Gekündigt wegen eines Gutachtens ohne unterschreibenden Arzt

Ein Unternehmen kann schreiben, das prozedurale Gedächtnis eines Arbeitnehmers versage, und das zur Kündigung nutzen. Das vor Gericht ohne ärztliches Gutachten zu verteidigen, ist eine andere Sache.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gekündigt wegen eines Gutachtens ohne unterschreibenden Arzt
Das Gutachten, das dein Gedächtnis diagnostiziert – ohne Arzt, der es unterschreibt

Kann ein Unternehmen schriftlich feststellen, dass einem Arbeitnehmer die motorischen Fähigkeiten fehlen, er eine „strukturelle Einschränkung“ hat und sein prozedurales Kurzzeitgedächtnis versagt, und dieses Papier dann verwenden, um ihn zu entlassen? Nach dem Estatuto de los Trabajadores (dem spanischen Arbeitnehmerstatut) lautet die Antwort unbequem: Das Unternehmen kann schreiben, was es will. Schwer ist es, das vor Gericht zu verteidigen, ohne dass ein einziges ärztliches Gutachten dahintersteht.

Was ein Kündigungsgutachten wirklich bedeutet

In schlichter Sprache sagt das Dokument im Wesentlichen, dass der Arbeitnehmer einfache manuelle Aufgaben nicht ausführt, die Schritte zum Bedienen von Maschinen oder zum Einhalten körperlicher Routinen vergisst und seine Bewegungen schlecht koordiniert. Dass seine Kollegen ihn ständig korrigieren und ihn an Anweisungen erinnern müssen. Das klingt nach einer klinischen Diagnose.

Ist es aber nicht. Kein approbierter Fachmann unterschreibt diese angeblichen Pathologien: Verfasst hat sie das Unternehmen selbst, das in diesem Gutachten Richter und Partei in einer Person ist. Ein Dokument, das Symptome beschreibt, ohne dass ein medizinischer Fachmann sie bestätigt, ist juristisch gesehen eine Meinung. Und eine Meinung allein kann niemanden entlassen.

Warum man eine plötzliche Berufsunfähigkeit nicht erfinden kann

Wenn ein Unternehmen plötzliche Berufsunfähigkeit geltend macht – dass der Arbeitnehmer die für seine Stelle erforderlichen Fähigkeiten verloren hat –, gibt ihm das Gesetz keinen freien Lauf. Die Arbeitsgerichte verlangen objektive Beweise, ärztliche Gutachten und dass der Verlust der Fähigkeiten real und nachweisbar ist. Ein Unternehmen kann keinen „Verlust des prozeduralen Gedächtnisses“ diagnostizieren, als würde es ein Kästchen ausfüllen.

Das immer wiederkehrende Argument ist einfach: Ohne einen Arzt dahinter ist das Gutachten von Geburt an hinkend. Und wenn das Dokument dem Arbeitnehmer zudem eine Behinderung zuschreibt, die nicht existiert, hat das Unternehmen nicht nur nichts bewiesen, sondern sich selbst Beweise gegen sich gebaut.

Das Detail, das alles ändert: die Probezeit

Hier liegt der Schlüssel, der die Hälfte des Drehbuchs entkräftet. Der Betroffene hat seine Probezeit, festgelegt auf zwei Monate, nicht bestanden. In dieser Zeit kann das Arbeitsverhältnis grundsätzlich ohne Angabe eines Grundes und ohne Abfindung beendet werden. Wozu dann das Gutachten?

Das ist die Lücke. Indem das Unternehmen ein angebliches Krankheitsbild schriftlich festhält, entlarvt es sich selbst. Ist der Inhalt falsch, fällt es als unrechtmäßige Kündigung auf es zurück. Und versteht das Gericht den wahren Grund als eine Behinderung – oder den Verdacht darauf –, kann die Kündigung für nichtig erklärt werden, mit Wiedereinstellung und Nachzahlungen. Was ein Formality hätte sein sollen, wird zum Problem.

Was man üblicherweise mit so einem Papier macht

Der häufigste Rat: nichts unterschreiben, eine Kopie aufbewahren und einen Reaccionarionwalt für Arbeitsrecht aufsuchen, bevor die Ausschlussfrist für die Klage abläuft. Der meistgegangene Weg ist das vorgerichtliche Schlichtungsverfahren und anschließende Klage wegen unrechtmäßiger Kündigung. Manche schauen auch auf die andere Seite: dasselbe Gutachten nutzen, um bei der INSS (der spanischen Sozialversicherung) eine Erwerbsminderung zu beantragen, obwohl hier die Beweislast dieselbe ist und die Geschichte zu echten medizinischen Befunden passen muss.

Die Anekdote liefert ein Lkw-Fahrer. Er lud in Madrid mit Ziel Zaragoza und landete aus reiner Routine in Valencia. Immer wieder fuhr er die falsche Route. Dieser Fall endete tatsächlich mit einer Kündigung, und mit Grund: Der Verlust der Fähigkeiten war nachgewiesen und brachte Dritte in Gefahr. Der Unterschied zu diesem Gutachten ist nur einer. Der Fahrer hatte Beweise. Dieses Papier hat vorerst nur Adjektive.

Wenn wirklich eine Diagnose dahinterstehen würde, wäre keine Kündigung nötig. Sondern eine Behandlung. Und niemand wird wegen etwas entlassen, das ein Arzt behandeln kann.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (70 Antworten).

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