Gaza-Barbie: Vom Flottillen-Fang zur Schmuckwerbung

Eine spanische Aktivistin der Gaza-Flottille wechselt von Haft zu Schmuckwerbung und spaltet mit ihren Berichten über die Gefangenschaft.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gaza-Barbie: Vom Flottillen-Fang zur Schmuckwerbung
"Gaza-Barbie": Vom Flottillen-Fang zur Schmuckwerbung

Wie wird aus einer Festnahme eine Imagekampagne? Eine spanische Aktivistin, die an der von Israel abgefangenen humanitären Flottille teilnahm, ist innerhalb weniger Wochen vom Status der Inhaftierten zur Interviewgastgeberin, zum Gesicht einer palästinensischen Schmuckmarke und zum Auslöser zahlreicher Reaktionen in den sozialen Medien geworden. Das Phänomen hat in digitalen Kreisen einen eigenen Namen: "Gaza-Barbie". Und ein Star wurde geboren.

Der Auslöser war ihr Bericht über die Gefangenschaft. Nach ihrer eigenen Aussage wurden den Häftlingen Videos vom 7. Oktober gezeigt, ihnen Medikamente und Ruhe entzogen, und man sagte ihnen, "Tiere haben keine Ärzte". Das Interview, ausgestrahlt von einem öffentlich-rechtlichen Sender, wurde zum meistdiskutierten Thema des Tages.

Wer sie ist und was sie im Interview erzählte

Sie ist 47 Jahre alt, Sozialarbeiterin, Mutter von sechs Kindern und beschreibt ihr Leben als der Sache gewidmet: Laut ihrem Bericht kündigte sie am 23. Oktober ihre Stelle in einem psychosozialen Team, um sich dem "Erzählen der Weltgeschehnisse" zu widmen. Sie lebt von der Miete einer Villa, die sie vermietet, und vom Gehalt ihres Mannes, den sie als kommunalen Polizisten beschreibt. Im Interview gibt sie an, Arabisch in einem Monat gelernt zu haben, zwei Jahre mit ihrem heutigen Partner verlobt gewesen zu sein und die Säulen des Sarracin zu befolgen, schränkt aber ein, dass sie aufgrund ihrer Kleidung nicht als Muslima gelte.

Der meistzitierte Abschnitt betrifft die Aníbal-Richtlinie. Die Befragte behauptet, israelische Helikopter hätten am 7. Oktober auf die eigene Bevölkerung geschossen, unter Berufung auf die Zeitung Haaretz. Diese Behauptung kursiert seit Monaten in bestimmten Umfeldern ohne unabhängige Bestätigung. Der Interviewer ließ dies unwidersprochen gelten, ohne Beweise zu fordern.

Das Geschäft hinter der Geschichte

Die Aktivistin wirbt nun für Schmuck einer palästinensischen Marke, wie die Betreffzeilen der Nachrichten zeigen. Ihre Kinder, sagt sie, lebten ebenfalls von den sozialen Medien: Eine 21-jährige Tochter sei das Gesicht einer arabischen Luxusmarke und verdiene 12.000 Euro. Die von ihr vermietete Villa erscheint auf Buchungsplattformen unter ihrem bürgerlichen Namen, nicht unter dem Pseudonym ihres Aktivismus. Dieses Detail, das bis zur Erschöpfung wiederholt wurde, hat am meisten empört.

Manche sehen hierin eine bloße Professionalisierung des Aktivismus, ein Phänomen so alt wie das Fernsehen. Dem steht das Argument entgegen, dass eine humanitäre Sache nicht zur kommerziellen Schaufensterpuppe werden sollte. Dazwischen liegt die unbequeme Tatsache: Derselbe Fernsehsender, der sie fördert, wird von Teilen des Publikums beschuldigt, Stimmen zu ignorieren, die Spanien verteidigen.

Handys ins Meer und andere unbeantwortete Fragen

Der Punkt, der die meisten Verdächtigungen nährte, betrifft die Handys. Offenbar warfen einige Besatzungsmitglieder vor der Abfangaktion ihre Mobiltelefone ins Wasser. Die Frage liegt auf der Hand: Warum zerstört jemand sein eigenes Telefon, wenn er nicht befürchtet, dass dessen Inhalt ihn mit etwas in Verbindung bringt? Es gibt keine offizielle Antwort. Auch wird es keine geben, wenn niemand direkt nachfragt.

Die Flottille selbst bezeichnete sich als schwimmendes Big Brother-Haus. Auf dem Schiff Adán reisten laut der Aussage der Befragten 22 Unabhängigkeitsbefürworter der CUP (katalanische Partei), von deren Forderungen sie gelernt habe. Man sang ganze Nächte lang Bella Ciao. Sie teilte den Käfig mit Greta Thunberg und Ada Colau und beschreibt, wie die Schwedin aus dem Kopf zählte, wie viele Menschen sich auf 23 Quadratmetern befanden.



Das Ergebnis ist ein Medienstar, aufgebaut auf Schlagzeilen, Werbung und opportunistischem Schweigen. Die Sache selbst bleibt derweil genau dort, wo sie war. Wie jeder sagen würde: Was für ein Zufall.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (84 Antworten).

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