Ex-ETA-Mitglied arbeitet als Anwalt nach 17 Jahren Haft

Ein wegen Terrorismus Verurteilter übt trotz langer Strafe den Anwaltsberuf aus; der Fall entfacht erneut die Debatte über geschlossene Ermittlungsverfahren in Spanien.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ex-ETA-Mitglied arbeitet als Anwalt nach 17 Jahren Haft
Ex-ETA-Mitglied mit 27-jähriger Strafe, 17 Jahren Haft und nun Anwalt

Spanien heilt seine Wunden im Rampenlicht. Ein wegen Terrorismus verurteilter Mann, der eine 27-jährige Haftstrafe erhalten hat und davon 17 Jahre im Gefängnis verbrachte, ist entlassen worden und arbeitet nun als Anwalt, wie in dem Thread berichtet wird. Auf den ersten Blick wirkt dies wie eine Anekdote vom Straßenrand. In Wahrheit ist es nur die Spitze eines Eisbergs, der fünf Jahrzehnte voller geschlossener Akten, Amnestien und offener Rechnungen mit sich bringt.

Manche behaupten, dass der Interviewte sich nicht von seiner Vergangenheit distanziert habe. Dieses Detail, das in anderen Ländern jede öffentliche Diskussion sofort beenden würde, gilt hier als Normalität. Genau daran – nicht an dem Interview selbst – scheiden sich die Geister.

Was ist mit Cake Minuesa und dem Ex-ETA-Mitglied passiert?

Der Interviewte ist ein ehemaliges Mitglied der ETA, das nach Verbüßung eines erheblichen Teils seiner Strafe – 17 der insgesamt 27 Jahre – aus dem Gefängnis entlassen wurde und seitdem völlig normal als Anwalt praktiziert. Was die Teilnehmer besonders irritiert, ist die Szene: Ein wegen Terrorismus Verurteilter geht auf die Straße, übt einen freien Beruf aus und gibt Interviews ohne jegliche Zurückhaltung. Auf der anderen Seite steht ein Journalist, dem vorgeworfen wird, die Angelegenheit in ein Spektakel zu verwandeln. Einige fordern weniger Interviews und mehr Gerechtigkeit; andere verteidigen die journalistische Arbeit gegen die Kritik.

27 Jahre Strafe, 17 im Gefängnis: Der Weg, den niemand überprüft

Die Zahl, die die gesamte Diskussion dominiert, ist simpel: 27 Jahre Haftstrafe, 17 verbüßt. Eine Relation, die bei jedem anderen Gewaltverbrechen einen Skandal auf der Titelseite auslösen würde. Hier wird sie als bürokratische Routine abgetan.

Das am häufigsten angeführte Argument ist das der strukturellen Straflosigkeit. Es geht nicht nur um diesen Fall. Es geht um ein System, das laut Beobachtern, die die Ermittlungsverfahren genau verfolgt haben, Terrorfälle oft verdächtig schnell abschloss. Man spricht von Verfahren, die systematisch manchmal innerhalb von 48 Stunden eingestellt wurden, während bei anderen bewaffneten Gruppen fast alle Mitglieder verfolgt und vor Gericht gestellt wurden. Dieser Kontrast – gleiche Gewalt, unterschiedliche Maßstäbe – ist der Kern des Ärgers.

IRA, NORAID und Waffen aus den USA

Der Vergleich mit der IRA taucht früh auf. Er muss jedoch präzisiert werden, da hier verschiedene Dinge vermischt werden. Die US-Bundesregierung schickte keine Geldtransfers an die IRA; es waren Mitglieder der irischen Gemeinschaft in den USA, insbesondere über das Netzwerk NORAID, die Mittel kanalisierten. Währenddessen ermittelten die Behörden, nahmen Personen fest und klagten sie für dieselben Aktivitäten an. Bekannte Fälle sind Duggan, Megahey und die Meehans.

Auch die Verwechslung zwischen Geld und Waffen hält sich hartnäckig. Zeitgenössische Schätzungen besagen, dass etwa 85 % der Waffen der IRA aus den USA stammten. Das heißt: Der Fluss war real, aber die offizielle Darstellung und die nüchterne Analyse decken sich nicht immer.

Warum wurden die ETA-Ermittlungen so schnell abgeschlossen?

Hier wird die Debatte unangenehm. Manche vertreten die Ansicht, dass die Justiz jahrelang weggeschaut hat. Die wiederholte Zahl ist erschreckend: rund 400 ungeklärte Morde. Vierhundert. Eine Zahl, die mit keinem anderen bewaffneten Gruppierung jener Zeit übereinstimmt.

Eines der gewichtigsten Argumente in dieser Diskussion ist das der Amnestiegesetzgebung von 1977, die einige als selektive Löschung lesen. Ebenso die spätere Gesetzgebung, die sowohl in Straßburg als auch in Madrid dem Umfeld der ETA mehr Entgegenkommen entgegengebracht hätte als ihren Opfern. In diesem Szenario haben die Familien der Ermordeten, so manche Teilnehmer, nur zwei Möglichkeiten: ins Exil gehen oder schlucken.

Vom „baskischen Befreiungsbewegung“ zu den Vermittlern von 2011

Den Begriff prägte José María Aznar, wie im Thread erinnert wird: Man sagt nicht ETA, man sagt movimiento vasco de liberación (baskische Befreiungsbewegung). Diese Euphemismen gehören zum Alltag. Im Jahr 2011 verfügte die Organisation, laut einem Teilnehmer, über hochrangige internationale Vermittler: den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan, die ehemalige norwegische Premierministerin Gro Harlem Brundtland, den französischen Ex-Minister Pierre Joxe und Jonathan Powell, Ex-Chefberater von Tony Blair. Namen, die selten zusammen mit dem Wort Kapitulation genannt werden.

Das Ergebnis, so die Erzählung, ist heute, dass ihre ehemaligen Kader institutionelle Positionen innehaben und freie Berufe ausüben. Es gebe keine Ex-Mörder, betonen einige: Mörder bleiben Mörder, bis sie sterben.

Was noch kommt

Wenn sich das Muster fortsetzt, wird diese Episode innerhalb einer Woche in Vergessenheit geraten und durch eine ebenso sterile Kontroverse ersetzt. Es ist vorhersehbar, dass keine Staatsanwaltschaft die Debatte über die Verhältnis der verbüßten Strafen oder die Schnellverfahren der Achtziger und Neunziger wieder aufgreifen wird. Auch ist zu erwarten, dass das nächste Interview mit Minuesa exakt dieselben Schlagzeilen erzeugen wird.

Das Einzige, was zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar scheint, ist, dass jemand die Zahlen ändert. Und ohne Änderung der Zahlen bleibt alles nur Gespräch.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (191 Antworten).

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