Forum-Debatte: Russen sollten Paris in 72 Stunden nehmen

Forennutzer diskutieren die Diskrepanz zwischen russischer Militärpropaganda und der Realität in der Ukraine sowie US-Fähigkeiten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russland ist nicht das, was man uns erzählte, aber auch die USA nicht

Das Versprechen war, dass die Russen in 72 Stunden in Paris stehen würden. Die Realität nach anderthalb Jahren ist, dass sie die Ukraine nicht besiegen konnten – ein Land ohne vergleichbare Armee und mit gemeinsamen Kilometern an Landgrenze. Diese Kluft zwischen Narrativ und Lage ist der Ausgangspunkt für eine Frage, die weit über Moskau hinausgeht: Wenn sich der russische Riese als Papiertiger entpuppt, was bleibt dann von der US-Armee, die jahrzehntelang als unbesiegbar verkauft wurde?

Der Input für diese Diskussion stammt nicht aus einem Pentagon-Bericht. Es ist das Ergebnis einer langen, fast obsessiven Beobachtung jeder gebrochenen Versprechung und jeder Waffe, die bei Paraden groß angekündigt, im Kampf aber nie gesehen wurde. Daraus ergibt sich eine unbequeme Schlussfolgerung für alle: Propaganda ist kein exklusives Merkmal des Kremls.

Die russische Armee, die nirgends auftaucht

Der erste Riss im russischen Narrativ ist die Abwesenheit. In der Ukraine wurde keine moderne Bewaffnung gesichtet. Es gab keinen ernsthaften Versuch elektronischer Kriegsführung. Die Artillerie, eigentlich die Stärke der russischen Armee, trat nur minimal auf. Die offizielle Erklärung lautete monatelang, Moskau halte seine Trümpfe für die echte Konfrontation mit der NATO zurück, die nie kommt.

Das Problem dieser Ausrede ist, dass die Karten bereits gezeigt wurden. Die am meisten beworbenen Systeme marschieren jeden 9. Mai über den Roten Platz und dominieren Propagandavideos. Würden sie in operativen Stückzahlen existieren, gäbe es keinen Grund, sie nicht in einem Krieg einzusetzen, der ihnen gerade die Luft abschneidet. Manche behaupten, es gebe einfach nur wenige Einheiten jedes Modells – genug für die Parade und das Foto.

Der Vergleich mit dem Irak ist vernichtend. Die USA verloren gegen eine besser ausgestattete Armee ohne gemeinsame Landgrenze etwa 150 Soldaten. Russland häuft gegen ein Land ohne vergleichbare Armee und mit langer gemeinsamer Grenze Tausende von Verlusten an und musste militärische Unterstützung aus China und Nordkorea erbitten. Wenn das „Trümpfe zurückhalten“ bedeutet, ist das Kartenspiel unvollständig.

Warum nutzt Russland weder Luftwaffe noch elektronische Kriegsführung?

Wahrscheinlich kann es das nicht. Die These, die an Gewicht gewinnt, besagt, dass der technologische Vorsprung des Westens bei Computern, Elektronik und Gegenmaßnahmen seit den Achtzigern stetig gewachsen ist und die Lücke zum Abgrund geworden ist. Die NATO betrachtet die See- und Luftüberlegenheit als gewonnen, weil der Gegner nicht erscheint. Zweifel blieben am Boden, und die Ukraine räumt sie aus dem Weg.

Die Historie in Syrien stützt diese Lesart. Wenn westlich unterstützte Kräfte gegen russisch unterstützte Kräfte kämpften, war das Ergebnis immer gleich. Die Russen setzten ihre Luftwaffe und Flugabwehrsysteme nicht gegen Kräfte ein, die durch westliche Luftmacht geschützt waren, weder gegen die Türkei noch gegen israelische Einsätze. Immer wenn echtes Konfliktrisiko bestand, zog sich Moskau zurück.

Bleibt die nukleare Unbekannte, der einzige Bereich, in dem die westliche Überlegenheit nicht belegt ist. Hat Russland die reale Fähigkeit, den Westen nuklear zu bombardieren? Wären Raketenabwehrsysteme effektiv? Niemand weiß es, und niemand will es wahrscheinlich herausfinden.

Auch die US-Armee ist nicht unbesiegbar

Hier kommt die unbequeme Wendung für die Gegenseite. Der gleiche Skeptizismus, der das russische Narrativ demontiert, sollte auch auf das amerikanische angewandt werden. Die vermeintlich schlagkräftige US-Luftwaffe umfasst lediglich 200 F-22, deren Kampfwirksamkeit noch unter Beweis steht, F-35, die wegen Kosten und Betriebsproblemen kritisiert werden, sowie eine Flotte aus F-15, F-16 und F-18, die Relikte des Kalten Krieges mit Jahrzehnten Dienstzeit sind.

Unbestritten ist jedoch die Logistik. Die Truppen- und Materialverlegungen, die die USA Tausende Kilometer von ihrem Territorium entfernt durchgeführt haben, sind einzigartig. Diese Fähigkeit zur Machtprojektion trägt einen großen Teil ihrer Überlegenheit, mehr als der Katalog an Flugzeugen.

Die zwingende Schlussfolgerung lautet, dass keine Armee das ist, was ihre Propaganda verspricht. Russland hat gezeigt, dass sein Spitzenmaterial nur in Paradestückzahlen existiert. Die USA haben gezeigt, dass ihre Logistik unschlagbar ist, aber auch, dass ihre Luftflotte altert und ihre teuersten Programme Zweifel mehren. Der Unterschied: Die einen mussten sich im Feld beweisen, die anderen noch nicht.

Der Verschleiß, den niemand wahrhaben will

Ein Faktum fasst die Entwicklung zusammen: Der Krieg dauert über ein Jahr an, und Russland konnte die Ukraine nicht besiegen. Jeder Versuch, einen Fluss zu überqueren, endete im Gemetzel. Jede als entscheidend angekündigte Offensive führte nur zu Metergewinn. Logistischer Verschleiß, Versorgungsmängel und die Unfähigkeit, das Tempo zu halten, liegen offen zutage.

Unterdessen wandelte sich die Frage nach dem Verborgenen. Anfangs hieß es „Sie haben sicher etwas im Ärmel“. Dann „Vielleicht haben sie doch weniger“. Jetzt direkt „Sie haben nichts“. Die Evolution der Analyse selbst ist der beste Indikator für den Wandel der Wahrnehmung.

Was, wenn das Problem nicht nur russisch wäre? Was, wenn die Lehre aus der Ukraine lautet, dass die großen Armeen des 21. Jahrhunderts näher an der Fragilität stehen, als ihre Budgets suggerieren?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (182 Antworten).

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