Die EZB hebt den Leitzins auf 2,25 % und die Warnungen zu Lebensmitteln nehmen zu
Die Eigenmarken-Pastete, die vor einem Monat noch 2,30 Euro kostete, kam im 120-Gramm-Glas daher. Jetzt, gleicher Preis, 110 Gramm. Shrinkflation — das stille Schrumpfen der Verpackungen — ist nur ein Symptom. Dahinter hat die Europäische Zentralbank gerade den Leitzins auf 2,25 % angehoben, ein Schritt, der die Inflation eher nicht eindämmt, dafür aber eine unbequeme Warnung auf den Tisch gebracht hat: Die Energiekrise, die mit dem Ukraine-Krieg begann, verseucht inzwischen die Lebensmittelkette.
Der Getreide-Engpass
Was die Zinserhöhung nicht verdeckt, ist die strukturelle Abhängigkeit. Nach verfügbaren Daten verbraucht Spanien rund 37 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr, produziert aber im Durchschnitt nur 23 Millionen. Drei Viertel dieses Verbrauchs dienen der Tierfütterung. In einem Dürrejahr wie 2022-2023 fiel die Ernte auf 18 Millionen Tonnen, was — denselben Schlüssel angewendet — hieße, dass das Land nur etwa 30 Millionen seiner 49,7 Millionen Einwohner selbst versorgen könnte. Das Defizit wird durch Importe gedeckt, doch der Gaspreis — entscheidend für Düngemittel und Logistik — treibt die Kosten in die Höhe.
Von der Energie bis auf den Tisch: gelenkte Knappheit, keine Hungersnot
Die fundierteste Analyse schließt apokalyptische Szenarien nach Äthiopien-Art aus. Europa und die USA haben zwei Polster: Kaufkraft für Importe und eine Logistik, die vorerst standhält. Aber abzeichnet sich eine „gelenkte Knappheit": Fleisch wird zum Luxus, Fertigprodukte werden teurer, und wer wenig Budget hat, landet am Ende bei Produkten minderer Qualität. Shrinkflation ist die Spitze des Eisbergs; Ketten wie Carrefour reduzieren bereits Füllmengen, ohne die Preise anzutasten. Die Frage, die im Raum steht: Erfasst das spanische Statistikamt (INE) dieses Phänomen in seinen Indizes?
Das Paradox von Niedrigzinsen und endloser Schulden
Manche halten die Erhöhung um 25 Basispunkte für eine leere Geste. Die europäische Staatsverschuldung würde deutlich höhere Zinsen nicht verkraften, ohne dass Pleiten drohen, und Haushalte mit variabel verzinslichen Hypotheken spüren den Druck bereits. Unterdessen bieten Banken für Einlagen weiterhin nur Brosamen: Pibank erhöhte auf 0,25 %, Trade Republic auf 0,30 %, während die echte Inflation — nicht die beschönigte — diese Werte verdoppelt. Der Sparer finanziert den Hypothekennehmer, die Unternehmen profitieren von der Börse, und die Staatsschulden wachsen weiter. Wie eine Analyse anmerkt, hat sich der westliche Wohlstand auf einem Schuldenberg aufgebaut, der eines Tages seine Rechnung präsentieren wird.
Die verstörende Zahl: Der Euribor ist noch weit von den Niveaus von 2008 entfernt (als die deutsche Anleihe mit 5,5 % das Spiel beendete), doch manche erinnern bereits daran, dass die Zinsen in Russland bei 14,5 % liegen. Der Spielraum existiert, aber niemand in Frankfurt scheint ernsthaft bereit, ihn zu nutzen.
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