Ethoxyquin und norwegischer Lachs: Das von der EU verbotene Additiv
Ein Paket norwegischen Lachses, gekauft bei Lidl, landet ungeöffnet im Müll. Dies ist die Szene, die eine seit Jahren schwelende Diskussion eröffnet: die über Fisch aus Aquakultur als Massenprodukt in Europa und gleichzeitig als eines der Lebensmittel mit den meisten unbeantworteten Fragen zu seinen Inhaltsstoffen. Der Auslöser war ein Dokumentarfilm auf einem internationalen spanischsprachigen Sender über norwegischen Zuchtlachs. Von dort entwickelte sich das Thema zu etwas Unbequemerem: dem Futter, mit dem diese Fische gemästet werden.
Das erste Problemfeld waren Schwermetalle. Im Jahr 2005 verbot Russland die Einfuhr von norwegischem Zuchtlachs, nachdem in einer Probe ein Bleigehalt festgestellt wurde, der das zulässige Limit um das 18-fache und der Cadmiumgehalt um das 3,7-fache überschritt, laut Informationen einer internationalen Kampagne. In einer zweiten Probe lagen die Überschreitungen bei 10- bzw. 2,5-fach. Das Verbot galt ab Januar 2006 für gesamten frischen norwegischen Zuchtlachs. Eine internationale Kampagne schrieb an die damalige norwegische Ministerin für Fischerei und Küstenangelegenheiten, Helga Sensensensensensensen, um Garantien zu fordern, dass Kontrollmechanismen den internationalen Verbraucher schützen.
Was ist Ethoxyquin und warum ist es relevant?
Ethoxyquin ist ein Antioxidans, das Mischfuttermitteln zugesetzt wird, um Ranzigkeit zu verhindern. Es ist als technologischer Zusatzstoff E324 registriert. In Dokumenten, die im Zuge der Nachverfolgung des Themas geteilt wurden, findet sich sein Vorkommen in Vollfutter für Masthähnchen (0–14 Tage) mit 2,0 mg/kg sowie in Hühnerfutter. Das Problem beschränkt sich nicht nur auf Hühner: Ethoxyquin wandert über das Futter in andere Arten, und wer dieses Futter verzehrt, akkumuliert den Stoff.
Im Juni 2017 genehmigte die Europäische Union die Durchführungsverordnung 2017/962, mit der die Zulassung von Ethoxyquin als Futtermittelzusatzstoff für alle Tierarten und -kategorien ausgesetzt wurde. Der Text ist eindeutig: Die Verwendung des Zusatzstoffs kann Risiken für die menschliche und tierische Gesundheit sowie für die Umwelt darstellen, und der Zusatzstoff sowie damit enthaltene Futtermittel müssen so schnell wie möglich vom Markt genommen werden. Das heißt, die EU selbst anerkannte schriftlich, was bis dahin nur in Foren und technischen Berichten diskutiert worden war.
Zuchtlachs und das Problem des Futters
Der norwegische Lachs, der in spanischen Fischgeschäften ankommt, stammt praktisch vollständig aus Zucht. Das bedeutet, dass seine Ernährung vom Futter abhängt, das ihm der Produzent gibt, und dieses Futter kann Fischmehl und -öle aus anderen Fischereien enthalten. Die Kette ist lang und undurchsichtig: Der Verbraucher sieht eine Schale mit dem Etikett „norwegischer Lachs“, aber nicht, was der Fisch gefressen hat. Manche behaupten, Bio-Zuchtlachs habe weniger Rückstände, aber das gängige Argument lautet, dass er welche hat und daher nicht ganz frei davon ist.
Die Kennzeichnung hilft nicht weiter. Auf vielen Verpackungen fehlt die FAO-Fangzone, ein Code zur Identifizierung des maritimen Ursprungsgebiets. Wenn sie nicht angegeben ist, wird dies meist so interpretiert, dass das Produkt aus Aquakultur stammt, da wild gefangener Fisch diese Angabe oft in kleiner Schrift trägt. Die wiederholte Empfehlung lautet, die Packung vor dem Kauf genau zu prüfen und sie liegen zu lassen, wenn keine Information vorhanden ist.
Der Markt für Wildfisch: Was man kaufen kann
Als Alternative zur Zucht gilt Wildfisch, der jedoch eigene Risiken birgt. Wilder Lachs, der tiefgefroren oder in Dosen erhältlich ist, stammt oft aus Alaska (FAO-Zone 61), und manche meiden den Pazifik aufgrund der mit Fukushima verbundenen Kontamination. Tiefgekühlter Seehecht aus isländischen oder färöischen Gewässern wird als eine der Optionen genannt, die als minimal genießbar gelten. Sardinen und Makrelen sind nach verbreiteter Einschätzung die Fischarten mit der geringsten Toxinakkumulation. Für Omega-3 wird pflanzliche Quellen empfohlen: Leinsamen, Hanfsamen, Chia-Samen und Walnüsse.
Dosen-Thunfisch schneidet auch nicht besser ab. Es wird darauf hingewiesen, dass er Quecksilberkonzentrationen weit über 2 mg/kg enthalten kann, und dass ein großes Stück Lachs, besonders im Fettgewebe, mehr Metalle akkumuliert. Die Gesetzgebung erlaubt bis zu 1 mg/kg in Fisch und Meeresfrüchten für Metalle wie Blei, Cadmium, Arsen und Quecksilber – ein Grenzwert, der bei Fleisch leicht eingehalten wird, bei Fisch jedoch praktisch unmöglich zu respektieren scheint.
Krillöl und Omega-3-Kapseln
Mitten in der Debatte über Fischtoxine stellt sich die Frage, woher man Omega-3 beziehen kann, ohne Zuchtfisch zu konsumieren. Krillöl aus der Arktis wird als hochwertige DHA-Quelle präsentiert, mit einem norwegischen Hersteller, der es an Kapselproduzenten verkauft. Ein kritischer Punkt ist, dass viele dieser Kapseln nicht einmal 10 % echtes Krillöl enthalten. Krill, der in Japan geerntet wird, könnte laut derselben Warnung radioaktive Isotope enthalten.
Auch das Omega-3 von Mercadona kommt zur Sprache: Seine Kapseln enthalten 500 mg Lachsöl pro 604-mg-Einheit, plus Gelatine, Wasser und Antioxidantien. Das angesprochene Problem ist, dass die entscheidenden Werte die EPA- und DHA-Säuren sind. Wenn das Etikett diese nicht nennt und kein Qualitätssiegel oder eine Garantie auf Reinheit von Verunreinigungen und Metallen bietet, wird der Nutzen des Produkts infrage gestellt.
Ethoxyquin ist in der EU seit 2017 für alle Tierarten ausgesetzt. Norwegischer Zuchtlachs bleibt weiterhin in den Fischgeschäften. Und die Frage, die niemand mit einer Zahl beantworten kann, lautet: Wie viel von diesem Zusatzstoff – oder seinem Ersatz – landet am Ende im Filet, das man samstags kauft?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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