Forum-Debatte: Russland oder der Westen – wer hält länger durch?

Ein Forum-Thread fragt, ob Russlands Rohstoffe und Geschichte es widerstandsfähiger gegen einen langen Krieg machen als den Westen mit hohen Spritpreisen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Forum-Debatte: Russland oder der Westen – wer hält länger durch?
Durchhaltevermögen im langen Krieg: Russland trotzt, der Westen zahlt die Rechnung

Die Frage ist nicht, wer den Krieg gewinnt, sondern wer auf der Heimatfront standhält. Eine seit Jahren in Geopolitik-Foren kursierende These besagt, dass Russland, gewöhnt an Knappheit und mit eigenen Rohstoffen ausgestattet, einen verlängerten Konflikt besser überstehen wird als westliche Gesellschaften, die sich jahrzehntelang nichts haben entgehen lassen. Der Auslöser für die jüngste Wiederaufnahme dieser Debatte war die Feststellung, dass Renault sein Geschäft in Russland verkaufte, mit einer Option zur Rückkehr innerhalb von sechs Jahren, während Moskau Vermögenswerte scheidender Unternehmen kaufte und das Leben, wenn auch mühsam, weiterging.

Das zentrale Argument ist psychologisch, nicht buchhalterisch. Seine Verteidiger räumen ein, dass Russlands Feinde es um das 25- bis 30-fache beim BIP übertreffen, behaupten aber, dass in den meisten Kriegen siegt, wer bereit ist, mehr Opfer zu bringen. Die Gegenoffensive kommt mit Daten: Laut einem Teilnehmer hat Russland dreimal so hohe Inflation, würde 10 % des BIP verlieren, während der Westen um 2,5 % wachsen würde, alles unter viel schlechteren Ausgangsbedingungen.

Benzinpreise und der Einkaufskorb

Im Westen liegt Benzin bei rund 2 Euro pro Liter, Brot und Sonnenblumenöl sind teurer geworden, Strompreise steigen und der nächste Winter in Nordeuropa sieht ohne russisches Gas schwierig aus. Die durchschnittliche Preissteigerung in Spanien seit dem Vorjahr liegt bei 13 %, mit Spitzenreitern wie Sonnenblumenöl, das laut den im Thread genannten Zahlen um mindestens 50 % gestiegen ist.

Manche weisen darauf hin, dass diese Einschnitte nicht mit dem Krieg begannen, sondern davor, und dass die Kosten für die Versorgung der Ukraine eine wachsende Verschuldung erhöhen. Die gezogene Schlussfolgerung: Westler haben den Vorteil, dass nicht ihre Landsleute sterben, aber auch den Nachteil, dass sie jede Preiserhöhung im Geldbeutel spüren.

Rohstoffe gegen Industrie und Tourismus

Die These der russischen Resilienz stützt sich auf die Wirtschaftgeographie. Wer Rohstoffe hat, hält besser durch als wer keine hat. Das angeführte Beispiel ist Spanien während der Pandemie: Landwirte spürten den Schock weniger, da Nahrung ein Grundbedürfnis ist, während die Gastronomie, ein Luxusgut, stärker litt. Russland hätte Rohstoffe, um alles Nötige durchzustehen; Europa setzt auf Industrie und Tourismus.

Dazu kommt das historische Gedächtnis. Im Zweiten Weltkrieg verbrannte die UdSSR ihre Städte, verlegte die Industrie hinter den Ural und ertrug 20 Millionen Tote. China verlor weitere 20 Millionen im Widerstand gegen Japan. Die schwebende Frage ist, ob diese Präzedenzfälle zeigen, wozu sie fähig sind, oder ob, wie die Gegenstimme behauptet, mehr Elend weniger Resilienz bedeutet: Den Korb nach westlichem Stil zu füllen ist nicht dasselbe wie nach afrikanischem Stil, basierend auf Mehlen und Hülsenfrüchten.

Der Spiegel der Neunziger

Die stärkste Entgegnung auf die These der russischen Durchhaltefähigkeit kommt nicht vom Westen, sondern aus der postsowjetischen Erfahrung selbst. In den Neunzigern überlebten Russen, indem sie Kartoffeln in ihren Gärten und öffentlichen Parks anbauten, so ein Teilnehmer. Wer dieses Gedächtnis beschwört, argumentiert, dass das westliche Ziel darin bestehe, ihnen alles zu nehmen und sie ohne Lebensgrundlagen zurückzulassen, und dass sie daher alles Notwendige durchhalten werden.

Das Gegenargument lautet, dass diese Großeltern dies mit intakten Grenzen akzeptierten, nicht wegen eines gescheiterten Plans eines Verlierers. Und dass Importe und Exporte mit dem Westen nicht nur bedeuten, auf Zara zu verzichten: Sie betreffen Primär-, Industrie- und Dienstleistungssektoren, lebenswichtige Arbeitsplätze in Russland, die im Westen marginal sind. Wenn die Kündigungsschreiben eintreffen, kann die Sympathie für die Heimatfront kippen.

Abnutzung, die sich nicht im BIP messen lässt

Die optimistischste Berechnung geht davon aus, dass die Ukraine 700.000 jährliche Todesopfer zu beklagen hat und Russland 10 bis 15 Jahre durchhalten könnte. Das pessimistische Szenario geht davon aus, dass die konventionellen Kräfte der NATO weit überlegen sind und dass, falls die russische Armee kurz vor dem Zusammenbruch stünde, taktische Atomwaffen eingesetzt würden. An diesem Punkt stockt die Analyse: Es gibt keine Möglichkeit, die Belastbarkeit einer Heimatfront zu berechnen, die noch nicht der echten Prüfung unterzogen wurde.



Die Diskussion bleibt offen. Bei diesen Unterschieden scheint der materielle Vorteil klar. Der psychologische weniger. Und niemand hat bisher einen Weg gefunden, ihn zu messen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (127 Antworten).

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