Frauen reichen 85 % der Scheidungen ein, sagt eine Anwältin

Eine spanische Familienanwältin behauptet, Frauen leiten 85 % der Trennungen ein, während Männer sich damit zufriedengeben. Die Zahl löst eine Debatte über Geld, Sorgerecht und mehr aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frauen reichen 85 % der Scheidungen ein, sagt eine Anwältin
85 % der Trennungen gehen von Frauen aus, sagt eine Anwältin

85 % der Trennungen werden von Frauen eingeleitet. Das sagt eine spanische Familienanwältin, die um diese Statistik herum ein Geschäft aufgebaut hat – und statt die Sache zu klären, hat die Zahl ein Fass zum Überlaufen gebracht: Sind Männer einfach Anpasser, oder haben sie schlicht ausgerechnet, dass eine Scheidung teurer kommt als Durchhalten? Die kurze Antwort: Beides kann stimmen, und beides trägt für sich allein nicht.

Elena Martín, Familienanwältin und selbst geschieden, leitet Divorce Planner, eine umfassende Begleitung für Trennungen, die Rechtsberatung, Mindfulness und das verbindet, was sie die Pantera-Methode nennt. Ihre These: Frauen kommen wütend, weil ihre Männer sich nicht um sie kümmern, sie nicht wertschätzen und nicht begehren, und der erste Schritt sei, dem anderen die Schuld nicht mehr zuzuweisen. Soweit so vernünftig, wie aus dem Lehrbuch. Das Problem beginnt, wenn dieselbe Logik nur in eine Richtung angewendet wird.

Wer die Scheidung einreicht – und warum

Die zentrale Zahl des Artikels, der die Kontroverse auslöste, ist eben jene: 85 % der Trennungen gehen von Frauen aus. Die Anwältin führt das auf einen kulturellen Faktor zurück: Der Mann gibt sich mit dem Leben zufrieden, das er hat, solange der Haushalt läuft und die Kinder versorgt sind. Auf der anderen Seite lautet die häufigste Lesart: Der Mann gibt sich nicht zufrieden, er opfert sich auf – er hält durch, um der Kinder willen, um in einem Gerichtsverfahren nicht ruiniert zu werden und um den täglichen Zugang zum eigenen Zuhause nicht zu verlieren.

Dort liegt der Knoten. Die einen sehen Anpassung; die anderen eine rationale Entscheidung in einem System, das denjenigen bestraft, der geht. Und manche verweisen auf den wirtschaftlichen Anreiz: Wenn die Scheidung rechtliche Vorteile, Sorgerecht und Unterhalt bringt, wird aus der Statistik keine Frage des Charakters mehr, sondern eine Frage der Kalkulation.

Die realen Kosten einer Trennung: Wohnung, Unterhalt und Sorgerecht

Die Anwältin selbst räumt ein, dass die größten Konfliktherde Sorgerecht, Wohnung und Unterhalt sind. Zur Wohnung empfiehlt sie Radikales: Lieber mit einer Freundin oder Verwandten zusammenwohnen als bei jemandem bleiben, den man nicht mehr liebt. Und sie erwähnt Plattformen für gemeinschaftliches Wohnen für Menschen in derselben Situation.

Beim Unterhalt lautet ihre Botschaft wirtschaftliche Eigenständigkeit: Er soll für die Kinder zahlen, was ihm zukommt, aber sie sollen eigenes Geld verdienen, um die Abhängigkeit zu durchbrechen. Eine Botschaft, die kollidiert mit der Wahrnehmung der Scheidung als Maschine zur Rentenextraktion. Mit Parolen lässt sich der Widerspruch nicht auflösen.

Das Geschäft, das mit jeder Trennung wächst

Die Scheidungsindustrie beschäftigt Anwälte, Psychologen, Mediatoren – und inzwischen auch Planer. Eine zerbrochene Familie konsumiert mehr Dienstleistungen als eine intakte, und das erklärt, ob man es mag oder nicht, einen Teil der institutionellen Begeisterung, die Trennung als eine Formalität unter anderen zu normalisieren. Es ist keine Verschwörung: Es ist ein Markt.

Auffällig ist, dass die Botschaft der Emanzipation und die des Geschäfts im selben Paket reisen. Die Planerin kassiert für die Begleitung dessen, was früher – gut oder schlecht – am Gericht geklärt wurde. Und die Klientin ist in den meisten Fällen eine Frau.

Emotionale Reife als Waffe

Der Untertitel des Originalartikels – das Problem sei, dass Männern emotionale Reife fehle – wurde als Tritt in die Magengrube jener gelesen, die behaupten, Männer blieben gerade aus Verantwortung. Die Ironie ist fein: Wer für die Kinder bleibt, wird der Unreife bezichtigt, wer geht, der Feigheit. Man kann es nie allen recht machen.

Vor diesem Hintergrund lautet die Prognose: Die Debatte wird nicht verebben, denn sie berührt Geld, Kinder und Selbstwertgefühl zu gleichen Teilen. Ändern kann sich der Ton: Immer mehr Männer rechnen nach, planen und bereiten ihren Ausstieg vor, bevor andere ihn für sie planen. Die Frage ist, ob das Reife ist oder nur ein Abwehrreflex.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (292 Antworten).

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