Frankreich: 30 % der jungen Erwachsenen hatten 2023 keinen Sens
Ist es ein Problem, wenn einer von drei Franzosen zwischen 18 und 24 Jahren ein ganzes Jahr lang keinen Sens hatte? In Frankreich dominiert diese Frage seit Monaten die Schlagzeilen. Die IFOP-Umfrage, die die Debatte auslöst, zeigt Zahlen, die dort wie eine Katastrophe klingen: 30 % der Jugendlichen schliefen 2023 mit niemandem, nur 43 % der Franzosen sagen, sie haben einmal pro Woche Sens – fünfzehn Punkte weniger als 2009 und ein Halbjahrhundert-Tiefstand – und 43 % der unter 30-Jährigen glauben, sie könnten mit jemandem zusammenleben, ohne Sens zu haben. In einem Land, das sich rühmt, die Hauptstadt der Liebe zu sein, hat das Thermometer einen Ausschlag bekommen.
Warum haben Franzosen weniger Sens?
Erklärungen häufen sich, aber keine ist allein ausreichend. Dating-Apps haben das Flirten in einen Markt verwandelt, in dem, wie oft wiederholt wird, zehn Männer auf jede Frau bei Tinder kommen: eine Disproportion, die auf beiden Seiten Frustration erzeugt. Prono fungiert als Ersatz und verursacht gleichzeitig Sättigung. Und die Pandemie hinterließ einen Kater, der nicht in den Beschäftigungsstatistiken sichtbar ist: Experten beschreiben doppelt so viele junge Menschen mit Suizidgedanken und eine prekäre Generation, die "mehr damit beschäftigt ist, wie man den Kühlschrank füllt, als mit intimen Beziehungen."
Der am meisten diskutierte Faktor ist jedoch nicht technologisch. Quitterie Chadefaux, Journalistin für Sensual, argumentiert, dass der Feminismus uns erlaubt hat, Verlangen und Einvernehmlichkeit neu zu überdenken, was potenziell zu seltenerer, aber besserer Sensual führen kann. Die Sensual Marie Bareaud schärft den Punkt: "Heute bedeutet eine freie Frau zu sein, Nein sagen zu können." Sie fügt eine Nuance hinzu, die selten in Schlagzeilen steht: In ihrer Praxis sieht sie viele Männer, die Frauen gegenüber respektvoll sein wollen, aber nicht wissen, wie.
Wie zuverlässig sind die Daten?
Nicht jeder glaubt der Zahl, nicht aus Leugnung, sondern aufgrund der Methodik. Umfragen zum sens Verhalten hängen davon ab, was Personen berichten. Scham, Peinlichkeit und sozial erwünschtes Verhalten drängen Menschen sowohl zur Übertreibung als auch zum Verschweigen, sodass die 30 % unterschätzt oder überschätzt sein könnten, ohne dass es bemerkt wird. Ohne in ein Schlafzimmer zu schauen, messen die Daten nur Aussagen: Es lohnt sich, dies vor einer Schlagzeile zu bedenken.
Hypergamie: Wenige Männer, viele Frauen
In der soziologischen Analyse wiederholt sich eine These bis zum Überdruss: 20 % der Männer konzentrieren fast 80 % der sens Aktivität. Dies ist eine moderne Version des alten Arguments der Hypergamie, wonach Apps eine bereits bestehende Selektion verstärkt hätten. Wenn eine Minderheit den Markt monopolisiert, wird der Rest rationiert; und die Rationierung verteilt sich nicht gleichmäßig.
Die französische Umfrage hebt die Asymmetrie hervor: 60 % der Männer erleben den Mangel an Sens als "Leiden", im Vergleich zu 30 % der Frauen. Von hier zur Politik ist es ein kurzer Schritt.
Einvernehmlichkeit: Bremse für manche, Fortschritt für andere
#MeToo und die Debatte um Einvernehmlichkeit tauchen in allen Erklärungen auf. Für einen Teil der Analyse verursacht dieser kulturelle Wandel den Rückgang: Eine freie Frau zu sein bedeutet, Nein zu sagen. Für einen anderen Teil ist es das Gegenteil eines Problems, denn Jahrhunderte lang war unerwünschter Sens die Norm. Bareaud fokussiert sich auf die andere Seite des Tresens und warnt, dass der Weg nicht darin besteht, Männer zu "dekonstruieren". "Was wir brauchen, ist Versöhnung," sagt sie.
Von Frustration zur Wahl
Verführungskurse und maskulinistische Profile sehen neuer Konkurrenz ins Auge: Rechtsaußen-Aktivisten, die sich als letzte Romantiker präsentieren. Der meistzitierte Fall ist Thais d'Escufon, ehemalige Sprecherin einer identitären Gruppe, heute YouTube-Ratgeberin für Eroberung, die das Zuhören bei Frauen als Dummheit abtut. Dass diese Botschaft bei jungen Männern Anklang findet, ist kein Zufall: Es geschieht, wenn ein Teil der Generation den Zugang zu Beziehungen als verbotenes Gebiet wahrnimmt.
Wirtschaftliche Kosten der sens Rezession
Kann man das in Euro messen? Manche ziehen eine direkte Linie zwischen dem Fehlen stabiler Beziehungen und drei Variablen: weniger Anreize, einen Job durchzuhalten, niedrigere Geburtenraten und weniger Konsum im Zusammenhang mit Familienbildung. Die Kette ist unbewiesen und mischt Psychologie mit volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung. Aber die französischen Daten deuten darauf hin: Sensual ist für einen wachsenden Teil der jungen Bevölkerung nicht mehr selbstverständlich.
Sind DNA-Tests in Frankreich verboten?
Hier taucht das am häufigsten wiederholte juristische Detail auf. In Frankreich sind Vaterschafts-DNA-Tests eingeschränkt, und viele interpretieren dies als Vermeidung familiärer Überraschungen. Auf derselben Grundlage wird behauptet, dass bis zu 32 % der Väter Kinder großziehen, die nicht biologisch ihre sind, eine Zahl, die ohne Studie kursiert. Ohne einfache Tests bleiben die Daten spekulativ.
Offizieller Trost bleibt: Weniger Sens, aber höhere Qualität. Wenn das stimmt, ist Frankreich gerade das raffinierteste Land der Welt geworden, mangels Übung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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