Begoña Gómez und die gelöschten Spuren: Der Fall wird komplizierter
Ein Paradox durchzieht das gesamte Ermittlungsverfahren: Wenn jemand unschuldig ist, warum löscht man dann die Spuren, die dies beweisen könnten? Die Ermittlungen gegen Begoña Gómez, die Ehefrau des spanischen Regierungschefs, gestalten sich laut veröffentlichten Berichten zunehmend schwierig. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf dem Inhalt der Verträge, sondern auf dem, was um sie herum verschwindet. Die Zentrale Operationseinheit (UCO) der Guardia Civil hat angeblich nachgewiesen, dass die Beamtin Cristina Álvarez kontinuierlich an den Geschäften der Frau des Präsidenten arbeitete. Den gleichen Informationen zufolge meldete Moncloa eine der drei Mobilnummern dieser Beraterin nur sieben Tage vor der Aussage von Begoña Gómez ab.
Das Muster wiederholt sich, argumentieren Beobachter des Falls: Löschung von Metadaten, Verträge mit Barrabés unter Betrugsverdacht und private Tätigkeiten einer Beraterin aus öffentlichen Diensträumen. Die schwebende Frage ist keine juristische, sondern eine des gesunden Menschenverstands: Wie beweist man Unschuld, wenn die Dokumente, die dies belegen würden, manipuliert werden?
Was sind Metadaten und warum ist ihre Löschung so verdächtig?
Metadaten sind der innere Fingerabdruck jeder Datei: Mit welchem Programm wurde sie erstellt, mit welcher Kamera oder welchem Handy, zu welcher Uhrzeit, an welchem Tag, wann wurde sie zuletzt geändert und von wem. In einem Foto, Dokument oder einer Nachrichtenkommunikation reisen diese Daten intern mit, selbst wenn der sichtbare Inhalt gelöscht wird. Ein alltägliches Beispiel illustriert dies gut: Wenn jemand behauptet, eine Person nicht zu kennen, aber die Aufzeichnungen Dutzende von Anrufen und Nachrichten zeigen, widerlegt das Metadata die Version, ohne dass ein einziges Wort des Chats gelesen werden muss.
Daher ist die Eliminierung dieser Spuren kein geringfügiges technisches Detail. Das Löschen von Metadaten beseitigt nicht die Tatsache, sondern den Beweis. In einem gerichtlichen Ermittlungsverfahren hat diese Operation einen unbequemen Namen: Behinderung der Justiz. Manche erinnern daran, dass europäische Vorschriften Betreiber verpflichten, bestimmte Kommunikationsdaten für festgelegte Zeiträume aufzubewahren, genau für Terrorismus- und Organisierte-Kriminalität-Ermittlungen. Dass diese Daten kurz vor einer Anhörung verschwinden, ist zumindest ein Zufall, den der Richter bewerten muss.
Das Handy der Beraterin, das vor der Aussage abgeschaltet wurde
Der Fall von Cristina Álvarez konzentriert einen großen Teil der Verdächtigungen. Laut veröffentlichten Berichten meldete die Präsidentschaft der Regierung eine der drei Nummern ihrer Beraterin nur sieben Tage vor der Aussage von Begoña Gómez ab. Die UCO hat angeblich bestätigt, dass diese Beamtin kontinuierlich an den Geschäften der Ehefrau des Präsidenten arbeitete, was die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem verwischt.
Die Sequenz ist wichtig: Erst wird die Arbeit dokumentiert, dann verschwindet der Kanal, über den sie koordiniert wurde. Man muss kein Experte für Strafprozessrecht sein, um zu verstehen, dass ein abgemeldetes Telefon keine Aufzeichnungen mehr generiert. Die Operation löscht nicht das Geschehene, aber sie trocknet die Quelle aus, die es dokumentiert. Und das sieht prozessual ziemlich so aus, als würde man Stöcke zwischen die Räder werfen.
Barrabés, die Verträge und der untersuchte Betrug
Die andere Front ist vertraglicher Natur. Berichte deuten auf einen mutmaßlichen Betrug bei Verträgen hin, die mit Barrabés verbunden sind, wobei die Frau des Präsidenten im Zentrum der Geschäfte steht. Es gilt zu klären, ob es Bevorzugung gab, ob Zuschreibungen aufgeteilt wurden oder ob die institutionelle Position als Hebel genutzt wurde. Nichts davon ist gelöst: Es sind untersuchte Fakten, keine bewiesenen, und der Fall nimmt seinen weiteren Verlauf.
Für die öffentliche Meinung relevant ist die Häufung. Eine isolierte Löschung von Metadaten könnte ein Computerfehler sein. Ein Vertrag unter Verdacht könnte ein administrativer Zufall sein. Eine Beraterin, die private Angelegenheiten von Moncloa aus erledigt, könnte eine vage Agenda haben. Zusammen zeichnen sie ein Vorgehensmuster (Modus Operandi), und dieses Muster suchen Ermittler, wenn ihnen der eigentliche Inhalt entgleitet.
Die Sauna des Vaters und die Umschläge: Was zur Erzählung hinzukommt
Zum gerichtlichen Fall kommt journalistisches Material anderer Art hinzu. Laut Aussagen, die von Medien gesammelt wurden, soll Begoña Gómez zwischen 2002 und 2005 Umschläge mit Bargeld übergeben haben, um Anzeigen für die Sauna ihres Vaters in einer Zeitschrift zu bezahlen, in einem Lokal, wo nach denselben Darstellungen Drogen angeboten wurden und Minderjährige arbeiteten. Dies sind parteiische Behauptungen, die publiziert, aber gerichtlich nicht beglaubigt wurden. Sie füllen die Medienerzählung, ersetzen aber keinen Beweis.
Es empfiehlt sich, die Ebenen zu trennen. Eines ist das, was ein Richter mit dokumentarischer Unterstützung untersucht, und anderes das, was in Interviews und Exklusivmeldungen kursiert. Sie zu vermischen ist verlockend und journalistisch profitabel, aber auch der schnellste Weg, damit ein solider Fall im Rauschen verschwimmt.
Der Fruta, der nicht per Klick gelöscht werden kann
Es gibt einen Schaden, den keine Löschung von Metadaten repariert. Selbst wenn der Fall archiviert oder ohne Verurteilung endet, ist der Status der Beschuldigung schwer rückgängig zu machen. Wer Professorin war, wird kaum wieder eine werden; wer Kurse geben oder Vereinbarungen unterzeichnen wollte, stellt fest, dass keine Institution sich mit einem toxischen Namen assoziieren möchte. Das ist der Teil des Prozesses, der nicht in den Akten erscheint, aber oft schwerer wiegt als viele von ihnen.
Die Verteidigung behauptet, man kooperiere mit der Justiz, um die Unschuld zu beweisen. Das Problem ist, dass Kooperation und das Löschen von Spuren schwer in einem Satz zu vereinen sind. Wenn Dokumente manipuliert werden, verliert die Unschuld ihre Argumente. Und dieser Widerspruch trägt den Fall in der öffentlichen Meinung mehr als jede Leckage.
Die Beweislast: Wer muss was beweisen?
Hier ist ein oft vergessener juristischer Hinweis nützlich. In einem Strafprozess muss nicht der Beschuldigte seine Unschuld beweisen: Es ist die Anklage, die die Schuld beweisen muss. Diese Last umzukehren, wie es in einigen spezifischen Verfahren geschieht, ist eine Anomalie, über die Strafrechtler seit Jahren diskutieren. Dennoch ist das Löschen von Metadaten nicht die Ausübung des Rechts, sich nicht selbst belasten zu müssen: Es ist die Veränderung des Materials, über das entschieden wird. Und das hat eigene Konsequenzen, unabhängig von der untersuchten Straftat.
Zum Zeitpunkt dieser Diskussion bleibt der Fall offen. Es gibt keine Verurteilung, keine Archivierung, kein Urteil. Nur eine Häufung von Indizien, die Ermittler zusammenfügen, und eine Verteidigungsstrategie, die vorerst mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.
Wie lange dauert es, bis ein Ermittlungsverfahren zwischen demjenigen unterscheidet, der löscht, weil er etwas verbirgt, und demjenigen, der löscht, weil er nicht weiß, was er löscht?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (117 Antworten).