selbst nicht kennen. Der Unterschied: Die Show ist inzwischen professionell geworden – Kanäle, die von Empfehlungsprovisionen, Exchange-Werbung und der Bewerbung von Coins leben, die sie selbst gekauft haben, bevor sie sie empfahlen. Die unbequeme Frage für alle, die Geld verloren haben, weil sie deren Signalen folgten, ist doppelt: Gibt es überhaupt einen Kanal, der ehrlich richtig liegt – und wenn ja, wie erkennt man ihn zwischen all dem Nebel?
Das Geschäft mit dem Krypto-Influencer: Nebel verkaufen mit Reichweitenmetriken
Anleger, die mehrere Zyklen hinter sich haben, haben einen besonderen Spürsinn für Betrug entwickelt. Die Muster wiederholen sich: Ein Video, das „den nächsten x1000-Gem“ ankündigt, erscheint immer erst, nachdem der Coin bereits explodiert ist. Einstiegssignale werden veröffentlicht, wenn der Ersteller seine Positionen schon geschlossen hat. Und die Einnahmen stammen nicht daraus, richtig zu liegen, sondern aus Affiliate-Programmen, Exchange-Werbung und im schlimmsten Fall aus den eigenen Kryptowährungen, die sie erschaffen haben, um sie an ihr Publikum zu verkaufen. Das Ergebnis ist ein Ökosystem, in dem der Anreiz auf Täuschung ausgerichtet ist, nicht auf Treffsicherheit.
Eine Liste von Kanälen, die in der Diskussion als „Betrüger“ oder „Nebelverkäufer“ bezeichnet werden, enthält einige bekannte Namen aus der spanischsprachigen Szene: Bataglia, Mudvi, Engaña latino, Engaña al día, Humo con Catalania. Die Liste ist kein Gerichtsgutachten, sondern die Meinung von Anlegern, die sich betrogen fühlen. Doch dass dieselben Namen in verschiedenen Communities immer wieder auftauchen, sollte zumindest den gesunden Menschenverstand auf Alarm stellen.
Die Ausnahmen: die wenigen, die richtig liegen (und warum sie niemand sieht)
Mitten in der Wüste tauchen Namen auf, die den Brand überstanden haben. Einer davon ist Bitman, Betreiber eines Kanals, der den Beschreibungen zufolge die letzten Markteinbrüche mit Elliott-Wellen-Analyse punktgenau vorhergesagt haben soll. Ein anderer ist David Fraile, empfohlen als „der Gute“ ohne weitere Erklärung. Auch Valdeande mágico, der mit BTC, ETH und OVR voll ins Schwarze traf, wenn auch mit IOTA und Uniswap danebenlag. Und ein Kanal namens Jim of All Trades, wenig bekannt, aber auf passives Einkommen spezialisiert. Das Besondere an diesen Fällen: Keiner trägt den Krypto-Influencer-Aufwand. Es gibt eine Anekdote, die mit Ironie kursiert: Einen Analysten im Anzug, der klassische Musik auflegt und keine knapp bekleidete Moderatorin neben sich hat, beachtet nicht einmal der Algorithmus.
Die erfahrensten Anleger fügen eine weitere Ebene hinzu: Objektive Indikatoren sind mehr wert als jeder Influencer. Der MVRV Z-Score, das Rainbow-Chart oder die Metriken von blockchaincenter sind Werkzeuge, die jeder ohne Zwischenhändler abrufen kann. „Der beste Indikator ist der, der niemanden braucht, der ihn dir in einem Video erklärt“, könnten Skeptiker zusammenfassen.
Das eigentliche Problem: Niemand weiß etwas (und die, die es wissen, schweigen)
Die ehrlichste Schlussfolgerung ist, dass in einem so spekulativen Markt wie dem der Kryptowährungen die Vorhersagefähigkeit jedes Analysten kaum besser ist als die einer Münze, die in die Luft geworfen wird. Auch Ökonomen liegen daneben, wie in der Diskussion erinnert wird – von einem YouTuber mit Kappe und Sonnenbrille also fast Science-Fiction zu verlangen. Der einzige dokumentierte Fall systematischer Treffer, der genannt wird, ist der eines Privatmanns, Jdnec, dem es ab 2013 über mehrere Jahre gelang, Kauf- und Verkaufszeitpunkte vorherzusehen. Er hatte keinen YouTube-Kanal und verkauft keinen Kurs. Vielleicht war gerade deshalb, was er sagte, nicht vom Lärm des Affiliate-Verkehrs verseucht.
Ist es Zufall, dass diejenigen, die richtig liegen, kein Interesse daran haben, ihr Publikum zu monetarisieren? Oder macht das Modell des Krypto-YouTubers selbst die Treffsicherheit zu einem irrelevanten Nebenprodukt des Geschäfts? Wenn Letzteres zutrifft, sollte jeder Anleger nicht fragen „wem folge ich?“, sondern „welchen Indikator überprüfe ich selbst?“.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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