Freundeskreis in den 2000ern: Der bewusste Abbruch

Ein Forum-Nutzer beschreibt, wie er seine Jugendfreunde in den 2000ern verließ. Andere teilen ähnliche Erfahrungen mit Rollenspiel, Heavy-Metal-Bars und Trinkgelagen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Freundeskreis in den 2000ern: Der bewusste Abbruch
Freundeskreis in den 2000ern: Der bewusste Abbruch

Es gibt einen Moment im Leben vieler Männer, der sich über die Adoleszenz erstreckt und in den Zwanzigern eskaliert: Man blickt auf seinen Freundeskreis und fragt sich: „Was mache ich hier eigentlich?“ Es ist keine klassische Sinnkrise. Es ist die Erkenntnis, dass Nachmittage mit Pen-&-Paper-Rollenspielen, Bier in Heavy-Metal-Kneipen und Saufgelagen am Samstag zu einer Routine geworden sind, die nirgendwohin führt. Der Verfasser des ersten Beitrags erlebte dies hautnah: Anfang der 2000er, mit 20 oder 21 Jahren, brach er radikal mit einer Clique aus der Schulzeit. Er verschwand. Rief nie wieder an. Ging nicht ans Telefon. Und vermisst sie nicht.

Sein Fall ist kein Einzelfall. In den folgenden Beiträgen berichten mehrere Männer von ähnlichen Erfahrungen: zerbrechende Gruppen, abkühlende Freundschaften, das Gefühl, Jahre mit Aktivitäten verschwendet zu haben, die sie nicht erfüllten. Die dahinterliegende Frage ist unbequem: Wie viel unseres sozialen Lebens ist Wahl und wie viel bloße Trägheit?

Rollenspiel, Metal-Bar und Saufgelage: Die erstickende Routine

Der Autor beschreibt drei Aktivitäten, die seine Wochenenden dominierten. Pen-&-Paper-Rollenspiel — Dungeons & Dragons, Cthulhu, Vampire — ganze Nachmittage eingesperrt in einem Haus, Würfel werfend und Trefferpunkte auf Charakterbögen eintragend. Gehen in eine Heavy-Metal-Bar, um Bier zu trinken und Billard zu spielen, eine weitere Indoor-Aktivität. Und das Saufgelage (*Botellón*), die einzige Outdoor-Aktivität, aber mit dem Ziel, sich vollzusauen. Keines davon begeisterte ihn. „Mir war langweilig“, fasst er zusammen.

Die Beschreibung der Gruppe ist ein generationsspezifisches Porträt: Schwarze T-Shirts von Bands wie Blind Guardian, Kiss, AC/DC oder Motörhead, lange Haare, Vorlieben für Extreme Metal, die ihm unerträglich schienen. Sie waren, sagt er, ideologisch „sehr pogre“, was er nervig fand. Und alle Männer. Null Frauen. „NULL KARTOFFELN“, schreibt er spöttisch (Anspielung auf den deutschen Slang für „keine Chance“).

Der Abbruch war kein Impuls. Er hatte es lange durchdacht. Er hatte Angst vor Einsamkeit. Aber am Ende tat er es: Hörte auf anzurufen, nahm keine Anrufe mehr entgegen, verschwand. „Ich vermisse sie nicht mal ein bisschen“, urteilt er. „Diese Typen sind mir scheißegal.“

War es Mut oder Flucht nach vorn?

Die Antworten sind uneinig. Eine Strömung behauptet, der Autor habe einfach nicht gelernt, Führung zu übernehmen oder die Gruppendynamik zu ändern. „Du hattest keine Führungsqualitäten und hast dich nicht an Mädchen herangemacht, um sie deinen Freunden vorzustellen“, kontert ein Kommentar. „Du hast ihnen die Schuld für dein langweiliges Leben gegeben, statt es selbst unterhaltsam zu gestalten.“ Ein anderer fügt hinzu, dass Rollenspiel oder Warhammer nicht das Problem sei: Das Problem sei, nicht wissen, wie man es genießt. „Warhammer ist zum SPIELEN mit Kumpels da“, stellt er klar.

Gegen diese Lesart verteidigen andere, dass der Bruch unvermeidlich war. „Das waren keine Freunde. Das waren Säufer“, sagt ein Beitrag. Ein anderer erinnert daran, dass es in jenen Jahren, vor dem Internet, keine Alternativen gab: „Ich ging mit ihnen raus, weil ich nichts anderes kannte; es ist ein beschissenes Alter.“ Auch die spätere Einsamkeit kommt zur Sprache: „Bei mir haben mich alle Freunde verlassen, ob ich es tat oder gegenseitig war, weiß ich nicht. Da war Sehnsucht, und die ist noch da.“

Der Autor selbst verteidigt sich: „Ich war sehr jung, hatte weniger Persönlichkeit und viele Ängste. War ich der einzige zwanzigjährige Mitläufer, verloren, mit Angst vor Einsamkeit und davor, nicht dazuzugehören?“ Die Frage bleibt im Raum stehen.

Die Einsamkeit des Junggesellen: Wenn die Gruppe sich auflöst

Über den konkreten Fall hinaus deuten mehrere Beiträge auf ein breiteres Phänomen hin: die natürliche Auflösung männlicher Freundesgruppen mit zunehmendem Alter. „Die Einsamkeit kam daher, dass ich keine Partnerin und keine Kinder habe; als Single wird man aus der Freundesgruppe ausgegrenzt“, schreibt ein Teilnehmer. Früher, sagt er, grenzte man sich mit 30 aus; jetzt bekommen Paare der Mittelschicht ihre Kinder mit 40, und dann explodiert die Gruppe.

Ein anderer bestätigt dies aus Erfahrung: „Bevor ich aus diesem Umfeld ausstieg, hatte ich keine Alternativen. Der Plan war, Bier zu kaufen und in irgendeinen Park zu gehen, um über Bullshit zu lachen.“ In der letzten Saison, fügt er hinzu, kokettierten einige mit harten Drogen. Er passte nie rein. „Eine Scheißphase, in der ich mich sehr verloren fühlte.“

Manche ironisieren die Nostalgie: „Wenn deine Freundin dich verlässt, wirst du sie wieder anrufen, um ein paar Biere wegen alter Zeiten zu trinken.“ Und jemand urteilt hart: „Du bist von einer Gruppe Versager zu einer anderen gewechselt, nur diesmal ohne Freunde.“ Die Grausamkeit der Diagnose verbirgt nicht eine unbequeme Wahrheit: In einem gewissen Alter ist es schwer, neue Freunde von Grund auf zu finden.

Internet, Rollenspiel und der Krieg der Würfel

Das Thema driftete zu einem unerwarteten Punkt: Brettspiele und Rollenspiel. Mehrere Beiträge verteidigen Warhammer als soziale Aktivität, nicht als Isolation. „Ich male und spiele Warhammer Fantasy 6. Edition und 40k 3. Edition. Aber wenn es nicht bemalt ist, wird nicht gespielt, das ist Geiz“, schreibt ein Hobbyist. Ein anderer zählt seine Zwergen-Armee auf: Matadore, Langbärte, Eisenbrecher, Katapulte, Orgelkanonen, legendäre Könige. „Malen entspannt mich und baut Stress ab“, gesteht er.

Die Konversation reist auch zurück zu den frühen Internet-Jahren. „1997 war das erste Jahr, in dem ich bei einem Berufsschulkollegen war, dessen Vater bei Telefónica arbeitete und Internet hatte. Ich kannte niemanden sonst“, erinnert sich ein Beitrag. Ein anderer ruft die 28.800-Baud-Modems und die erste Webseite in Erinnerung, die er mit seiner Familie besuchte: „Meine Mutter gab den Namen meines kleinen Bruders ein, und eine nackte Tante erschien.“ Die technologische Nostalgie mischt sich mit der Feststellung, dass Internetzugang im damaligen Spanien ein Privileg weniger war.

Das Ende: Die entlarvende Erkenntnis

Der Autor des ersten Beitrags findet keinen Trost in der Nostalgie. „Worauf habe ich verzichtet, wenn ich mit ihnen an Depression und Langeweile litt?“, fragt er. Für ihn ist die Antwort offensichtlich: Auf nichts. Aber die Diskussion hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Dieselbe Person, die eines Tages entschied, mit ihrer alten Clique zu brechen, steht nun vor der Möglichkeit, gar keine Freunde zu haben. Und in diesem Gleichgewicht zwischen wiedergewonnener Freiheit und unerwünschter Einsamkeit werden sich viele Leser wiedererkennen. Die entlarvende Erkenntnis ist keine Zahl: Es ist die Feststellung, dass es manchmal die einzige Art, sich selbst nicht aufzugeben, darin besteht, alte Freunde loszulassen.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (149 Antworten).

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