Frankreich: Kluft zwischen Paris und Provinz

Analyse der Trennung von Paris und Provinz sowie Zuzug französischer Bürger nach Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frankreich: Kluft zwischen Paris und Provinz
Die Kluft zwischen Paris und Provinz verändert die Einwanderung in Frankreich

Während man in Spanien die ankommenden Franzosen zählt, spielt sich die Einwanderungsfrage in Frankreich auf einem anderen Spielfeld ab: der Entfremdung zwischen Paris und seiner Provinz. Eine von Carène Tardy verbreitete Karte fasst diese Spaltung in einem Bild zusammen, wobei die Region Île-de-France vom Rest des Landes getrennt dargestellt wird. Die begleitende These ist eindeutig: In der Hauptstadtregion blieben nur Franzosen mit hohem Einkommen und Touristen, während die Viertel der Mittel- und Arbeiterschicht von der einheimischen Bevölkerung entvölkert seien. Dies ist eine Behauptung, kein offizieller Datenpunkt. Und es empfiehlt sich, sie als solche zu betrachten.

Was besagt die Diagnose über Île-de-France?

Der Ausgangspunkt schätzt, dass rund 80 % der Region nicht mehr europäischen Ursprungs sei, und fügt hinzu, dass weder Italiener, Rumänen noch Portugiesen in diesen Vierteln verblieben. Auf dieser Grundlage wird eine neue Mittelschicht beschrieben, die aus der Einwanderung hervorgegangen ist, volle Rechte besitzt, sich aber nicht als französisch identifiziert, sowie ein Klassendünkel und ethnischer Groll, den die Botschaft selbst als atrocious (abscheulich) bezeichnet. Keine offizielle Statistik stützt diese Prozentsätze: Es sind Schätzungen dessen, der das Thema anspricht.

Was sich wiederholt, ist das Gefühl, dass sich Paris verändert hat. Ein Franzose aus der Region Lyon erledigt das Thema mit der Bemerkung, dass man die Hauptstadt am besten meiden sollte, und beschreibt sie als Kriegszone. Das Zeugnis, ohne Überprüfung, sagt mehr über die Stimmungslage als über die Stadt.

Franzosen, die nach Spanien ziehen und Spanisch sprechen

Der gegenläufige Trend hat Namen und Szenen. In spanischen Ortschaften tauchen französische Paare ohne vorherige Bindung an das Land auf – man sieht sie im Fitnessstudio, beim Einkaufen, mit korrektem Spanisch –, was Beobachter als Symptom dafür deuten, dass das Leben dort unerträglich geworden ist. Es gibt auch einen Familienfall: Eine Spanierin mit fünfzig Jahren Aufenthalt in Frankreich, mit ausreichendem Vermögen, kehrt häufig nach Spanien zurück und erzählt, wie die Mehrheit ihrer Enkel das Zentrum von Paris verlassen hat.

Der wirtschaftliche Grund wiegt ebenso schwer wie der soziale. Franzosen aus Nantes, Burgund oder Pau, die hier jahrelang gelebt haben, sind laut diesem Bericht nicht aus Nostalgie in ihr Land zurückgekehrt, sondern weil Löhne und Mieten nicht zusammenpassten. Zudem wird daran erinnert, dass viele der in Spanien niedergelassenen Franzosen spanischer Herkunft sind, darunter auch die Eltern der aktuellen Bürgermeisterin von Paris.

Und es gibt ein datiertes Zeugnis. Im Jahr 2003 erklärte eine in Barcelona lebende Pariserin, sie erkenne sich in Frankreich nicht wieder, gefalle ihr aber auch nicht, was sie in Katalonien sehe: Sie folgte den offiziellen Mitteilungen beider Länder und behauptete, dass hier französische Gesetze kopiert würden, die ihrer Meinung nach Frankreich zerstörten.

Wer brachte die Arbeitskräfte: Die unternehmerische Lesart

Eine Linie der Analyse zielt auf Unternehmen, nicht auf Regierungen. Es wird daran erinnert, dass Vertreter der großen französischen Industrien in den 70er und 80er Jahren in den Maghreb reisten, um billige Arbeitskräfte zu rekrutieren, und es wird vertreten, dass die kommerzielle Kontrolle über die ehemaligen Kolonien gedient habe, um den Bevölkerungsüberschuss als Gegenleistung für die Ressourcenextraktion aufzunehmen. Die Sprachbarriere war keine mehr: Der Französischunterricht machte Frankreich zum natürlichen Ziel. Dies ist die Boomerang-Lesart: Wer Märkte ausbeutet, importiert am Ende die Rechnung.

Aus einer anderen Ecke wird argumentiert, dass bereits seit den 70er Jahren französische Autoren vor dem Einwanderungsmodell warnen und dass eine Umkehr zu spät kommt. Dies ist eher eine Meinung als ein Faktum, ordnet aber die Angelegenheit: Die Diskussion dreht sich nicht darum, ob es ein Problem gibt, sondern wann der Punkt ohne Rückkehr überschritten wurde.

Das spanische Spiegelbild: Von den Warnungen der 90er zur Agenda 2030

Die Unterhaltung driftet schnell nach Spanien. Manche behaupten, seit Ende der 90er Jahre vor den Folgen gewarnt zu haben, als die Antwort lautete, dass Arbeitskräfte für Jobs benötigt werden, die Spanier nicht wollten, und fügen hinzu, dass heute ein Teil dieser Wählerschaft Optionen unterstützt, die sie als ebenso einwanderungsfreundlich erachten. Dem gegenüber steht ein anderes Argument: Keine Partei nimmt das aktuelle Geschehen in ihr Programm auf; Regierungen tun danach, was ihnen beliebt, und das europäische Programm der letzten Wahlen enthielt tatsächlich die Ziele der Agenda 2030, einschließlich eines Links zu Presseberichten.

Zirkuliert auch eine kaum überprüfbare Zahl: Empfänger von Beihilfen, die mehr als 10.000 Euro monatlich abrechnen würden. Ohne Quelle bleibt es bei dem, was es ist.

Mit Paris und seiner Provinz, die sich immer weiter voneinander entfernen, und mit Franzosen, die die Pyrenäen überqueren, auf der Suche nach Löhnen und Mieten, die zusammenpassen, lautet die Frage nicht mehr, ob Tardys Karte recht hat, sondern wie lange es dauern wird, bis der Rest Europas seine eigene Version davon erhält.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (156 Antworten).

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