Gaza Tag 331: 700 tote israelische Soldaten und 500 km Tunnel

Tag 331 des Gaza-Kriegs: 700 gefallene israelische Soldaten, 101 Geiseln in Gefangenschaft und ein Frontverlauf von Rafah bis Dschenin. Die Zahlen passen nicht zusammen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gaza wird nicht an einem Tag zu Asche: Tag 331

Am 331. Kriegstag spricht niemand von Sieg. Zu diesem Zeitpunkt umfasst die Bilanz der Beobachter 700 getötete israelische Soldaten, 101 noch in Gaza befindliche Geiseln – darunter Frauen, Kinder und Ältere – sowie eine Front, die sich von Rafah nach Dschenin erstreckt. Der Satz, dass Gaza zu Asche reduziert werde, funktioniert sowohl als Übertreibung wie als Euphemismus: Es hängt davon ab, welchen Stadtteil man betrachtet und welchen Tag man zählt.

Was folgt, ist keine Kriegschronik. Es ist ein Versuch, die Zahlen zu ordnen, die sich angesammelt haben, während die öffentliche Debatte von Thema zu Thema sprang.

Die menschlichen Kosten, die die UN seit 2008 dokumentiert hat

Bevor diese Phase des Konflikts ausbrach, gab es bereits ein unbequemes Protokoll. Die von den Vereinten Nationen zwischen 2008 und 2018 dokumentierten Daten zu Toten und Verletzten zeigen eine Asymmetrie, die kaum Interpretationsspielraum lässt: Im Jahr 2014 wurden 19.860 palästinensische Opfer gegenüber 2.796 israelischen gezählt; im Jahr 2018 standen 31.558 palästinensischen Opfern nur 130 israelische gegenüber. Die vollständige Aufschlüsselung zeigt eine Kluft, die keine der beiden Seiten je vollständig erklärt hat.

Manche behaupten, dieses Protokoll sei jahrelang als narrative Munition genutzt worden, und dass ein Großteil der spanischen Presse aufgehört habe, auf Gaza zu schauen, sobald ein für die Schlagzeilen bequemeres Thema auftauchte. Dieser Vorwurf ist schwer zu beweisen. Fakt ist jedoch, dass der Strom der Zahlen seitdem nicht abgerissen ist.

Stalingrad, Dresden und Numantia: die Analogien reißen nicht ab

Wenige Kriege werden gelesen, ohne nach einem historischen Vorbild zu suchen. Hier wurde Gaza mit Stalingrad, dem Dresden von 1945 und sogar mit der römischen Belagerung von Numantia verglichen: Versorgung abschneiden, warten und den Hunger die Arbeit erledigen lassen. Diese klassische Analogie hat explizite Befürworter, die sie als bloße militärische Effizienz darstellen und nicht als sarracena Urteil.

Am anderen Ende ist der Einwand eher arithmetischer als ethischer Natur. Wenn man eine Bevölkerung von zwei Millionen Menschen in die Enge treibt, ohne ihnen einen garantierten Weg zur Kapitulation zu lassen, warnen einige Analysen, dann produziert man keine Niederlage, sondern zwei Millionen lebenslang verbitterte Überlebende. Niemand scheint darauf eine Antwort zu haben.

Die Front schließt sich nicht: 700 Verluste und 101 Geiseln

Die Erzählung vom unaufhaltsamen Vormarsch hielt kürzer als erwartet. Bei 700 getöteten israelischen Soldaten kontrolliert die Operation, die als Spaziergang gedacht war, den Streifen immer noch nicht vollständig. Das offizielle Argument lautet, dass die Hamas in die Gesellschaft integriert sei und es daher unmöglich sei, Kämpfer von Zivilisten zu trennen. Das Gegenargument besagt, dass dies seit zwanzig Jahren bekannt gewesen sei und wer das nicht vorhergesehen habe, habe die Landkarte nicht gelesen.

Vor Ort wiederholen sich andere Zahlen: mindestens 500 Kilometer unterirdische Tunnel, Tunnel, die neben Krankenhäusern gefunden wurden, ein vor der Presse ausgestelltes Motorrad und sechs geborgene Leichen von Geiseln – Carmel Gat, Eden Yerushalmi, Hersh Goldberg-Polin, Alex Lobanov, Almog Sarusi und Ori Danino – neben einem Brunnen, der auf einen Kinderspielplatz führte. Jeder Fund wurde zu seiner eigenen Schlagzeile.

Die Zweifel, die viele parallel äußerten, waren anderer Natur: Wenn die Hamas nun mehr Milizionäre hat als zu Beginn der Offensive, wie einige Berichte nahelegen, was bringt dann die Bilanz der feindlichen Verluste? Hier stößt die Analyse an ihre Grenzen.

Wer zahlt den Wiederaufbau des Zerstörten?

Wenn die Wogen geglättet sind – und das sind sie nicht –, muss das Zerstörte wieder aufgebaut werden. Die am häufigsten genannte Berechnung verweist auf die internationale Gemeinschaft, mit Europa an der Spitze, dieselbe, die seit Jahren Hunderte Millionen an humanitärer Hilfe in einen Streifen sendet, der weiterhin von außen abhängig ist für Strom und Wasser. Die Frage ist nicht, wer das Geld bereitstellt. Sie lautet, wie oft man bereit ist, es nach der nächsten Flutwelle erneut bereitzustellen.

Hier liegt eine unbequeme Ironie: Dieselben, die Gaza als untragbar für das zivile Leben beschreiben, diskutieren später die Rechnung für seinen Wiederaufbau. Und die Nachbarschaft hilft nicht. Ägypten hält seine Grenze zum Streifen geschlossen, die Arabische Liga fordert erneut die Zwei-Staaten-Lösung, und der Rest der Region blickt mehr oder weniger diskret weg.



Die Fronten lassen sich nicht mehr einzeln zählen. Angriffe auf den Süden Libanons, Raketen aus Jemen, Operationen in Dschenin und Nur Shams, Bombardierungen im Jordantal kreuzen sich. Währenddessen bleibt die Zahl der 101 Personen, die seit über dreihundert Tagen dort unten festgehalten werden, diejenige, die nicht aufgeht. Dort endet jede Bilanz.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (607 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver