EU-Plan: Fokus auf ungenutzten Wohnraum älterer Menschen

55 % der Spanier leben in zu großen Häusern. Die EU beziffert den jährlichen Bedarf auf 650.000 Wohnungen zur Deckung des Defizits.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

EU-Plan: Fokus auf ungenutzten Wohnraum älterer Menschen
55 % der Spanier wohnen in überdimensionierten Häusern

Diego ist 73 Jahre alt und denkt nicht an einen Umzug. Er lebt in einer sanierten Wohnung im Rahmen eines Programms von Provivienda (spanische Wohnungsbaugesellschaft) und fasst es zusammen: „Es gibt nichts wie das eigene Zuhause.“ Sein Fall, multipliziert mit Millionen von Haushalten, steht im Mittelpunkt des ersten Plans für erschwinglichen Wohnraum der Europäischen Union, vorgestellt von Energie- und Wohnbaukommissar Dan Jorgensen. Die Diagnose aus Brüssel duldet keine Halbbreiten: Kein Quadratmeter des aktuellen Immobilienbestands darf verschwendet werden.

In Zahlen gegossen erreicht Spanien diesen Plan mit einem unbequemen Bild. 55 % der Bevölkerung leben in Häusern, die als zu groß für ihre Haushaltsgröße gelten, verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 33 %. Bei den Über-65-Jährigen liegt der Anteil bei über 75 %, weit über dem europäischen Wert von 47 %. Viel Platz, wenige Bewohner und eine Verwaltung, die nicht weiß, wo sie Wohnungssuchende unterbringen soll.

Was der EU-Plan für erschwinglichen Wohnraum vorsieht

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass in der nächsten Dekade jährlich 650.000 zusätzliche Wohnungen benötigt werden, um das Angebotsdefizit zu schließen – ein Aufwand von rund 150 Milliarden Euro. Und nicht alles läuft über Neubauten. Der Text spricht von Wiederverwendung, der Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnzwecken, der Renovierung von Objekten zur Rückführung in den Markt und vor allem vom Management der leerstehenden Wohnungen, die bereits 20 % des europäischen Bestands ausmachen.

Der spanische Teil des Problems ist die Verdichtung. An manchen Orten gibt es Überschüsse, an anderen Mangel, und die Bürokratie, die Bau und Sanierung bremst, ist zum erklärten Feind des Plans geworden. Das Paradoxon: Der Bestand ist nicht völlig leer, sondern halb belegt, oft von einzelnen Älteren in Wohnungen, die für ganze Familien konzipiert waren.

Warum Ältere an ihrem Zuhause festhalten

Weil sie dort Identität, Sicherheit und Zugehörigkeit finden, und weil 88 % der über 65-Jährigen, die in ihren eigenen vier Wänden leben, Pflege dort bevorzugen statt in einer Einrichtung. Die Studie „Ein Schlüssel für unsere Zukunft: Wohnen und Altern in der Gemeinschaft“ von Provivienda quantifiziert dieses Gefühl und auch seine Schattenseite: Es fehlt an Barrierefreiheit, alter Baubestand dominiert, Dienstleistungen sind knapp. Zudem bleiben 10,7 % der Haushalte der Über-65-Jährigen nach Zahlung der Wohnkosten mittellos.

Länger leben bedeutet nicht besser leben. Spanien rühmt sich einer Lebenserwartung von 84 Jahren, über dem EU-Schnitt von 81,3. Die gesunde Lebenserwartung lag hingegen 2023 bei nur 62 Jahren, unter dem europäischen Durchschnitt und ohne das Vorkrisenniveau wieder erreicht zu haben. 10,5 % der Älteren berichten von schweren Einschränkungen, 34,7 % von irgendeiner Form der Einschränkung. Unter den Über-85-Jährigen hält sich jeder Vierte für schwer eingeschränkt.

Daraus entsteht der Konflikt: Das Haus bietet Identität und Sicherheit, kann aber gleichzeitig zur Falle werden. Laut Bericht sind Wohnungspolitiken entscheidend, um Autonomie zu erhalten und Heimeinweisungen zu vermeiden. Für viele Ältere ist der Umzug in eine Gemeinschaftseinrichtung keine Option: Sie empfinden es als Kontrollverlust über ihr Leben.

Der Reibungspunkt: Wer diese Häuser am Ende bewohnt

Hier wird die Debatte unsachlich. Manche argumentieren, die Mobilisierung des untergenutzten Bestands sei der schnellste Weg, Ankommende unterzubringen; andere befürchten, der Plan werde zum Mechanismus, um Neuankömmlinge in den Häusern der Älteren unterzubringen. Die Wohnungsfrage driftet teilweise in die Einwanderungsdebatte ab, und dort verhärten sich die Fronten auf beiden Seiten.

Es geht nicht nur ums Bauen, sondern um Umverteilung. Der Plan erwähnt Wiederverwendung, Umnutzung von Gewerbe zu Wohnraum, Renovierung zur Marktbelebung und das Management von Leerstand oder Unternutzung. Manche spekulieren über Anreize, Zuschüsse für Zimmervermietung und öffentliche Bürgschaften; andere warnen, dass jeder Druck auf privates Eigentum immer gleich beginnt.

Auch Vergleiche zwischen der Fläche öffentlicher Amtsträger und der normaler Bürger kursieren, um zu betonen, dass große Häuser nicht nur Rentnern gehören. Die Details dieser Zahlen verdienen eine eigene Diskussion.

Das ist keine neue Debatte. Vor einem Jahrhundert endete das Versprechen, Raum neu zu verteilen, in Mehrfamilienhäusern mit Zwangsgemeinschaften. Der Unterschied laut Kritikern des Plans: Jetzt wird über Anreize, Mietzuschüsse für Zimmer und öffentliche Garantien gesprochen, nicht über Enteignungen. Noch nicht.

Bleibt die Zahl, die nicht passt: Spanien lebt im Schnitt 84 Jahre, aber nur 62 davon ohne Einschränkungen. Der Immobilienbestand hat die fehlenden Quadratmeter. Was er nicht hat, ist eine Methode, sie zu bewegen, ohne dass jemand sein Zuhause verliert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (151 Antworten).

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