Karten, die Europa neu gestalten: von Großgriechenland bis zum Streit um Litauen
Skandinavien vereinigen, das antike Dakien wiederbeleben, Griechenland seine Ausdehnung bis nach Anatolien und Armenien zurückgeben und Mesopotamien zwischen Sumerern, Akkadern und Assyrern aufteilen. Das ist die kontrafaktische Geografie-Übung, die ein Hobby-Kartograf in einer Reihe von Karten durchgeführt hat, um den europäischen Kontinent und seine Grenzen neu zu konfigurieren. Die Prämisse ist ebenso ambitioniert wie umstritten: Wenn diese Länder mit diesen Territorien existierten, wäre Europa „ein unendlich besserer Ort“, behauptet der Autor der Karten, der jeden Vorschlag mit Hauptstädten und historischen Regionen unterlegt.
Das Projekt ist kein isolierter Einfall. Es stützt sich auf eine wiederkehrende Idee: Der Bildungswesen habe die wahre Ausdehnung von Zivilisationen wie der griechischen, die bis nach Armenien und Persien reichte, verwischt. „Von allen Scheußlichkeiten, die gegen jedes Land der Welt begangen wurden, war das, was man mit Griechenland gemacht hat, das Schlimmste“, geht der Hobby-Kartograf so weit zu behaupten, der die Größe, die das hellenische Land hätte haben können, auf eine Million Quadratkilometer schätzt.
Der Streit, den niemand löst: Litauen zwischen Polen und Baltia
Der Autor selbst räumt einen Schwachpunkt in seinem Entwurf ein: die Aufteilung Litauens. Das Territorium passt sowohl in ein hypothetisches Baltia, aufgrund seines Status als baltisches Land, als auch in Polen, das ohne dieses Gebiet nur noch **Danzig als einzigen Zugang zum Meer** hätte und kleiner wäre als sein nördlicher Nachbar. Hinzu kommt der Streit um **Königsberg**, den beide Länder für sich beanspruchen. Dies ist der einzige territoriale Konflikt, den der Autor zugibt, nicht gelöst zu haben.
Die Diskussion verlief in andere Richtungen. Mehrere Teilnehmer hinterfragten, warum die Hauptstadt Galiziens Santiago de Compostela sein sollte und nicht A Coruña oder Vigo, woraufhin der Autor sich auf das „Aura“ und den internationalen Ruf der Stadt berief. Auch kam der Vorschlag auf, die Hauptstadt Navarras nach **mierdoplona** – so, buchstäblich – zu verlegen, wegen ihrer besseren Wachstumsaussichten.
Tirol, Mesopotamien und die Aufteilung Kastiliens
Das Gespräch verwickelte sich in eine Debatte über die historische Identität Tirols, die der Autor als österreichisches Tal und Provinz verteidigte, gegenüber denen, die an seinen Status als germanisches Territorium bis vor relativ kurzer Zeit erinnerten. Der Austausch führte zu gegenseitigen Beleidigungen und zur Intervention Dritter, die historischen Kontext lieferten: Die Grafschaft Tirol war Erbland der Habsburger und Teil des Heiligen Römischen Reiches bis zu ihrer Annexion durch Österreich im Jahr 1803.
Im mesopotamischen Kapitel gibt der Autor zu, gezögert zu haben, wo er Assyrien, Akkad oder Sumerien platzieren soll, und Aramäa gegen Syrien auszutauschen. „Ich wusste, dass die Küstenzone auch cool sein würde, dort mit Phönizien, Galiläa und Philistäa“, schreibt er. Der Vorschlag umfasst außerdem ein erweitertes Armenien, das Gebiete wie Amid, den armenischen Namen des heutigen Diyarbakır, einschließt.
Die am häufigsten geäußerte Kritik weist auf eine Verzerrung hin: Kastilien ist die einzige historische Nationalität, der Territorien entrissen werden, um sie anderen Entitäten zuzuteilen. „Es geht darum, KASTILIEN IMMER zu spalten“, fasst ein Teilnehmer zusammen und fragt, warum nicht derselbe Maßstab bei Frankreich angewendet wird. Der Autor antwortet mit Beschimpfungen gegenüber „den Hinterwäldlern der Hochebene“.
Türkei, Portugal und das Risiko eines Weltkriegs
Die geopolitischen Implikationen dieser Übung blieben nicht unbemerkt. Ein Teilnehmer warnt, dass die Teilung Portugals in zwei Teile und die Abtrennung von Territorium von Frankreich ausreichen würden, um einen Dritten Weltkrieg auszulösen, während das Verschwinden der Türkei zugunsten eines vollständig griechischen Anatoliens den Vierten auslösen würde. Der Autor besteht darauf, dass wir mit diesen Ländern „keine Nasenlosen und Mongolen hätten, die versuchen, uns zu ficken“.
Der Thread leitete auch zur Bildungspolitik über. Es wurde argumentiert, dass der Unterricht die griechische Präsenz in Kleinasien auf eine anekdotische Episode reduziert habe und dass der Einfluss bestimmter religiöser Gruppen die Wahrnehmung des europäischen Kulturursprungs verzerrt habe. Dies sind Behauptungen ohne dokumentarische Grundlage im Material, formuliert als Meinung.
Die Karte als Katharsis: Wut und Ohnmacht
Der emotionale Ton des Austauschs ist ebenso relevant wie der kartografische. Mehrere Nachrichten drücken Frustration darüber aus, was sie als verpasste Chance betrachten: „Es macht wahnsinnige Wut und wahnsinnige Ohnmacht, daran zu denken, was die Welt sein könnte und es nicht ist“, fasst einer der Teilnehmer zusammen. Ein anderer versichert, er sei bewegt gewesen, als er sich Griechenland mit seiner vollen historischen Ausdehnung vorstellte.
Der Autor gesteht, dass er eine künstliche Intelligenz konsultiert hat, um seine Entwürfe zu validieren, die die Teilung Großgriechenlands als „der Hammer“ bestätigt und Anpassungen im westlichen Anatolien vorgeschlagen hätte. Die Anekdote illustriert, wie sehr das Projekt historische Genauigkeit, ästhetische Laune und algorithmische Validierung mischt.
Mit diesen Zutaten ist es vorhersehbar, dass die Übung weiterhin Versionen und Anpassungen hervorbringen wird. Was jedoch unwahrscheinlich erscheint, ist, dass sich irgendeine reale Grenze bewegt, egal wie perfekt die Karten auf dem Papier passen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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