Garzón: Weniger Selbstständige in reichen Ländern

Norwegen hat 4,6% und Dänemark 7,4% Selbstständige. In Spanien sind es 3,4 Millionen im RETA. Die Debatte dreht sich um Ursache und Wirkung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Garzón: Weniger Selbstständige in reichen Ländern
Weniger Selbstständige, reichere Länder: Garzóns unvollständiges Bild

Der Ökonom Eduardo Garzón behauptete auf X, dass »je reicher ein Land, desto weniger Selbstständige« es habe, und stellte dies als Fakt dar, nicht als Meinung. Er antwortete damit auf einen YouTuber, dem er Unwissenheit vorwarf, und bezeichnete die Aussage als »empirisch bewiesen«. Diese Behauptung hat eine Diskussion entfacht, die noch immer nicht abgeschlossen ist: Misst die Quote der Selbstständigkeit den Wohlstand eines Landes oder dessen Prekarität?

Unter dem Diagramm liegt eine konkrete Szene, beschrieben von einem Selbstständigen im Thread. Ein Profi mit genug Kunden, um jemanden einzustellen, tut es nicht. Es fehlt nicht an Arbeit: Anstellung wird als Risiko wahrgenommen, das Gesundheit und Vermögen kostet. Lieber allein als schlecht begleitet vom Finanzamt, lautet die Logik dahinter.

Wie viele Selbstständige haben Norwegen, Dänemark und Deutschland?

Die genannten Prozentsätze zeichnen ein klares Muster: **Norwegen** verzeichnet 4,6% Selbstständige, **Dänemark** 7,4% und **Schweden** 10,7%. Dazwischen liegen die Niederlande mit 8,1% und Deutschland mit 8,6%.

  • Norwegen: 4,6%
  • Dänemark: 7,4%
  • Niederlande: 8,1%
  • Deutschland: 8,6%
  • Schweden: 10,7%

In Spanien gibt es **3,4 Millionen Mitglieder im RETA** (Sonderregime für Selbstständige), davon etwa 2,26 Millionen natürliche Personen und rund 1,14 Millionen juristische Personen (Gesellschaften), was **33,2% des Gesamtbestands** ausmacht (Stand April 2025). Die naheliegende Lesart ist einfach: Volkswirtschaften mit höherem Pro-Kopf-Einkommen haben weniger Selbstständige. Die Diskussion beginnt genau danach.

Die Unternehmensgröße erklärt den Wert besser als das Nationaleinkommen

Hier leugnet das häufigste Argument die Zahl nicht, sondern verschiebt den Fokus. Das Kennzeichen reicher Länder ist nicht das Fehlen von Selbstständigen, sondern dass ihr Gewebe von größeren Unternehmen dominiert wird, in denen der Geschäftsführer – der weiterhin als Selbstständiger sozialversichert ist – hunderte oder tausende Angestellte beschäftigt. In einer Firma mit 1.000 Mitarbeitern beträgt das Verhältnis ein Selbstständiger pro 1.000 Arbeitnehmer. Der Prozentsatz sinkt durch reine Arithmetik.

Spanien wäre der Gegenfall. **99% des Unternehmensgewebes sind Kleinstunternehmen**, was die Waage zugunsten der Selbstständigkeit neigt. Auf dieser Basis wird argumentiert, dass das Problem nicht die Menge der Selbstständigen ist, sondern die Schwierigkeit, aufzuhören, einer zu sein: Wachstum, Einstellung und Skalierung bleiben statistische Ausnahmen.

Ist die Selbstständigenquote Ursache oder Folge von Prekarität?

Der zweite Widerspruch betrifft die Richtung. Ein Teil der Analyse betrachtet die hohe Quote als **Folge und nicht als Ursache**: Man gründet, weil es keine Alternative gibt, weil verfügbare Arbeitsplätze nicht ausreichen oder nicht überzeugen, und die Alternativen Arbeitslosigkeit oder Schattenwirtschaft sind. Aus dieser Sicht ist der Stolz auf weniger Selbstständige eigentlich Stolz auf mehr stabile Beschäftigung, es sei denn, die ersetzende Beschäftigung ist ein befristeter Vertrag mit klingendem Namen.

Manche führen den Rückgang der Quote in Spanien auf einen statistischen Effekt zurück: mehr registrierte Arbeitnehmer durch Formen wie den »fijo discontinuo« (unbefristeter Vertrag mit Unterbrechungen), der den Nenner erhöht, ohne die Marktrealität zu ändern. Andere erinnern daran, dass ein Rückgang der Selbstständigenzahl vier mögliche Erklärungen zulässt: sie wurden angestellt, wanderten aus, bestanden eine Beamtenprüfung oder wechselten in die Schattenwirtschaft. Nur eine davon ist gute Nachricht.

Warum spanische Selbstständige nicht einstellen: IRPF vs. GmbH

Der Schritt vom Einzelkämpfer zum Arbeitgeber erscheint im Austausch als steuerliche und bürokratische Mauer. Internationale Vergleiche ziehen oft administrative Figuren heran, die nicht dasselbe bedeuten: In den USA ist es üblich, über eine Limited Liability Company (LLC) zu operieren, während die Gründung einer spanischen Sociedad Limitada (GmbH) ohne Mitarbeiter teuer bleibt, da die Besteuerung letztlich über den **IRPF** (Einkommensteuer) läuft.

Hinzu kommt die Rechnung der Gruppe selbst. Im Thread wird argumentiert, dass die zusätzlichen Steuereinnahmen, die den Selbstständigen zugeschrieben werden – etwa **7 Milliarden Euro** –, verteilt auf alle Beitragszahler, ungefähr **1.800 Euro pro Kopf** ergeben. Dies ist der Boden, auf dem diskutiert wird, ob das Problem mangelnder Wachstumsdrang oder die Kosten des Versuchs sind.

Nordkorea, Kuba und Pentagon-Auftragnehmer

Die Debatte suchte Extremfälle als Gegenbeispiele. In **Nordkorea** gibt es keinen einzigen Selbstständigen, aber das Lebensniveau lädt nicht zur Nachahmung ein; auch Kuba verbessert die Statistik nicht. Auffällig ist, dass das Diagramm Südkorea schlechter positioniert als Spanien, ein Ergebnis, das schwer zu verteidigen ist. Am anderen Ende steht die USA, wo ein Großteil der Selbstständigkeit über Auftragnehmer läuft, die für große Konzerne und Behörden wie NASA oder das Pentagon arbeiten.

Zirkuliert außerdem eine Zahl über die Herkunft der Neuanmeldungen, wonach die Mehrheit der neuen Selbstständigen Migranten seien, basierend auf einer journalistischen Information ohne vergleichbare Datenreihe. Über allem schwebt die Tatsache, dass **jeder dritte spanische Selbstständige eine Gesellschaft hinter sich hat**. Wenn das Diagramm diese mit dem allein arbeitenden Handwerker vermischt, misst der internationale Vergleich nicht das, was er zu messen vorgibt, und die Schlussfolgerung, dass weniger Selbstständige gleichbedeutend mit mehr Wohlstand sind, entbehrt einer soliden Grundlage.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (200 Antworten).

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