Europa rüstet für den Krieg, während die Industrie abwandert

Schweden bereitet Krankenhäuser auf Massenanfälle vor, Spanien stationiert Leopard-Panzer in Lettland und Porsche plant den Umzug in die USA: Europas Industrie blickt nach Amerika.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Europa rüstet für den Krieg, während die Industrie abwandert
Bunker, Krankenhäuser und Leopard-Panzer: Europa rüstet sich für den totalen Krieg

Im Osten und Norden Schwedens werden Krankenhäuser umgebaut, um Massenanfälle von Verletzten zu bewältigen. Der NATO-Beitritt machte diese Region zur Frontlinie, sodass Kriegsübungen keine Formalität mehr sind. Das russische Außenministerium behauptet aus Moskau, der Westen sei durch militärische Unterstützung Kiews „direkt im Krieg“ mit Russland. Und zwischen alldem etwas Prosaisches: eine europäische Lieferkette, die unter Druck bröckelt.

Das Baltikum gräbt Bunker; Spanien schickt Kampfpanzer

Die baltischen Staaten beschleunigen den Bau von Bunkern zur Grenzsicherung als Teil der NATO-Vorwärtsverteidigung. Spanien ist Teil dieses Aufbaus: Es hält etwa 600 Soldaten in Lettland, verstärkt durch weitere 250 Militärs. Die wichtigsten Einheiten sind Leopard 2E Kampfpanzer, Schützenpanzer vom Typ Pizarro und eine NASAMS-Luftabwehreinheit.

Mit der Verstärkung kommen eine Feldartillerieeinheit, ein Pionierverband und logistische Unterstützung hinzu. Auch gepanzerte Kettenfahrzeuge M-113, schwere Mörser, Kampfpioniere-Fahrzeuge und Spike-Antipanzer-Raketen gehören dazu. Oft übersehen: ein JTAC-Team für Luftkontrolle und eine Raven-Drohne, die die reale Kampfkraft des taktischen Unterglieds deutlich erhöhen. Der Beitrag ist nicht nur symbolisch.

Abwandernde Industrie: Porsche, BMW und Audi blicken in die USA

Während Europa aufrüstet, entrüstet es wirtschaftlich. Porsche plant, seine Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlegen, nicht nur wegen des Wandels zum Elektroauto. Die wirtschaftlichen Bedingungen und staatliche Förderung dort sind weitaus besser, und die Stromkosten in Deutschland machen den Bau von Batteriefabriken direkt unwirtschaftlich.

Die im Sektor kursierenden Förderzahlen sind sprechend: Hersteller in den USA können Milliarden an Steuerbefreiungen erhalten, gegenüber maximal 800 Millionen Euro, die man in Deutschland erwarten würde. BMW baut bereits sein neues Montagewerk in South Carolina, und Audi prüft die Machbarkeit einer Produktion auf US-Boden. Die Verlagerung geht in dieser Erzählung nur in eine Richtung.

Zehnjährige Abkommen: Verpflichtungen werden unterschrieben, nicht diskutiert

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben mit der Ukraine Sicherheits- und Lieferabkommen mit zehnjähriger Laufzeit geschlossen. Das deutsche Paket umfasst 36 Panzer und 120.000 Artilleriegranaten. Dies ist keine Nothilfe, sondern ein Rahmen, der drei große Volkswirtschaften Europas für ein Jahrzehnt an einen Konflikt bindet.

Hier liegt der Knackpunkt. Wer Zehnjahresverträge unterschreibt, verwaltet keine Krise, er plant einen langen Krieg. Und wer solche Kriege plant, vermeidet sie selten.

Von 54 Brigaden zu 7: Die Arithmetik der europäischen Abrüstung

Deutschland hatte 1990 noch 54 Brigaden. Heute sind es 7. Dem Rest Europas geht es laut militäranalytischen Berichten kaum besser; der Kontinent liegt weit unter seiner Kapazität von vor drei Jahrzehnten. Das ist der Punkt, der nüchterne Beobachter irritiert: Die Macht, die sich heute auf einen großen konventionellen Krieg vorbereitet, hat jahrelang ihre Fähigkeit dazu abgebaut.

Gleichzeitig argumentieren manche, dass Russland mehr Waffen produziert als die gesamte EU und über mehr Personal verfügt. Andere erinnern daran, dass Moskau seit Monaten versucht, eine einzige Stadt einzunehmen – die am stärksten von der NATO befestigte der letzten Dekade. Beides kann gleichzeitig wahr sein, und das ist unbequem.

Wie viele Europäer würden bei einem nuklearen Austausch sterben?

Hier sind Zahlen kein theoretisches Spiel mehr. Manche schätzen, dass ein Nuklearkrieg mindestens 150 bis 200 Millionen weniger Europäer bedeuten würde, in einem Maximalszenario wäre die zivilisierte Welt zerstört. Eine extremere Projektion reduziert die Bevölkerung Westeuropas optimistisch auf wenige Millionen Menschen.

Das Problem dieser Zahlen ist reine Spekulation. Es hängt davon ab, wie streng der nukleare Winter wird, ob Staatsstrukturen kollabieren oder lokale Warlords entstehen. Die Spannen reichen von unter zehn Millionen Toten bis zu über fünfzig Millionen allein im Quartal nach einem Austausch. Niemand weiß, wie die Münze fällt.

Gibt es Wehrpflicht, und wer muss dienen?

Eine Ansicht besagt, dass eine allgemeine Wehrpflicht breite Unterstützung fände, andere halten dagegen, dass diese Zustimmung meist von denen kommt, die selbst nicht dienen müssen oder ihre Angehörigen schicken. Der Verdacht ist alt und überall verbreitet: Die Befürworter des Einsatzes haben oft Alter, Bildung und Status, um außen vor zu bleiben.

Dann bleibt das Lehrbuch-Szenario: Wenn die Abschreckung versagt und jemand den Knopf drückt, wird die Front vom Baltikum zu jeder europäischen Hauptstadt. Dann nützt die Debatte über Brigaden und Automobilsubventionen nichts mehr.

1971 veröffentlichte Jacques Bergier Der Dritte Weltkrieg hat begonnen, ein Buch, das behauptete, der Konflikt laufe bereits in Form von Attentaten. Ein halbes Jahrhundert später wartet Europa immer noch darauf, dass er sich geirrt hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).

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